Sieger nicht ausreichend gewürdigt: Österreich geht auf die Barrikaden

Sieger nicht ausreichend gewürdigt
Österreich geht auf die Barrikaden

Es sollte ein unvergessener Tag für die Olympiasieger Miachela Dorfmeister und die Linger Brüder werden. Aber unter die Freude über die beiden Goldmedaillen mischte sich ein pfadiger Beigeschmack, der besonders dem österreichischen Rundfunk zu schaffen machte.

HB TURIN/WIEN. Österreich geht für seine Ski-Heldin Michaela Dorfmeister, deren Abfahrtstriumph bei den Olympischen Winterspielen nicht angemessen gewürdigt worden sei, auf die Barrikaden. Als "absolut unwürdig" bezeichnete nicht nur der Österreichische Rundfunk (ORF) die Siegerehrung in San Sicario und hat sich deshalb beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC), dem Ski-Weltverband FIS und bei der für die Fernsehübertragungen zuständigen European Broadcasting Union (EBU) schriftlich beschwert. "Der ORF protestiert mit aller Schärfe", heißt es in der Erklärung vom Mittwochabend.

Unterdessen hat das erste Damen-Abfahrts-Gold seit Annemarie Moser-Pröll 1980 in Lake Placid für Riesenjubel in der Alpenrepublik gesorgt. "820 Millionen Sekunden oder 13,7 Millionen Minuten oder 228 000 Stunden oder 9494 Tage - so lange dauerte die Durststrecke", rechnete die Tageszeitung "Kurier" penibel nach und schrieb: "Der rot-weiß-rote Gold-Bann bei den Winterspielen 2006 ist gebrochen." Das zweite Gold für Felix Austria folgte nur fünf Stunden später durch die Rodler Andreas und Wolfgang Linger - so etwas hatte es zuletzt 1992 in Albertville gegeben, als Patrick Ortlieb in der Abfahrt und Ernst Vettori im Skispringen siegten. "Es gibt nichts Größeres, als in der allerletzten Saison Olympia-Gold zu holen", jubelte Annemarie Pröll (52) vor dem Fernseher in ihrem Café in Kleinarl übers Dorfmeisters Coup. "Michi war mein Tipp. Sie ist eine absolut würdige Nachfolgerin." Österreichs Boulevardblatt "Kronenzeitung" titelte in Original-Farbe und dicken Lettern: "Gold".

Da jedoch nicht alles Gold ist, was glänzt, trommelt nun der ORF für angemessenere Siegerehrungen. Im Gegensatz zu den Zeremonien vor historischer Kulisse auf der Piazza Castello in Turin verkommen die Medaillenübergaben in den Bergen teilweise zum Pflichtprogramm. Diese Erfahrung musste bereits der deutsche Kombinations-Olympiasieger Georg Hettich machen. "Jeder Europacup-Veranstalter feiert seinen Sieger gebührender", kritisierten die "Salzburger Nachrichten" und beklagte die leeren Ränge und klein geratenen Blumenstrauß". Der ORF schrieb in seinem Protestbrief: "Die Sportler und unsere Zuschauer sind zu Recht empört und enttäuscht, in welcher Oberflächlichkeit und Lieblosigkeit diese Siegerehrungen abgewickelt werden." Höhepunkt der Peinlichkeiten sei die Tatsache, dass während der Bundeshymne noch eine andere Musik eingespielt worden sei. Das Organisationskomitee TOROC stellte dies jedoch anders dar. "Es war eine Gruppe von Fans, wahrscheinlich aus Österreich, die ziemlich viel Krach gemacht haben", sagte TOROC-Sprecher Giuseppe Gattino.

Das Österreich-Haus in Sestriere war Mittwochabend aus allen Nähten geplatzt. "Heute geb' ich beim Feiern Gas und am Sonntag bin ich wieder fit", sagte die mit Champagner übergossene Dorfmeister. "Diesen Tag werde ich mein Leben lang nicht vergessen." Nachdem Sportler, Funktionäre, Journalisten und Fans den Österreichern die "Bude" einrannten, wird es Organisationschef Matthias Bogner allmählich Angst und bange: "Wenn es bei uns so weitergeht, ist es nicht mehr zu finanzieren." 4000 Hauptspeisen waren bis Mittwochabend verzehrt, mehr als 1500 Lieter Bier getrunken worden.

Dass im Deutschen Haus keine Tage der offenen Tür herrschen - Zugang gibt's nur mit Fingerabdruck und Ausweis - stößt bei den Nachbarn auf Kopfschütteln. "Das Essen ist dort so schlecht, das müssen sie auch gut behüten", lästerte Ö3-Moderator Tom Walek.

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