Selbstverteidigung Krav Maga: Ausschaltknöpfe des menschlichen Körpers

Selbstverteidigung Krav Maga
Tief einatmen, dann schreie ich: „Ver-piss-Dich“

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Ausschaltknöpfe des menschlichen Körpers

Mit seinen 1700 Mitgliedern in Köln und weiteren Standorten gehört das Kravolution zu den größten Anbietern in Deutschland. Nach der Silvesternacht 2015 verdoppelte sich die Mitgliederzahl; der Frauenanteil stieg von fünf auf 35 Prozent. Die spezielle Selbstverteidigung wirbt mit einem Vorteil: Sie basiert auf natürlichen Bewegungen und angeborenen Reflexen, gilt als höchst effektiv und realitätsnah.

Fernöstliche Philosophie gehört nicht ins Konzept, auch nicht der faire Kampf nach Regeln. Es geht um reine Selbstverteidigung, um Konzentration aufs Wesentliche. Das hört sich durchaus nützlich an und so entscheide ich mich an einem späten Samstagnachmittag zum Selbsttest. Auf meinen Tritt versuche ich zwei Schläge folgen zu lassen, dann aus der Kampflinie zu gehen und gleichzeitig noch zu beobachten, was hinter mir geschieht.

Wer das vergisst, brockt der ganzen Gruppe Liegestütze ein. Immerhin bleibe ich in all meiner Vergesslichkeit unentdeckt. Langsam stimmt der Rhythmus aus Tritt und Schlag – die Wucht leider nicht. Trainer Patrick ist zur Stelle. „Mit dem Spann“, erklärt er. Also durch die Beine, hochziehen, jetzt kommt der Tritt.

Von Mal zu Mal gelingt das besser, ist aber auf Dauer unglaublich anstrengend. Endlich: Rollentausch. Ich halte das Pad und mühe mich redlich, mich den kraftvollen Schlägen und Tritten meines Trainingspartners entgegen zu stemmen. Ein Tiefschutz wäre tatsächlich nicht ganz falsch, denke ich. Und unmittelbar leuchtet es ein, warum sowohl Männer wie Frauen im Training sich meist derart schützen.

Die nächste Übungssequenz heißt Haare ziehen oder vielmehr: die Abwehr dagegen. Was ein wenig nach Mädchendisziplin klingt, kann böse Konsequenzen haben. „Dummerweise hängt der Kopf an den Haaren“, führt der Trainer gemeinsam mit einem Kursteilnehmer vor. Er reißt dessen Kopf langsam mit halber Kraft nach unten und deutet an, was jetzt gefährlich wird: Das Knie des Angreifers genau auf die Nase.

Damit wäre einer der sogenannten Ausschaltknöpfe des menschlichen Körpers betätigt – Kopf oder Genitalbereich. In neuen Paarkonstellationen üben wir die Abwehr des Angriffs, der von vorne, rechts oder links kommen kann. Oder genauer: In den Gegner reingehen, sein Knie abwehren, ihn so lange in empfindliche Körperstellen schlagen bis er loslässt, aus der Kampflinie gehen, Flucht.

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