Skispringen National
"Moderner Ikarus" feiert 75. Geburtstag

Max Bolkart zählte in den 50er und 60er Jahren zur DDR Skispringer-Elite. Durch drei Triumphe bei der Vierschanzentournee 1959/60 wurde er weltberühmt. Heute feiert der Oberstdorfer im engen Kreise seinen 75. Geburtstag.

Als "moderner Ikarus" wurde er von den Medien gefeiert, nachdem er mit einem grandiosen Sieg-Hattrick bei der Vierschanzentournee 1959/60 triumphierte - in seinem Heimatort Oberstdorf ist er immer einfach "Maxe" geblieben. Am heutigen Sonntag feiert das einstige Skispringer-Idol Max Bolkart in der Allgäu-Idylle seinen 75. Geburtstag. Im engsten Familienkreis im von Tochter Margret geführten "Landhaus Freiberg" und nach bösem Sturz wieder bei bester Gesundheit.

"Ich war als Skispringer immer ein Kerl mit Schneid und trotzdem selten verletzt. Dass es mich mal auf dem Fußweg erwischt, hätte ich nicht gedacht", meint der Jubilar. Im Winter war er auf einem eisigen Weg ausgerutscht und hatte einen Kieferbruch erlitten. "Weil wir Oberstdorfer eben beim Laufen die Hände in den Taschen haben."

Max Bolkart zählte in den 50er und 60er Jahren zu den weltbesten Skispringern und wurde vom damals überragenden Olympiasieger Helmut Recknagel gern "als mein gefährlichster Rivale" bezeichnet. Zum Thüringer Recknagel, der im März seinen 70. Geburtstag feierte, hatte Bolkart ebenso immer guten Kontakt, wie zu anderen Athleten der damaligen DDR-Skispringergilde.

Olympia-Medaille knapp verpasst

Der Klingenthaler Harry Glaß eroberte 1956 in Cortina d'Ampezzo Bronze und verhinderte mit dem Gewinn der ersten DDR-Medaille der olympischen Geschichte zugleich den größten Triumph von Bolkart, der knapp dahinter Vierter wurde. "Dem Harry war ich nicht böse. Das war ein feiner Kerl und ich habe ihm doch auch so manches Schnippchen geschlagen", erzählt Bolkart. Vier Jahre später in Squaw Valley belegte der Oberstdorfer in seiner besten Saison bei Recknagels Gold-Trimuph Platz sechs, 1964 in Seefeld stürzte er bei seiner letzten Olympia-Teilnahme und schied schulterverletzt aus.

Der gelernte Elektriker Bolkart, der viele Jahre im Oberstdorfer E-Werk arbeitete, bevorzugte wie Recknagel den damals schon nicht mehr favorisierten Sprungstil mit nach vorn gestreckten Armen. Als der legendäre Österreicher Sepp "Buwi" Bradl den viermaligen deutschen Meister betreute, verhinderte dieser den von Bolkart angestrebten Wechsel zum moderneren sogenannten "Fischstil" mit den Händen an der Hosennaht barsch: "Ein Bolkart mit den Händen nach hinten ist kein Bolkart mehr."

Grand-Slam erst 42 Jahre später

So sprang "Maxe" bis zum Karriereende 1970 seinen Stil, der ihn 1959/60 mit dem Gesamtsieg sowie Tageserfolgen auf der Heimschanze in Oberstdorf, in Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck zum Idol der Vierschanzentournee aufsteigen ließ. Nur ein fünfter Platz beim letzten Springen in Bischofshofen verhinderte damals jenen spektakulären Vier-Siege-Coup beim Grand Slam der Skispringer, den erst 42 Jahre später Sven Hannawald schaffte.

Bolkart sprang zwischen 1954 und 1964 regelmäßig unter die "Top Ten" der Tournee, fungierte später als deren Rennleiter und wird auch im kommenden Winter bei der dann 56. Vierschanzentournee wieder am Oberstdorfer Schattenberg im Einsatz sein - als Betreuer der Ehrengäste.

Beim schönsten Sprung seiner Karriere griff Bolkart 1954 in den Schnee. "Schade, die 139 Meter waren damals die Weltrekordmarke des Finnen Tauno Luiro." Aktuell steht die Rekordmarke des Norwegers Ole Einar Romören exakt 100 Meter weiter - bei 239 Metern.

© SID

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