Segeln Olympia
Qingdao setzt die Segel zum Olympiatest

Am Mittwoch fällt der Startschuss für die vorolympische Testregatta in Qingdao. Für die deutschen Starter ein gutes Pflaster, ist doch der Schauplatz der Wettfahrten eng mit der deutschen Seefahrt verknüpft.

Wenn 2008 in Qingdao die olympischen Segelwettbewerbe ausgetragen werden, haben die deutschen Boote fast ein Heimspiel. Nicht nur weil Herbert Grönemeyers Fußball-WM-Song aus den Lautsprechern des internationalen Segel-Centers schallt, als freiwillige Helfer die letzten Vorbereitungen für die olympische Testregatta ab Mittwoch treffen. Auch die Geschichte Qingdaos ist eng mit der deutschen Seefahrt verknüpft.

Fast 20 Jahre lang deutsche Kolonie

Die Hafenstadt an der ostchinesischen Pazifikküste war bis zum 1. Weltkrieg fast 20 Jahre lang deutsche Kolonie. Ihr heutiger Exportschlager, das Tsingtao-Bier, ist das Produkt deutscher Einwanderer, die 1903 die Brauerei gründeten. Die Olympischen Spiele bedeuten für Qingdao einen weiteren Meilenstein in seiner Geschichte. "Der Schub für diese Stadt ist unglaublich groß", sagt Frau Jiang Jing aus dem olympischen Segel-Komitee. Schon jetzt strömen jährlich 28 Mill. Touristen, darunter 850 000 Ausländer, in den Badeort mit seinen künstlich geschaffenen Sandstränden. Es sollen noch mehr werden.

Die Infrastruktur der Stadt wurde in den vergangenen Jahren aufgemöbelt, der Flughafen für rund zwei Mrd. Euro erneuert. Die erhöhte Frequenz von Flügen aus dem ganzen Land nach Qingdao muss bewältigt werden. Auch die Zahl an Zugreisenden soll weiter zunehmen. Noch benötigt der Zug fünfeinhalb Stunden für die 643km von Peking. Doch zu Olympia verbindet ein Hochgeschwindigkeitszug die beiden Städte und verkürzt die Reisezeit um zwei Stunden.

"Als Segelzentrum in China etablieren"

"Wir wollen uns als Segelzentrum in China etablieren", sagt der stellvertretende Bürgermeister Wang Shujian. Auf dem Weg zu Olympia hat Qingdao namhafte Konkurrenten aus dem Weg geräumt. Schanghai wollte das Segeln, auch Dalian. "Wir sind europäischer, Dalian ist japanisch", sagt Wang, was er keineswegs als Kompliment an den Rivalen versteht. Japan ist in China gelinde gesagt nur mittelmäßig beliebt.

Der Bau der olympischen Anlage hat gut 320 Mill. Euro gekostet, von denen mehr als die Hälfte in die Verlegung der örtlichen Werft investiert werden musste. Turmkran, Hafenpoller und das Baudock sind als Überbleibsel nach Umzug geblieben. "Damit wollten wir ein Stück Tradition bewahren", sagt Frau Jiang. Zukunftsweisend sind Teile der Energieversorgung. Eine Meerwasserpumpe speist die Klimanlage des Medienzentrums. Mit Hilfe von Solarplatten werden der Athleten- und Logistik-Center mit Strom versorgt. Noch im Bau befindet sich das Olympische Dorf, das unmittelbar an der Regattastrecke liegt. Bis Ende des Jahres soll es fertig gestellt sein.

"Light wind" als Vorteil der "Underdogs"

Das große Klotzen rund um den olympischen Wahnsinn hat aber längst nicht die gesamte Anlage erfasst. Das Vanilleeis im Schokomantel kostet drei Yuan, nicht einmal 30 Cent. Und die Preise bleiben auch im nächsten Jahr stabil, verspricht die Dame hinter dem Tresen. Das sind glänzende Aussichten für die Besucher, sofern sie Vanille mögen. Tun sie das nicht, winken ihnen immerhin spannende Regatten mit Außenseitersiegen. Die Windgeschwindigkeit vor Qingdao hält sich an normalen Tagen in Grenzen. Trainer und Athleten sprechen von "light wind", eine schwache bis mäßige Brise. Diese erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Favoriten straucheln.

Schon im vergangenen Jahr richtete Qingdao einen Testwettbewerb aus. "86 Prozent der Trainer und Athleten waren sehr zufrieden", sagt Frau Jiang. Die übrigen 14 Prozent hätten mangelnde Englischkenntnisse bei den freiwilligen Helfern oder mangelnde Versorgung mit Lebensmitteln im Segel-Center beklagt. "Aber das haben wir verbessert", sagt sie.

Die fließende Versorgung mit Bier zumindest ist nicht nur wegen der Tsingtao-Brauerei ohnehin garantiert. Während Olympia findet im Zentrum Qingdaos ein internationales Bierfest statt. Wer mag, kann dort Sorten aus dem Ruhrgebiet, aus dem Sauerland, aus der Eifel oder aus Bayern probieren. Der Heimvorteil der Deutschen dürfte unter diesen Umständen gesichert sein.

© SID

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