Sicherheitsbestimmungen in Fußballstadien längst deutlich verschärft
Gedenken in Freundschaft

20 Jahre nach der Katastrophe im Brüsseler Heysel-Stadion spielt Juventus Turin heute erstmals wieder gegen Liverpool.

TURIN. In England lieben sie die Retrospektive. Nirgends auf der Welt können alte Lokalhelden ihre Erinnerungen in Büchern und bei Galadiners so teuer vermarkten. Nur die Briten geben so viel Geld für vergilbte Programmhefte, angestaubte Medaillen und ungewaschene Original-Trikots aus. Schwerer tun sich die Engländer mit den unschönen Ereignisse der Fußballgeschichte. Eine Kultur des Trauerns hat der Sport, der sich selbst als Sache für harte Männer definiert, nie hervor gebracht. Auch nicht beim FC Liverpool vor dem heutigen Spiel im Viertelfinale der Champions League gegen Juventus Turin. Dem ersten Spiel beider Mannschaften gegeneinander seit 20 Jahren, seit der Tragödie von Heysel.

Es ist, als wollten die Liverpooler die dunkelsten Stunden der Vereinsgeschichte ausblenden. Zwar erinnert eine Gedenktafel im Stadion an der Anfield Road an das Unglück von Sheffield, wo 96 Liverpooler Fans 1989 zu Tode kamen. Nichts im Stadion erinnert jedoch an die Tragödie im Heysel-Stadion in Brüssel am 29. Mai 1985, kurz vor dem Finale im Europapokal der Landesmeister. Im Sektor Z des baufälligen Stadions gingen englische Hooligans auf friedliche Fans von Juventus Turin los. Zuvor hatten sie eine kleine Trennmauer zum Einsturz gebracht. Reflexartig strömten die Fans in dem niederen Sektor zusammen. Bei der Massenpanik wurde dieser für 38 Menschen zu einer tödlichen Falle, Hunderte Fans wurden teils schwer verletzt. Der Europäische Fußballverband Uefa wollte das Spiel dennoch nicht absagen. Juventus gewann durch einen Elfmeter von Michel Platini mit 1:0.

"Wir hätten besser daran getan, alle sofort nach Hause zu gehen", sagt Liverpools damaliger Kapitän Phil Neal heute. Nach der Trigödie sprach die Uefa harte Strafen aus. Alle englischen Clubs wurden für fünf Jahre von den europäischen Wettbewerben ausgeschlossen, der FC Liverpool durfte gar für sieben Jahre nicht teilnehmen. Auch das Stadion, in dem Deutschland 1972 Europameister wurde, und Bayern München 1974 den Landesmeisterpokal gewann, stand lange Zeit leer. Nach einem Umbau heißt es heute König-Baudouin-Stadion.

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