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Ski Alpin 1956: Ossi Reicherts Ode an die Freude

Im Jahr 1956 fuhr Rosa (Ossi) Reichert bei den Olympischen Spielen in Cortina d'Ampezzo voll auf Risiko. Wie die Allgäuerin mit der Startnummer eins im ersten Lauf des Riesenslalom-Wettbewerbs Maßstäbe setzte und warum dann noch das große Zittern folgte.

Stolz präsentiert Rosa "Ossi" Reichert 1995 ihre Goldmedaille, die sie im Riesenslalom bei den Olympischen Winterspielen 1956 in Cortina d'Ampezzo gewann. Die Allgäuer Ski- Legende starb 2006 im Alter von 80 Jahren in ihrem Berggasthof über Sonthofen. Quelle: dpa
Stolz präsentiert Rosa "Ossi" Reichert 1995 ihre Goldmedaille, die sie im Riesenslalom bei den Olympischen Winterspielen 1956 in Cortina d'Ampezzo gewann. Die Allgäuer Ski- Legende starb 2006 im Alter von 80 Jahren in ihrem Berggasthof über Sonthofen. Quelle: dpa

DÜSSELDORF. Kaum eine Startnummer ist im alpinen Skisport so unbeliebt wie die Nummer eins. Das gilt nicht erst heute, sondern war auch schon vor 50 Jahren so. 1956, bei den Olympischen Winterspielen in Cortina d'Ampezzo zog Rosa (Ossi) Reichert das ungeliebte Los, den damals noch in einem Lauf ausgetragenen Riesenslalom zu eröffnen.

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Schon im Vorfeld der Spiele hatte Reichert eine lange Leidenszeit hinter sich bringen müssen. Ein Bänderriss am Knöchel setzte die Läuferin aus dem Allgäu für 20 Monate außer Gefecht, ihr drohte sogar das Karriere-Ende. Erst sechs Monate vor Olympia war die Verletzung überstanden. Doch mit einer Wiederholung des Erfolges von Oslo, als Reichert hinter der US-Amerikanerin Andrea Lawrence-Mead Silber im Slalom gewann, rechnete niemand - zumal die Deutsche auch noch durch eine Grippe geschwächt wurde.

Allen Widrigkeiten zum Trotz ging Reichert am 27. Januar um 11.01 Uhr auf die Piste Calanone della Tofana - und fuhr voll auf Risiko. "I bin g'foarn wie verruckt. Dreimoi ging's grod am Sturz vorbei", beschrieb sie selbst ihr Rennen. Mit 1,56,5 Minuten setzte die 30-Jährige eine erste Duftmarke. Es folgte das große Zittern, und das nicht nur aufgrund der Temperaturen von 27 Grad unter Null.

Doch sämtliche Konkurrentinnen, die nach ihr starteten, scheiterten an ihrer Bestzeit - auch die favorisierten Österreicherinnen. Mit einem Vorsprung von 1,3 Sekunden gewann Ossi Reichert sensationell Gold vor Josefine Frandl und Dorothea Hochleitner, beide aus Österreich.

Bei der Siegerehrung wurde für Reichert nicht die deutsche, sondern die europäische Hymne, Beethovens "Ode an die Freude" gespielt, da die deutschen Athleten aus Ost und West erstmals in einer gemeinsamen Mannschaft antraten. Es sollte das einzige Mal bleiben, dass die Ode 1956 erklang. Das deutsche Team gewann nur noch eine weitere Medaille durch Harry Glaß, der Dritter im Skispringen wurde. Ossi Reichert gewann nach Gold in Cortina d'Ampezzo im gleichen Jahr auch noch drei deutsche Meistertitel. Anschließend beendete sie ihre aktive Laufbahn.

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