Skispringen Vier-Schanzen-Tournee
Ahonen liebäugelt mit Tournee-Rekord

Für den Finnen Janne Ahonen ist der vierte Gesamtsieg der Vierschanzentournee in greifbarer Nähe. Der erfolgreiche Skispringer will sein Idol Jens Weißflog entthronen. Die Topform des Finnen überzeugt auch den Deutschen.

Rekordverdächtig: Der fliegende Finne Janne Ahonen hat die Jagd auf den legendären Tournee-Rekord von Jens Weißflog eröffnet. "Als ich noch jung war, da ist Jens mein Idol gewesen. Er ist der größte Skispringer aller Zeiten neben Matti Nykänen, und es wäre grandios, wenn ich seinen Rekord brechen könnte", meinte Ahonen nach dem Sieg beim Auftaktspringen der 54. Vierschanzentournee in Oberstdorf.

Deutscher ist noch Rekordhalter

Weißflog hat als bislang einziger Skispringer in der mehr als 50-jährigen Geschichte zwischen 1984 und 1996 insgesamt viermal die Gesamtwertung der Vierschanzentournee gewonnen. Ahonen ist nach seinen Erfolgen 1999, 2003 und 2005 auf dem besten Weg zur Einstellung der Bestmarke. "Janne kann das schaffen, so ein Auftaktsieg gibt zusätzliches Selbstvertrauen. Er ist pünktlich in Topform, wenn es drauf ankommt. Seine Routine macht ihn so stark", sagt Weißflog dem sid. Der dreimalige Olympiasieger, der als Betreuer einer Heizfirma beim nächsten Tourneespringen am Neujahrstag in Garmisch-Partenkirchen (13.45 Uhr/live in RTL) selbst vor Ort sein wird, zittert trotzdem nicht: "Natürlich ist sowas schön, aber Rekorde sind dafür da, um gebrochen zu werden. Und mein Lebensunterhalt hängt sowieso nicht davon ab."

Psycho-Doping für Ahonen

So leicht wird der 28 Jahre alte Ahonen jedenfalls nicht mehr zu stoppen sein, nachdem er in Oberstdorf mit einer Mischung aus Psycho-Doping und unglaublichem Risiko zum ersten Sieg seit seinem WM-Triumph im Februar an gleicher Stelle geflogen war. Nach enttäuschenden Trainingsleistungen schaute sich der Hobby-Dragsterfahrer (in 0,7 Sekunden von 0 auf 100) in der Nacht vor dem Springen 40-mal ein Video seiner Erfolgsflüge an. Er nahm einen neuen Ski, einen neuen Anzug, änderte seine Flugtechnik - und gewann.

"Das war mein Meisterstück mit perfekten Haltungsnoten, unglaublich wichtig für mein Selbstbewusstsein. Es war schwer, auf meinen ersten Sieg im Winter zu warten, aber jetzt ist alles leicht für mich", sagt Ahonen. Selbst ein Vierfachsieg auf allen Schanzen, den bislang nur Sven Hannawald vor vier Jahren geschafft hat, scheint nicht mehr unmöglich, auch wenn Bundestrainer Peter Rohwein "keine Seriensiege von Janne erwartet".

Im vergangenen Winter hatte der schweigsame Mann aus Lahti die ersten drei Tourneespringen gewonnen, ehe er auf seiner Lieblingsschanze in Bischofshofen "nur" Zweiter wurde. Als härteste Konkurrenten auf dem Weg zum vierten Gesamtsieg bezeichnet der "beste Skispringer der letzten zehn Jahre" (Michael Uhrmann) die nur knapp geschlagenen Roar Ljökelsoy (Norwegen/2.) und Jakub Janda (Tschechien/3.).

Aber Ahonen geht gelassen an die nächsten Springen heran, denn für ihn gibt es Wichtigeres im Leben. Er freut sich auf seine Ehefrau Tiia und den geliebten Sohn Mico ("Er ist mein ganzer Stolz"), die auf jeden Fall nach der Tournee zur Skiflug-WM im österreichischen Bad Mitterndorf kommen wollen. Und Ahonen muss bei den Winterspielen im Februar in Turin eine Mission erfüllen: "Ich habe noch nie eine olympische Einzelmedaille gewonnen. Turin ist meine letzte Chance, das zu schaffen."

© SID

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