Skispringen Vier-Schanzen-Tournee
Kofler gewinnt in Oberstdorf, Bodmer Zwölfter

Andreas Kofler hat sich mit dem Sieg beim Auftaktspringen der Vierschanzentournee in der Weltspitze zurückgemeldet. Außer Pascal Bodmer auf Platz zwölf stürzten die DSV-Adler ab.

Pascal Bodmer zuckte nach Platz zwölf mit den Schultern, Martin Schmitt fehlte als 23. die Kraft, Bundestrainer Werner Schuster schüttelte nur den Kopf - die deutschen Skispringer sind im Regen von Oberstdorf mit dem schwächsten Tournee-Start seit 24 Jahren baden gegangen. Als der Überraschungssieger Andreas Kofler den obersten Podestplatz erklomm, hatten die deutschen Skispringer um den auf dem letzten Rang notgelandeten Michal Uhrmann schon jede Chance in der Gesamtwertung der 58. Vierschanzentournee verschenkt.

"Das ist sicher der schlechtestmögliche Auftakt. Bei diesen schwierigen Bedingungen musste man präzise springen, und das ist uns nicht gelungen. Das müssen wir beim Neujahrsspringen besser machen", sagte Schuster enttäuscht. Der 18 Jahre junge Bodmer verhinderte hauchdünn die größte deutsche Auftaktpleite der Tournee-Historie, die es 1985 mit dem heutigen russischen Cheftrainer Wolfgang Steiert auf Platz 13 gegeben hatte.

Bodmer nicht ganz zufrieden

"Sicher waren meine Sprünge nicht so schlecht. Aber richtig zufrieden kann man nur bei einem Sieg sein", sagte Bodmer. Mit 226,9 Punkten für Sprünge auf 118,5 und 122 Meter lag er fast 40 Zähler hinter dem mit der Mini-Siegprämie von 6 800 Euro belohnten Olympiazweiten Kofler. Mit 265,2 Punkten verhinderte der Beste der überragenden Austria-Adler den Triumph des finnischen Tournee-Rekordgewinners Janne Ahonen bei dessen Comeback (253,3). Dahinter folgten mit Thomas Morgenstern (250,3) und Titelverteidiger Wolfgang Loitzl (245,4) zwei weitere Österreicher.

"Das gefällt mir brutal. Wir Österreicher wollen lange da oben gemeinsam stehen", sagte Kofler. Die als Tourneefavoriten angetretenen Simon Ammann (Schweiz/Fünfter) und Gregor Schlierenzauer (Österreich/Neunter) schafften es überraschend nicht aufs Podest.

Schmitt hat sich "sehr schwer getan"

Noch bitterer war der Abend vor 22 000 nach stundenlangem Regen durchgeweichten Fans für die deutschen Springer. Schmitt war nach seinem 23. Platz restlos bedient. "Ich habe mich hier sehr schwer getan. Von selbst geht nichts und beim letzten Sprung hat mir auch noch die Kraft gefehlt", sagte der Routinier, der von 1998 bis 2000 dreimal in Folge in Oberstdorf gesiegt hatte: "Die Tournee-Gesamtwertung können wir alle abhaken."

Michael Neumayer (Berchtesgaden/31.), der im Probedurchgang noch zur Bestweite geflogene Junioren-Weltmeister Andreas Wank (Oberhof/40.), Richard Freitag (Oberhof/46.), Stephan Hocke (Oberhof/47.) und Michael Uhrmann (Rastbüchl/50.) waren bereits im ersten Durchgang gescheitert.

Für Uhrmann ist "Tournee vorbei"

"Die Tournee ist vorbei für mich, da kann ich einen Haken hinter machen. Natürlich ist das deutsche Resultat enttäuschend", sagte Uhrmann. Dabei hatte Lokalmatador Schmitt sogar noch Glück, denn beim ersten Versuch des ersten Durchgangs wäre er nach seinem Hüpfer auf 96 Meter ausgeschieden gewesen. Doch die Jury startete den Durchgang mit vier Luken mehr Anlauf neu.

"Die Verhältnisse waren unglaublich schwierig einzuschätzen. Erst war Regen, dann keiner, dann Wind, dann keiner. Aber die Jury hat einen guten Job gemacht", sagte Skisprungchef Walter Hofer.

Ammann bleibt im Gesamtweltcup weiter vorn

Die Deutschen dagegen keinen - die Reaktionen waren entsprechend. "Ich bin extrem ernüchtert", sagte Wank. Neumayer, Tournee-Gesamtdritter von 2008, hakte den Skisprung-Grand-Slam ab: "Die Tournee ist gelaufen." Uhrmann musste mit rudernden Armen bei 93,5 Metern notlanden. "Das ist mir ewig nicht passiert. Der Frust ist groß, aber ich will es nicht nur auf den Wind schieben. Der Sprung war sicher auch keine Granate", sagte er.

Im Gesamtweltcup bleibt Ammann in Führung, Bodmer ist als einziger Deutscher auch beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen vorqualifiziert. Eine kleine Hoffnung: Dort sind neben den sieben deutschen Springern von Oberstdorf noch sechs weitere Athleten aus der nationalen Gruppe startberechtigt.

Danach wird die Tournee in Innsbruck (3. Januar) fortgesetzt und in Bischofshofen (6. Januar) abgeschlossen. Für den Gesamtsieger gibt es eine 35 000 Euro teure Nobelkarosse - damit müssen sich die Deutschen nach dem Debakel von Oberstdorf aber nicht mehr beschäftigen.

© SID

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