Ski alpin Weltcup
Schild triumphiert in Val d´Isere, Gerg Zweite

Marlies Schild hat den Weltcup-Slalom der Damen in Val d´Isere gewonnen. Die Österreicherin triumphierte im französischen Stangenwald vor Annemarie Gerg aus Lenggries. Therese Borssen aus Schweden wurde Dritte.

Annemarie Gerg kullerten die Freudentränen über die Wangen. Vom größten Erfolg ihrer bewegten Laufbahn war die Ski-Rennläuferin aus Lenggries so überwältigt wie ein kleines Kind, dem gerade unter dem Weihnachtsbaum der sehnlichste Wunsch erfüllt wurde. Nach zehn Jahren im Weltcup fuhr Gerg im reifen Alter von 31 Jahren beim Slalom im französischen Val d´Isere als Zweite erstmals aufs Siegertreppchen. "Das war schon ungewohnt", sagte sie mit einem Lächeln, als sie neben Siegerin Marlies Schild (Österreich) und der drittplatzierten Therese Borssen (Schweden) gestanden hatte.

Cheftrainer Mathias Berthold, der eine gefrustete weil von Knieproblemen arg geplagte Annemarie Gerg nach Ende der vergangenen Saison zum Weitermachen überreden musste, lobte die "alte Dame" der jungen deutschen Mannschaft über den grünen Klee: "Das musst Du erst mal schaffen: Mit 31 aufs Stockerl fahren - und dann feiern wie eine 18-Jährige." Im vergangenen März war bei der Lenggrieserin eine zwölf Jahre alte Knorpelverletzung im rechten Knie wieder aufgebrochen. "Ich wollte schon aufhören", bekannte sie nun, "aber der Mathias hat mich überredet weiterzufahren".

Neunmal hatte es Annemarie Gerg bislang im Weltcup unter die ersten Zehn geschafft, aber nie weiter als bis auf Rang vier. Ihre Fähigkeiten waren stets unbestritten, nur ihr Nervenkostüm galt als etwas löchrig. Im Finaldurchgang von Val d"Isere setzte sie diesmal voll auf Angriff, beinahe wie ein Hasardeur, und rutschte mit ihrer Gesamtzeit von 1:46,36 Minuten noch von Rang sechs nach vorne. Nur die überragende Marlies Schild, die auch den dritten Slalom dieses WM-Winters gewann (1:46,15), blieb unbeeindruckt und stürmte zudem wieder an die Spitze der Gesamtweltcup-Wertung.

Nicht nur aufgrund der hartnäckigen Kniebeschwerden kam der Erfolg von Annemarie Gerg etwas überraschend: Vor dem Start in Val d´Isere hatte sie gerade einmal zwei Tage auf Skiern gestanden. Um abzuschalten und Körper und Geist zu pflegen, war sie zuvor für zwei Wochen in die Türkei entschwunden. "Danach bin ich einen Europacup gefahren und hatte einen Trainingstag, und jetzt stehe ich auf dem Stockerl, das ist unglaublich", sagte die Slalom-Spezialistin, die sich mit ihrem zweiten Rang zugleich endgültig für die WM 2007 (3. bis 18. Februar) im schwedischen Are qualifizierte.

Im Sog von Gerg, einer Cousine der in der vergangenen Saison zurückgetreteten Slalom-Olympiasiegerin Hilde Gerg, sorgten zudem Monika Bergmann-Schmuderer (Lam) und Maria Riesch (Partenkirchen) auf den Rängen zehn und 20 für ein ansehnliches Mannschaftsergebnis, nachdem die DSV-Damen in den beiden Abfahrten in Val d"Isere gleich zweimal enttäuscht hatten. "In den schnellen Disziplinen fehlen uns halt eine Hilde Gerg und Martina Ertl", sagte Cheftrainer Berthold; das abschließende Slalom-Resultat im WM-Ort von 2009 bewertete er dagegen als "absolut super".

Es hätte sogar noch besser kommen können. Susanne Riesch (Partenkirchen) war im Finale bestens unterwegs, fädelte dann aber ein. Die große Schwester Maria kam trotz einiger Wackler gut durch und rutschte unter die ersten 30 der Weltrangliste im Slalom. "Ein schönes Geschenk, das freut mich", sagte die 22-Jährige, die in den Abfahrten nur die Ränge 26 und 28 belegt hatte. Bei der Abreise aus Val d´Isere hinterließ sie deshalb einen eher zufriedenen Eindruck: "Das waren keine Super-Leistungen in den drei Tagen, aber man kann trotzdem darauf aufbauen."

© SID

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