Skandal droht
Handball-Schock: Kiel unter Betrugsverdacht

Der deutsche Handball steht möglicherweise vor dem größten Manipulationsskandal seiner Geschichte: Der deutsche Meister und Champions-League-Sieger von 2007 sieht sich massiven Bestechungsvorwürfen ausgesetzt, die am Montag noch erweitert wurden. Auch die SG Flensburg-Handewitt soll demnach Leidtragender gewesen sein. Es droht ein Skandal ungeahnten Ausmaßes.

HB KIEL. Die Manipulationsvorwürfe gegen den THW sollen sich auf mehrere internationale Spiele beziehen. Das bestätigte Manfred Werner, Aufsichtsratsvorsitzender der Handball-Bundesliga (HBL), am Montag der Nachrichtenagentur dpa. "Der Vorwurf lautet: Der THW soll seit 2000 internationale Spiele beeinflusst haben", sagte Werner. Es gehe nicht um nationale Begegnungen. Das Champions-League-Finale 2007 gegen die SG Flensburg-Handewitt sei dabei die herausragende Partie. Die Vorwürfe wurden von HBL-Aufsichtsratsmitglied Dieter Matheis, zugleich Beiratsvorsitzender bei den Rhein-Neckar Löwen, in einem Brief an THW-Manager Schwenker erhoben. Der THW Kiel hat sich zu den Vorwürfen bislang nicht geäußert. Die HBL will am Montagabend in Hamburg mit Präsidiums- und Aufsichtsratsmitgliedern zu einer kurzfristig anberaumten Sondersitzung zusammenkommen, bei der die Vorwürfe gegen Kiel das Thema sein sollen.

Am Sonntagabend hatte die Tageszeitung "Flensburger Tageblatt" vorab aus ihre Montagausgabe berichtet, der THW stehe unter dem verdacht, dass er den Ausgang des Final-Rückspiels in der Champions League 2007 gegen die SG Flensburg-Handewitt durch Schiedsrichterbestechung manipuliert habe. Das Spiel am 27. April 2007 hatte der THW mit 29:27-Toren gewonnen und war damit eine Woche nach dem 28:28 in Flensburg erstmals Champions-League-Sieger geworden. "Die Vorwürfe sind massiv. Wir werden uns mit Teilen des Präsidiums und des Aufsichtsrates treffen. Mir liegen bis jetzt keine belastbaren Dokumente vor. Deswegen kann ich das noch nicht kommentieren", hatte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann noch am Sonntagabend erklärt.

Ausgelöst hat den Vorgang ein Schreiben des HBL-Aufsichtsratsmitglieds Dieter Matheis an THW-Geschäftsführer Uwe Schwenker. "Es stimmt, es gibt ein entsprechendes Schreiben, in dem ich um Aufklärung dieser Sache gebeten habe", bestätigte Matheis. Details wollte er nicht preisgeben, man wolle den Sachverhalt zunächst intern diskutieren. "Sollten die Vorwürfe zutreffen, wäre dies ein sehr großer Schaden für den gesamten Handball", sagte HBL-Aufsichtsratschef Werner dem "Flensburger Tageblatt".

THW-Ex-Coach Serdarusic bestreitet Selbstanzeige

Hintergrund soll eine Selbstanzeige des ehemaligen Kieler Trainers Zvonimir Serdarusic sein, der am vorigen Mittwoch bei den Rhein-Neckar Löwen überraschend um die Auflösung seines Vertrages gebeten hatte. Matheis fungiert gleichzeitig als Beiratsvorsitzender der Rhein-Neckar Löwen. Serdarusic stritt jedoch gegenüber dem Sportinformationsdienst (sid) ab, mit einer Selbstanzeige die Sache ins Rollen gebracht zu haben. "Dieses Gerücht entbehrt jeder Grundlage", sagte der gebürtige Bosnier am Sonntagabend.

Bei der SG Flensburg-Handewitt hält man in der Angelegenheit den Ball flach. "Ich glaube einfach nicht an Bestechung. In dem Spiel gab es nur eine umstrittene Situation", sagte SG-Manager Fynn Holpert am Montag. Flensburgs damaliger Kapitän Joachim Boldsen war schon in der 19. Minute wegen Foulspiels vom Platz gestellt worden. Auch SG-Präsident Frerich Eilts kann sich "Bestechung einfach nicht vorstellen". Auch Flensburgs Linksaußen Lars Christiansen ist vorsichtig: "Wir haben damals in der Kabine gesprochen, dass das nicht fair war. Aber das ist lange her. Wir hatten die Möglichkeit, die Champions League zu gewinnen. Mich überrascht das. Das kann ich mir gar nicht vorstellen", sagte er. Als Schiedsrichter fungierte damals das polnische Duo Miroslaw Baum/Marek Goralczyk.

Sollten sich die Vorwürfe als richtig erweisen, sehen die Flensburger keine Chance für einen Einspruch gegen die Wertung des Spiels. "Das kann nur die EHF", sagte SG-Gesellschafter Manfred Werner. Der Europäische Handball-Verband behält sich vor, eigene Ermittlungen aufzunehmen.

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