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Skisprung-Welt verneigt sich vor Reinhard Heß

An Heiligabend ist Reinhard Heß im Alter von 62 Jahren nach langer Krankheit in einer Klinik in Bad Berka verstorben. "Er war schon zu Lebzeiten eine Legende", sagte Dosb-Präsident Thomas Bach.

Er führte das Skispringen in Deutschland aus dem Tal der Tränen in ungeahnte Höhen, formte Stars wie Martin Schmitt und Sven Hannawald und war Mill. Sport-Fans als Mann mit der Kappe bestens vertraut - doch seinen schwersten Kampf konnte Reinhard Heß nicht gewinnen. Die Trainer-Legende starb Heiligabend im Alter von 62 Jahren nach langer Krankheit in einer Klinik in Bad Berka.

Bach: "Schon zu Lebzeiten eine Legende"

Der deutsche Sport verneigt sich voller Respekt vor Heß. "Mit Reinhard Heß verlieren wir eine der wenigen Trainerpersönlichkeiten, die schon zu Lebzeiten zu einer Legende wurden", sagte Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (Dosb). Mit seiner ruhigen Souveränität habe Heß nicht nur zahlreiche Athleten zu nie da gewesenen Erfolgen geführt, sondern durch seine menschliche Art eine breite Öffentlichkeit tief beeindruckt: "Mit seinem klugen Rat und seiner engagierten Unterstützung wird er dem deutschen Sport sehr fehlen."

Einstige Wegbegleiter trauern nicht nur um den Trainer, sondern auch um den Menschen Reinhard Heß. "Ich bin froh und stolz, dass ich mit ihm gearbeitet habe - das nimmt mir niemand mehr", sagte Sven Hannawald. Unter dem erfolgreichsten Trainer in der Geschichte des Deutschen Skiverbandes (DSV) hatte er 2002 als bisher einziger Springer bei der Vierschanzentournee alle vier Springen gewonnen.

Auch Olympiasieger Dieter Thoma, der Heß einst als Trauzeugen verpflichtete, blickt wehmütig auf die Zeit unter dem Thüringer zurück: "Was ein Trainer allein bewirken kann, hat man bei Heß gesehen. Ein Baustein kann alles verändern."

Der 2003 unter Beteiligung der Athleten entmachtete Trainer lebte bis zuletzt für das Skispringen, doch den engen Kontakt zur Szene verlor Heß nach der Revolte. Lediglich mit seinem Nachfolger Wolfgang Steiert verband ihn nach der Aussöhnung eine Freundschaft, und auch in DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller hatte Heß einen engen Vertrauten. "Er war einfach ein einmaliger Mensch und Trainer", sagte Pfüller.

Beinahe zwei Jahre rang Heß mit der ihm eigenen Disziplin und Zielstrebigkeit mit seinem schweren Krebsleiden. Doch nach seinem letzten Urlaub im November auf Teneriffa ergab er sich schließlich seinem Schicksal, stoppte die Chemotherapie und ertrug fortan die fürchterlichen Schmerzen. Die letzten Tage verbrachte Heß mit der Familie in der Klinik. Dass er nach der Diagnose noch beinahe zwei Jahre mit den heißgeliebten Enkeln verbringen konnte, war für ihn das schönste Geschenk.

Der Name Reinhard Heß lebt weiter und wird untrennbar mit der erfolgreichsten Ära des deutschen Skispringens verbunden bleiben. Von Vorgänger Rudi Tusch übernahm er 1993 die als "Suppenhühner" verspotteten Springer und führte sie mit Jens Weißflog an der Spitze nur ein Jahr später sensationell zu olympischem Mannschafts-Gold. Weißflog, der unter Heß seinen zweiten Frühling erlebte, holte außerdem den Olympiasieg im Einzel.

"Erfolgssystem Heß"

Das "Erfolgssystem Heß" bescherte dem DSV einen millionenschweren TV-Vertrag und den Athleten bei jedem Saisonhöhepunkt Edelmetall. Die DSV-Adler holten bei den Winterspielen in Salt Lake City erneut Mannschafts-Gold, Hannawald gewann zwei Skiflug-Weltmeistertitel, und auch Martin Schmitt brachte es auf viermal WM-Gold. Insgesamt verzeichnete der DSV in der Ära Heß 21 Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen.

Seine eigene Springer-Laufbahn hatte der aus der Glasbläserstadt Lauscha stammende Heß wegen eines Rückenleidens früh beendet. Für den DDR-Jugendmeister von 1964 ein schwerer Schlag, konnte er seinem großen Idol Helmut Recknagel doch nicht mehr nacheifern.

Doch mit Akribie und Geradlinigkeit machte er in Erfurt das Trainer-Diplom und arbeitete zunächst als Sportlehrer an der Kinder- und Jugendsportschule Zella-Mehlis.

1 988 wurde er Cheftrainer der Skispringer im Skiläuferverband der DDR. In der ersten Saison unter dem Trainer Heß holte Weißflog bei der WM in Lahti Gold von der Normalschanze und Silber von der Großschanze.

Nach der politischen Wende erhielt Heß im DSV zunächst die Verantwortung für den Nachwuchs. Erst als Thoma bei der WM 1993 in Falun nach Hause geschickt wurde und Weißflog frustriert seine Karriere beenden wollte, beförderte man Heß auf den Chefsessel. Und aus den verspotteten Suppenhühnern wurden stolze Adler.

© SID

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