Skispringen Vier-Schanzen-Tournee
Die russische Mission des Wolfgang Steiert

Einst in Deutschland entmachtet, hat Skisprung-Trainer Wolfgang Steiert als Chefcoach in Russland sein Glück gefunden. Die Leistungen der DSV-Adler bedrücken den 44-Jährigen dennoch ebenso wie die Trauer um Reinhard Heß.

Die Situation im deutschen Skispringen macht ihm Sorgen, und beim Gedanken an den verstorbenen Ex-Bundestrainer Reinhard Heß kommen die Tränen. Wolfgang Steiert hat als Chefcoach in Russland mit der Vision Olympia 2014 in Sotschi die vielleicht reizvollste Aufgabe im Skisprung-Zirkus, trotzdem sind auch gut drei Jahre nach seiner Entmachtung als Bundestrainer seine Gedanken noch oft in der Heimat.

"Es ist wichtig für das Skispringen, dass wir eine starke deutsche Mannschaft haben. Die Jungs sind gut, aber da passen andere Dinge nicht", sagt Steiert bei der 56. Vierschanzentournee. Er lässt keinen Zweifel daran, dass für ihn sein Nachfolger Peter Rohwein für die Misserfolge und den internen Streit geradestehen muss: "Das ist im Fußball so, das ist überall so. Der Cheftrainer trägt die Verantwortung."

Trauer um Reinhard Heß

Das war auch im Frühjahr 2003 so, als er nach einem Putsch der Mannschaft nach zehn gemeinsamen Erfolgsjahren seinen Chef Reinhard Heß als Bundestrainer beerbte. Damals war der "Goldschmied" nicht gut auf seinen einstigen Assistenten zu sprechen, doch die beiden hatten sich vor dem Tod von Heß an Heiligabend längst ausgesöhnt. "Wir haben bis zuletzt miteinander telefoniert. Und am 8. Januar bin ich bei der Trauerfeier", sagt Steiert, und seine Augen werden feucht.

Der Schwarzwälder, der seit seiner Episode als Bundestrainer menschlich gereift ist, holte sich von Heß auch oft Rat für sein Abenteuer in Russland. "Der Verband will bei Olympia 2010 einen Olympiasieg von mir und in Sotschi 2014 am liebsten alle drei Medaillen", erzählt Steiert lachend. Sein Weg dahin ist mit seiner jungen Mannschaft um Vorflieger Dmitri Wassiljew noch weit, doch seit seiner Amtsübernahme vor genau drei Jahren bei der Tournee führte er die Russland-Flieger aus dem Nichts bis in die Nähe der Weltspitze.

Positives Zeugnis aus Russland

"Wir sind vollkommen zufrieden mit ihm. Er ist nicht nur ein guter Trainer, sondern auch ein hervorragender Organisator. Deshalb haben wir seinen Vertrag um drei Jahre bis Olympia 2010 verlängert", lobt der russische Verbandspräsident Wladimir Slawski.

Das Jahresbudget für das Steiert-Team beträgt inzwischen 600 000 Euro, ein Sponsor ist der gleiche wie bei den Champions-League-Fußballern von Schalke 04 ("Gazprom"), und das russische Fernsehen überträgt die Tournee erstmals seit vielen Jahren live.

Trotzdem ist noch viel zu tun, denn in Russland gibt es keinen einzigen Bakken mit internationalem Standard. Bis die geplanten Schanzenanlagen in der Nähe von St. Petersburg und in Sotschi fertig sind, muss sein Team in Zentraleuropa trainieren - wenn nach Wochen endlich die nötigen Visa erteilt sind. Die Arbeit ist auch wegen der Sprachprobleme (Wassiljew: "Wolfgang nixsprechen russisch") oft mühsam. Aber ihn treibt das Ziel, Russland nach Wladimir Beloussow (1968 in Grenoble) wieder Olympiagold zu bescheren.

In Russland zählen nur Medaillen

"Das wäre schon toll, das als erster Trainer zu schaffen. Dann käme sicher auch Präsident Putin vorbei", sagt Steiert. Aber er weiß auch, dass mit Blick auf Sotschi ein Masterplan mit Namen "Result" existiert, der Russland zur Wintersportmacht Nummer 1 machen soll.

Steiert: "Dass ich noch drei Jahre Vertrag habe, gibt mir zwar Sicherheit, aber am Ende helfen nur Medaillen. Vielleicht gibt es ja irgendwann auch eine andere Funktion für mich. Natürlich würde ich auch gern nach Deutschland zurückkehren."

© SID

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