Ski alpin Weltcup
Außenseiter Kröll narrt die Weltelite

Beim Super-G in Kitzbühel sicherte sich Routinier Klaus Kröll vor heimischer Kulisse seinen ersten Weltcup-Sieg. Auf Rang zwei landete Aksel Lund-Svindal vor Ambrosi Hoffmann.

Als das Spiel schon verloren schien, tauchte wie aus dem Nichts doch noch der Matchwinner auf: Mit seinem ersten Weltcup-Triumph hat Klaus Kröll die stolze Ski-Nation Österreich vor einem nie dagewesenen Debakel an ihrem "heiligen Berg" bewahrt. Das 28 Jahre alte Kraftpaket aus der Steiermark gewann zum Auftakt der Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel den Super-G auf der "Streif" und sorgte damit für grenzenlose Erleichterung bei den Gastgebern.

"Das war wie Ausgleich und Siegtreffer in letzter Minute. Das war wie Manchester United gegen Bayern München", meinte Österreichs Alpindirektor Hans Pum nach dem Rennen, das für seine Mannschaft mit einem Desaster zu enden schien. Der Norweger Aksel Lund Svindal lag in Führung, gefolgt von den Schweizern Ambrosi Hoffmann und Didier Cuche. Hermann Maier dümpelte als bester Österreicher auf Rang zehn dahin. Am Fuße der "Streif" machte sich Ernüchterung breit.

Wie der WM-Titel

doch dann kam Kröll als letzter halbwegs siegtauglicher Österreicher mit Startnummer 26 die Piste heruntergeschossen. Er raste vor allem auf dem Teilstück zwischen Hausbergkante und Zielstrich so schnell daher wie kein anderer und beendete seine Fahrt nach 1:12,78 Minuten: 0,22 Sekunden schneller als Svindal, weitere 0,17 Sekunden schneller als Hoffmann. Durchaus achtbar schlug sich Andreas Strodl aus Partenkirchen: Mit Startnummer 57 fuhr er auf Rang 24.

Der Sieger konnte sein Glück kaum fassen. "Als ich die Eins aufleuchten sah, da hat es mich gerissen. Ich konnte fast nicht mehr gehen", sagte Kröll, den sie in Österreich wegen seiner Statur auch den "Bullen von Öblarn" nennen. In der vergangenen Woche hatte sich der 28-Jährige in Wengen einen dreifachen Handwurzelbruch zugezogen, in Kitzbühel startete er mit einer Manschette. "Nach Wengen habe ich nie gedacht, dass ich hier um den Sieg mitfahren kann", sagte er.

Einen besseren Zeitpunkt und Ort für seinen ersten Sieg hätte sich Kröll kaum aussuchen können. "In Kitzbühel zu gewinnen, das ist für mich gleichzustellen mit dem WM-Titel", betonte er. Für die Österreicher ist ein Super-G in Kitzbühel ohne Österreicher auf dem Siegerpodest ohnehin undenkbar : Von den bislang zehn Hahnenkamm-Rennen in dieser Disziplin gewann Austria acht. Pums Erleichterung war allzu verständlich.

Reich bleibt Weltcup-Führender

Jahrelang war Kröll, zuletzt 2006 in Garmisch Zweiter in der Abfahrt, dem ersten Sieg hinterhergefahren. "Aber ich wusste, dass es irgendwann passieren wird", sagte er. Dass es in Kitzbühel so weit sein würde, hatte er sich erträumt, dass es aber ausgerechnet im Super-G gelingen würde, war nicht geplant: Es war erst sein 14. Rennen in dieser Disziplin - normalerweise findet Kröll in der österreichischen Super-G-Mannschaft keinen Platz.

Nie aber war Kröll so wertvoll wie an diesem Freitag, an dem die österreichischen Hoffnungsträger entweder zu langsam waren wie Maier (am Ende 12.) oder Michael Walchhofer (15.), oder gleich ganz ausschieden wie Benjamin Raich. Raich behielt immerhin seine Führung im Gesamtweltcup - mit jetzt aber nur noch 40 Punkten Vorsprung vor Svindal.

© SID

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