Ski alpin WM
Österreich lässt DSV-"Golden Girl" Hölzl hochleben

Weltmeisterin Kathrin Hölzl gibt sich nach ihrem Erfolg in Val d'Isere bescheiden, auch am Folgetag trainierte sie eifrig. Die Österreicher machten nachts für sie ein Fass auf.

Es ging auf Mitternacht zu, als die neue Ski-Weltmeisterin einen letzten Kampf mit ihrem Pflichtbewusstsein begann. "Tobi", fragte Kathrin Hölzl ihren Assistenztrainer Tobias Lux, "Tobi, wann ist morgen Training?" Lux schaute halb irritiert, halb belustigt, dann winkte er ab: "Ach, vergiss es." Hölzl wollte nicht so einfach aufgeben: "Viertel vor neun haben wir ausgemacht, oder?" Wieder grinste Lux nur: "Du musst nicht trainieren, du bist Weltmeisterin." Hölzl unternahm einen letzten Versuch: "Wer säuft, der kann auch trainieren."

Dabei hat Kathrin Hölzl beileibe nicht gesoffen. Die erste deutsche Riesenslalom-Weltmeisterin seit 31 Jahren genehmigte sich am Abend ihres Triumphs ein paar Gläschen Rotwein, nach anfänglichem Zögern legte sie dann auch ihre Hemmungen ab, sich feiern zu lassen und selbst zu feiern. Doch "Weltmeisterin", diese Anrede klang erkennbar fremd für sie. "Ich bin immer noch die Gleiche, die werde ich auch bleiben und weiter meinen Weg verfolgen, an mir arbeiten und auf dem Boden bleiben. Ich habe doch nur ein Rennen gewonnen", sagte das "Golden Girl", das fast gezwungen werden musste, die Medaille hochzuhalten.

Österreicher machen für Hölzl ein Fass auf

Dass es überhaupt noch einigermaßen spät wurde für Hölzl und einige Mitglieder der deutschen Delegation, war Cheftrainer Mathias Berthold zu verdanken. Im deutschen Club stand die Weltmeisterin am Abend ein wenig verloren an einem Tresen, die deutschen Alpinen, so war festzustellen, wussten gar nicht mehr, wie man richtig feiert. Also schleppte der Österreicher Berthold die etwas unsichere Hölzl um halb elf noch in den "Tirolberg", wo die Österreicher auch in Val d'Isere ihre Weltmeister feiern. Weil sie aber gerade selbst keinen zu feiern hatten, machten sie spontan für Hölzl ein Fass auf.

Ohnehin, die Österreicher. Cheftrainer Berthold ist einer, Hölzls Disziplin-Trainer für Riesenslalom und Slalom auch. Christian Schwaiger stammt aus Hinterthal am Hochkönig, und er hat einen nicht unwesentlichen Beitrag zu Gold geleistet. "Kati gehört sicher zu den besten Riesenslalom-Fahrerinnen der Welt", sagte er und versicherte, er sei sich "immer zu hundert Prozent sicher gewesen, dass die Kati das schafft, mal ein Rennen zu gewinnen". Vor diesem WM-Riesenslalom hatte Hölzl noch nie im Weltcup gewonnen, "aber so etwas", sagte Schwaiger, "passiert einfach, das kann man nicht planen."

Schwaiger: "Sie hat für diesen Erfolg unglaublich hart gearbeitet"

Ein bisschen aber kann man es doch. In der Woche vor ihrem Triumph trainierte Hölzl noch in Maria Alm, gleich um die Ecke bei Schwaiger. Ihr Trainer hatte von den Kollegen in Val d'Isere gehört, wie die "Face de Bellevarde" aussieht, er fand einen Hang, der jenem für das WM-Rennen sehr ähnlich ist, und Hölzl simulierte dort den Ernstfall. "Nordabfahrt, Piste 4" - schwarz markiert für Touristen, "sehr schwer, sehr eisig, die Kati ist dort sensationell gefahren", erzählte Schwaiger. Und er betonte: "Sie hat für diesen Erfolg unglaublich hart gearbeitet."

Und Kathrin Hölzl arbeitete gleich weiter. Nachts um viertel nach eins schmetterte sie im "Tirolberg", der für die Weltmeisterin aus Deutschland extra die Sperrstunde verlängert hatte, nun durchaus ausgelassen den Klassiker von Frank Sinatra: "I did it my way." Dann ging sie ihres Weges. Um halb neun am anderen Morgen machte sie sich auf zum Training.

© SID

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