Ski alpin Weltcup
Riesch: "Das ist einfach unglaublich"

Mit ihrem sensationellen Sieg beim Abfahrtsrennen in Lake Louise hat sich Maria Riesch eindrucksvoll zurückgemeldet. Nach dem Triumph war die 22-Jährige außer sich vor Freude. "Das ist einfach unglaublich", so Riesch.

Maria Riesch hat beim Abfahrtsrennen in Lake Louise am Freitag für einen Paukenschlag gesorgt und nach langer Verletzung wieder ein Rennen gewonnen. Nach dem sensationellen Sieg war die 22-Jährige den Tränen nahe und konnte ihr Glück kaum fassen. "Dass ich die erste Abfahrt nach meiner Verletzung gewinnen kann, das ist einfach unglaublich. Eine totale Überraschung", sagte sie nach dem vielleicht wichtigsten Rennen ihrer Karriere.

Letzter Sieg liegt über zwei Jahre zurück

Beim erst vierten Start nach ihrem zweiten Kreuzbandriss fuhr Maria Riesch zum vierten Weltcup-Sieg ihrer Laufbahn. Der letzte war ihr am 29. Februar 2004 beim Slalom im finnischen Levi gelungen, und ihre Zukunft schimmerte damals rosig. Stattdessen kamen Rückschläge: Kreuzbandriss rechts im Januar 2005, WM 2005 verpasst; Kreuzbandriss links im Dezember 2005, Olympia 2006 verpasst. Im Sommer plagten sie Selbstzweifel, das Knie wollte erst nicht so richtig heilen. Und nun eine Art Widerauferstehung: "Es tut so gut zu wissen, dass man noch Rennen gewinnen kann", sagte die Partenkirchenerin.

Ihr Sieg war trotz günstiger äußerer Umstände eindrucksvoll. Nahezu perfekt fuhr Maria Riesch die Strecke "Olympic Downhill" zu Tal, vor allem den anspruchsvollen Mittelteil, in 1:51,31 Minuten siegte sie am Ende überlegen vor ihrer Busenfreundin Lindsey Kildow aus den USA (0,38 Sekunden zurück) und Nadia Fanchini aus Italien (0,78). Es war der erste Weltcup-Sieg der deutschen Ski-Damen seit dem 21. Dezember 2004, als die mittlerweile zurückgetretene Hilde Gerg (Lenggries) die Abfahrt im Schweizer St. Moritz gewonnen hatte. Es folgten 62 Rennen ohne den Jubel über einen ersten Platz.

Maria Riesch war hinterher fair genug einzugestehen, dass die Konkurrenz benachteiligt war. "Ich hatte ein bisschen Glück mit den Bedingungen", räumte sie ein und zählte auf: bessere Sicht durch die frühe Startnummer, Rückenwind. Auch nicht von Nachteil war, dass das Rennen unmittelbar nach ihr wegen eines Sturzes der Schwedin Jessica Lindell-Vickerby rund 20 Minuten unterbrochen werden musste - danach blieben die Favoritinnen wie die Trainingsschnellste Renate Götschl (Österreich) chancenlos: "Ich hatte Glück", sagte Riesch, "aber ich hatte die letzten zwei Jahre ja wohl auch genug Pech." So etwas wie ausgleichende Gerechtigkeit also.

Riesch auf der Piste wieder furchtlos

Vor allem für die Psyche kann der Erfolg, so glücklich und unerwartet er zustande kam, wahre Wunder wirken. Sie wisse nun auch, betonte Riesch, "dass ich keine Angst mehr haben muss wegen der großen Verletzungen". Will heißen: Schon sehr früh nach dem zweiten Kreuzbandriss hat die beste Ski-Rennläuferin Deutschlands nun ein Rennen absolviert, in dem sie offensichtlich frei von Selbstzweifeln war. Ohne Hemmungen, vielmehr unerschrocken und mutig raste sie die Abfahrt herunter. Keineswegs gehemmt durch etwaige Gedanken an zwei reparierte Knie.

Monate der Ungewissheit scheinen nun mit einem Mal vergessen. "Ich habe immer daran geglaubt, dass ich zurückkehren würde", sagte Maria Riesch, "aber manchmal habe ich mich gefragt, ob ich dann auch wieder schnell sein würde, ob ich Ski fahren könnte, ohne dabei Angst zu haben." Am 1. Dezember 2006 hat die große Hoffnungsträgerin des Deutschen Skiverbandes (DSV), die seit dem ersten Kreuzbandriss im Januar 2005 gerade mal ihr zehntes Rennen bestritten hat, zu ihrer großen Zufriedenheit diese Fragen beantwortet. "Heute war der Tag, an dem ich es getan habe."

© SID

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