Ski - Freestyle
Kaum Interesse an der Buckelpiste

Amerikaner und Japaner verehren ihre Freestyle-Fahrer. In Deutschland führt der Sport noch ein Schattendasein.

HB OBERSTDORF. John Davis verstand die Welt nicht mehr, als er kürzlich mit dem Freestyle-Tross in Oberstdorf landete. „Diese Wahnsinnsdynamik in den Buckeln und dann diese coolen Sprünge mit Schraubensalti vorwärts oder rückwärts – it's unbelievable“, schwärmte der Mittvierziger aus Kanada, während er seine Kamera für die Siegerehrung auf der Fellhorn-Mittelstation vorbereitete. „Warum sind die Leute in Deutschland nicht verrückt danach?“, fragte sich der Profifotograf, der mit den Ski-Cracks rund um den Erdball zieht und Tageszeitungen von Vancouver bis Montreal mit spektakulären Aufnahmen vom Buckelpisten-Weltcup versorgt.

„Gute Frage“, fand Enno Thomas. Während draußen im Schneetreiben John Davis mit einem Dutzend japanischer Fotografen und Fernsehleute sowie dem einzigen deutschen Kollegen von der Regionalzeitung auf die australischen, kanadischen und amerikanischen Sieger wartete, suchte der DSV-Freestyle-Cheftrainer drinnen im Restaurant nach einer Erklärung. „Die Japaner“, erzählte Thomas, „zahlen Geld dafür, um ihren Buckelpisten-Stars beim Training zuschauen zu dürfen. Die sind verrückt danach.“ Und in Amerika, Finnland oder Kanada sind die Top-Freestyler mindestens genauso populär wie alpine Skirennläufer. Jedes Kind in den Rocky Mountains kennt Jeremy Bloom, den letztjährigen Weltcup-Gesamtsieger.

Aber hier am Fellhorn haben sich nur ein paar Hobby-Skiläufer an den Streckenrand verirrt, die freilich aus dem Staunen nicht mehr herauskommen. „Vielleicht liegt es daran, dass die Leute in Deutschland nicht in dem Maße bereit sind, neue Dinge aufzunehmen, wie das anderswo der Fall ist“, lautete schließlich die Erklärung des Bundestrainers für das Schattendasein des Freestyle-Sports hierzulande.

So ganz neu ist die Sportart Buckelpistenfahren allerdings nicht. Bereits in den 60er und 70er Jahren sorgten in Amerika die Hippies unter dem Skifahrervolk mit verwegenen Fahrten über unpräparierte Rüttelpisten für Aufsehen. Aus den Schnee-Happenings der Hotdogger, so der damals gängige Begriff, entwickelte sich nach und nach eine ernsthafte Sportart mit festen Regeln und Doping-Kontrollen. Schon lange liegt kein süßlicher Marihuana-Duft mehr über dem Start- und Zielbereich. Seit 1992 ist Buckelpistenfahren gar Teil des olympischen Programms.

Es gab schon Zeiten, da bekamen deutsche Fernsehzuschauer in der Sportschau Bilder von Buckelpisten-Wettbewerben zu sehen. Das war, als Tatjana Mittermayer zur Weltspitze zählte und 1997 die Weltcup-Gesamtwertung für sich entschied. 1998 gewann die Aschauerin bei den Olympischen Spielen in Nagano Silber. Als Tatjana Mittermayer anschließend ihre Karriere beendete, verschwanden die Freestyler schnell wieder von den Bildschirmen.

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