Skandal im College-Sport
Dunkle Schatten auf einer Lichtgestalt im Basketball

Rick Pitino war der bestbezahlte Basketballtrainer im US-College-Sport. 16 Jahre führte er Regie an der hochangesehenen University of Louisville. Im Zuge des Bestechungsskandals ist der Millionär nun freigestellt.
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DüsseldorfDer Mann war so erfolgreich, dass er über den Erfolg gleich ein ganzes Buch schrieb. „Erfolg ist eine Wahl“ lautet der Titel des Werkes von Rick Pitino aus dem Jahr 1998. Wo immer er auch auftrat, als Cheftrainer der Basketballmannschaft einer US-Universität war Pitino der wichtigste Mann auf dem Campus.

Zuschauer jubelten, Experten schwärmten in höchsten Tönen. Pitino lockte die besten Spieler zu seiner Uni und tat dann das mit ihnen, was Pitino immer tat: Gewinnen. Über die Kunst, Menschen zu motivieren, hielt der Trainer hochbezahlte Vorträge im ganzen Land.

Vorbei. Das FBI ist auf dem Campus der University of Louisville, wo Pitino 16 Jahre lang als Trainer des Basketballteams unangefochten regierte. Mitarbeiter von ihm sollen Bestechungsgelder an Minderjährige gezahlt haben, damit sie für Louisville spielen. Nun hat die Universität Pitino freigestellt. Geld gibt’s auch nicht mehr. Vier Wochen nach dem Abschluss eines Sponsoringvertrags mit Adidas und sechs Wochen vor Saisonbeginn steht das Team ohne seinen Trainer da. Und Pitino, gerade 65 Jahre alt geworden, steht vor dem härtesten Kapitel seiner Karriere. An dessen Ende könnte eine Gefängniszelle warten.

Was sind sie noch wert, die Weisheiten von Rick Pitino? Erfolg ist eine Wahl, hieß sein Motto. Sollte heißen: jeder Mensch könne selbst entscheiden, ob er erfolgreich sein wolle oder nicht. Wer sich dafür entscheidet, müsse nur die richtigen Schritte gehen. Hart arbeiten. Entbehrungen auf sich nehmen. Ehrlich sein. „Es gibt keine Abkürzung zum Erfolg“, lautete Pitinos Lieblingszitat.

Nun ist zeigen Ermittlungen des FBI: Unter seiner Führung wurden in Louisville genau solche Abkürzungen genommen. Die amerikanischen Ermittler haben ein ganzes Sammelsurium von Beweisen. Zeugenaussagen, Telefonmitschnitte, Bankbelege. Ein Assistent von Pitino wurde dabei belauscht, wie er mit einem hochrangigen Manager von Adidas über die Verteilung von Bestechungsgeldern sprach.

Allein in einem Fall flossen 100.000 Dollar an den Vater eines Schülers, den Pitino sich in seinem Team wünschte. Wenige Tage nach der Übergabe gab der Spieler bekannt, er wolle für die University of Louisville antreten. Die Details der Affäre sind verheerend. Erst im August gaben Adidas und die University of Louisville den Abschluss eine groß angelegte Zusammenarbeit bekannt.

In den kommenden zehn Jahren will der deutsche Sportartikelhersteller insgesamt 160 Millionen Dollar an die Universität zahlen, damit deren Spieler in Schuhen und Kleidung von Adidas auftreten. Merke: Auch College-Sport ist in den USA ein Geschäft der großen Zahlen. Umso wichtiger ist deshalb den Beteiligten, alles für dieses Geschäft zu tun. Colleges rekrutieren ihre Spieler für Basketball, Football und andere Sportarten nicht einfach aus der Studentenschaft.

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