Segeln America's Cup
Vom spätesten Start zum dramatischsten Finale

Das längste Warten, der spektakulärste Crash, das dramatischste Finale: Der 32. America's Cup war ein Wettbewerb der Superlative. Der etwas andere Rückblick auf zwei Jahre voller Emotionen.

Von der ersten bis zur letzten Sekunde war der 32. America's Cup ein Wettbewerb der Superlative. Der Last-Minute-Start der deutschen Kampagne bleibt ebenso im Gedächtnis wie die nicht enden wollende Flaute oder das Foto-Finish im letzten Rennen. Der etwas andere Rückblick auf zwei Jahre voller Emotionen.

Die späteste Zusage: Am 28. April 2005 fliegt Willy Kuhweide nach Valencia. Der Olympiasieger von 1964 hat historische Dokumente unter dem Arm: Die Meldeunterlagen für den ersten deutschen Teilnehmer in der Geschichte des America's Cup. Wenige Stunden vor Ablauf der Frist stehen das United Internet Team Germany und das Team China als letzte der zwölf Teilnehmer fest.

Die schönste Fehleinschätzung:"Wir werden hier sicher keine Rennen gewinnen", stapelt Jesper Bank vor dem ersten Start in Valencia tief. Nur eine Woche hat die deutsche Crew zusammen trainiert. Dann die Sensation: Gleich am ersten Tag der Vorregatten bezwingen Bank und Co. die französische K-Challenge. Es folgen weitere Siege gegen die Shosholoza und das China Team.

Der größte Schock: Zwei Monate später erlebt die deutsche Mannschaft ihr erstes Tief. In Malmö prallt Vorschiffmann Christian Buck gegen den Mast, erst im Krankenhaus kommt er wieder zu sich. Die Diagnose: schwere Prellungen und ein Jochbeinbruch. Zudem ist der Mast der Yacht GER 72 beschädigt, die Crew verbringt einen Regatta-Tag an Land. Am Ende bleibt erneut Rang zehn.

Die verrücktesten Fans: Im Oktober gastiert der Cup-Zirkus in Trapani. Das Städtchen im Westen Siziliens versinkt zwei Wochen lang im Verkehrs-Chaos. 500 000 Zuschauer sorgen für eine Bestmarke, die erst 2007 beim Finale vor Valencia gebrochen wird.

Die längste Serie, Teil 1: Nach 31 gewonnen Rennen erwischt die Alinghi vor Trapani einen schwarzen Tag und verliert innerhalb weniger Stunden sowohl gegen die französische K-Challenge als auch das US-Team BMW Oracle Racing. Der Gesamtsieg ist den Schweizern dennoch nicht zu nehmen. Das United Internet Team Germany wird nur Elfter.

Die schönsten Scherben: Das Jahr 2006 beginnt für die deutsche Mannschaft mit einer zerbrochenen Flasche Champagner. Eva Luise Köhler, Gattin von Bundespräsident Horst Köhler, tauft am 24. April in Kiel das neue Boot auf dem Namen Germany I. "Allzeit gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel", gibt sie mit auf den Weg.

Die ungewöhnlichste Segel-Kleidung:Im Sommer erfasst das Fußball-WM-Fieber auch Valencia. Vor dem Achtelfinale gegen Schweden präsentiert sich die deutsche Crew in Trikots der deutschen Nationalmannschaft. Einzig die beiden Schweden Fredrik Green und Henrik Norberg setzen auf das Blau-Gelb ihres Heimatlandes. Auf dem Wasser reicht es mit dem alten Boot nur zu Platz elf.

Der spektakulärste Crash: Das Jahr endet mit einem Paukenschlag. In Kampf um Platz drei krachen BMW Oracle Racing und die italienische Luna Rossa ineinander. Der Bugspriet der Amerikaner wird zerstört und reißt die äußere Karbonhülle des Konkurrenten auf. Beide Boote werden in den Hafen geschleppt, die Schuld den Italienern zugesprochen.

Der fatalste Fehler: Auch das deutsche Team ist vor Unfällen nicht gefeit. Zum Auftakt des Finaljahres 2007 kollidieren die Deutschen im Getümmel des Flottenrennens mit der +39. Der Mast der Italiener bricht - ein Schock, von dem sich die Crew um Skipper Luca Devoti nicht mehr erholt.

Das längste Warten: Die Herausforderer-Runde beginnt mit vier Flauten-Tagen in Serie. An Bord der Yachten wird Schach gespielt und Seemannsgarn erzählt, die TV-Stationen senden aus der Konserve. Bis zum Ende des Louis Vuitton Cups fallen zwölf Tage teilweise oder ganz dem Wetter zum Opfer.

Der leiseste Abgang: Für das United Internet Team Germany endet das Abenteuer America's Cup mit einer Bilanz von zwei Siegen aus 22 Rennen. In der Gesamtwertung reicht das nur zu Rang zehn. Steuermann Jesper Bank zieht die Konsequenzen und tritt zurück. "Für den sportlichen Bereich trage ich eine große Verantwortung", sagt der Däne mit leiser Stimme.

Die höchste Strafe: Im fünften Halbfinalrennen kassiert Oracle-Steuermann Chris Dickson innerhalb weniger Sekunden gleich zwei Penaltys. Einen Tag später wird der Neuseeländer durch Sten Mohr ersetzt, der das Ruder aber auch nicht mehr herumreißen kann. Der Topfavorit aus den USA scheidet gegen Luna Rossa völlig überraschend mit 1:5 aus.

Die längste Serie, Teil 2: Seit 1995 hatten die fünf Neuseeländer Brad Butterworth, Simon Daubney, Murray Jones, Dean Phipps und Warwick Fleury 16 Finalrennen in Folge gewonnen. Am 24. Juni reißt die Serie: Das Quintett kassiert mit der Alinghi den 1:1-Ausgleich im Cup-Finale gegen das Team New Zealand. Dennoch ein Rekord für die Ewigkeit.

Das spannendste Rennen: Das dritte Final-Duell geht in die Geschichte ein, die Neue Zürcher Zeitung schwärmt von "bester Werbung für den Segelsport". Die Führung wechselt so oft wie der Wind seine Richtung, am Ende gehen die Neuseeländer 2:1 in Führung. Es soll ihr letzter Sieg bleiben.

Die vergeblichste Anreise: Am 1. Juli strömen 87 547 Zuschauer in den Hafen von Valencia - neuer Rekord. Ein Rennen bekommen die Segel-Fans nicht zu sehen: Ein letztes Mal macht das Wetter dem Programm einen Strich durch die Rechnung.

Das dramatischste Finale: Zwei Tage später ist es soweit: Die Alinghi verteidigt ihren Titel. Das letzte Rennen bietet noch einmal Dramatik pur. Kurz vor Ende bricht der Wind ein, dreht um 150 Grad. Die Schweizer retten einen Vorsprung von einer Sekunde in Ziel. Knapper geht es nicht.

Der nächste Anlauf:"Ich habe gerade eben mit dem America's-Cup-Management gesprochen. Voraussichtlich werden wir unsere Herausforderung Anfang der Woche einreichen", sagt Uitg-Chef Michael Scheeren am 5. August. Auf die Segel-Fans warten zwei weitere Jahre voller Superlative.

© SID

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