Sieg beim Major-Turnier gilt sehr viel
Gescheiterter Hoffnungsträger

Bei den US Open ist der 47-jährige Bernhard Langer der einzige Deutsche - sein vermeintlicher Nachfolger Cejka hat die Qualifikation verpasst.

PINEHURST Mit seinen 47 Jahren ist Bernhard Langer aus Anhausen alles andere als ein Jungstar auf dem Weg nach oben. Doch er ist wieder einmal der einzige Deutsche, der übrig geblieben ist. Langer, der zweimalige US-Masters-Gewinner, musste zwar erstmals in seiner Karriere in die Qualifikation für die US Open, die heute in Pinehurst in North Carolina beginnen. Aber er zeigte wieder einmal seine Klasse. 9 048 Golfer hatten für die Open gemeldet, mit Langer traten 144 Spieler an, die um 20 Plätze kämpften. Langer ist am Ende Vierter geworden, "relativ rund sei alles gelaufen, fast alle Teile des Spieles waren gut", hat er daraufhin den Erfolg kommentiert.

Nun kämpft er mit 155 Kontrahenten beim zweiten Major-Turnier des Jahres um den Sieg. Einen Sieg, der besonders viel gilt - und der besonders schwer zu erringen ist. "Die US Open sind das härteste Major-Turnier von allen", sagt Johnny Miller, NBC-Kommentator und selbst ehemaliger Golfprofi.

Nicht übermäßig lang ist der Platz Pinehurst No. 2 mit seinen 6493 Metern. Am Ende der Löcher aber warten die Grüns, wie Schildkrötenpanzer liegen sie in der Landschaft. Wie Buckelpisten, unruhig, schwer berechenbar. Blitzschnell sind sie, mit winzigen geraden Landeflächen versehen, die der Spieler erkennen muss. Nur sie darf er anpeilen, niemals direkt die Fahne. Ansonsten kullert der Ball gemächlich vom Grün. Es sind Voraussetzungen, die Bernhard Langer liegen.

Wer in den vergangenen Jahren glaubte, die Szene habe sich geändert, deutsche Jungprofis wie Cejka würden den großen Durchbruch schaffen, wird eines Besseren belehrt. Der Nürnberger Tobias Dier kämpft nach dem Verlust seiner Tourkarte in Europa auf Einladungsbasis bisher erfolglos um Ranglistenpunkte. Sven Strüver aus Hamburg, inzwischen zu Star-Trainer David Leadbetter gewechselt, hat gleiches 2004 erlebt, inzwischen aber die Tourkarte für Europa zurück. Nach 12 Turnieren und knapp 22 500 eingespielten Euro sieht es nicht danach aus, als könnte er sie behalten. Und Marcel Siem? Nach dem ersten Toursieg 2004 als Hoffnungsträger gehandelt, bringt es der Ratinger 2005 nur auf eine Top-Ten-Platzierung. Unter den ersten 150 der Weltrangliste ist Siem nicht zu finden.

Selbst vom Niveau eines Cejka, der vorrangig auf der US-Tour spielt, ist Siem weit entfernt, obwohl auch der mittlerweile mehr in den USA lebende Münchner Cejka gerade über den Tiefpunkt der Karriere klagt. "Bei der Players Championship habe ich den Sieg total verputtet", resümierte Cejka zuletzt enttäuscht. Die Scheidung von Frau Eva lässt seinen Kopf nicht frei werden für das Golfspiel. "Golf ist eine Sache des Vertrauens ins eigene Können", sagte er. In der Weltrangliste ist er abgerutscht auf Rang 83, in der US-Geldrangliste gehört er nicht zu den Top 100.

Langer hingegen liegt mit zwei Top-Ten-Platzierungen in dieser Saison gut im Rennen. Dass auf dem Golfplatz mentale Stärke besonders wichtig ist, kommt Langer auf einem strategisch anspruchsvollen Platz wie Pinehurst No.2 entgegen. Was Nervenstärke und Geduld anbelangt, wird er wohl noch lange in Deutschland keinen Nachfolger finden.

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