Skispringen Vier-Schanzen-Tournee
Leichter Optimismus bei DSV-Adlern vor der Tournee

Martin Schmitt und die deutschen Skispringer wollen bei der 55. Vierschanzentournee einen weiteren Schritt nach vorne machen. Die Favoriten auf den Gesamtsieg kommen aber aus der Schweiz, Österreich und Finnland.

Vor dem Auftaktspringen der 55. Vierschanzentournee in Oberstdorf herrscht im Lager der deutschen Skispringer nur verhaltener Optimismus. Zwar glaubt Bundestrainer Peter Rohwein durchaus, dass seine Mannen für die ein oder andere Überraschung sorgen können, doch muss er sich auch großer Kritik stellen. So hat die aktuelle Nummer eins der Skisprung-Welt das deutsche Team angegriffen. "Es ist für mich unverständlich, warum eine deutsche Nation mit solchen Mitteln nicht zu Siegen zurückfindet", sagte Gesamtweltcup-Spitzenreiter Simon Ammann vor dem Springen am Samstag (15.30 Uhr/live bei RTL): "Das ist eine große Kritik, denn Deutschland ist sehr wichtig fürs Skispringen."

Die Schweiz habe mit einem Bruchteil der Finanzmittel, die den deutschen Skispringern zur Verfügung stehen, gleich zwei Anwärter auf den Gesamtsieg: neben Ammann als Doppel-Olympiasieger von 2002 auch den Gesamtweltcup-Vierten Andreas Küttel. Die mit Einnahmen von 15 Mill. Euro allein aus dem TV-Vertrag gesegneten Deutschen sind dagegen trotz eines Sondertrainings in Oberstdorf mit zwölf Sprüngen in sechs Stunden Außenseiter. Martin Schmitt als Bester liegt derzeit auf einem 16. Platz im Weltcup.

Rohwein baut auf Uhrmann und Schmitt

Das soll sich nach dem Willen des in der Kritik stehenden Bundestrainers Rohwein, der vom Verband den Österreicher Falko Kismayr ("Das ist kein Kasper, der gute Stimmung in die Mannschaft bringen soll") als Unterstützung an die Seite gestellt bekam, aber schleunigst ändern: "Ich gehe sehr zuversichtlich in die Tournee, wir haben einen großen Schritt nach vorn gemacht. Michael Uhrmann ist immer gut dafür, vorn mitzuspringen. Genau wie Martin Schmitt."

Der letzte deutsche Podestplatz beim Skisprung-Grand-Slam liegt zwei Jahre zurück (Georg Späth am 1. Januar 2005), der letzte Sieg gar vier Jahre. Sven Hannawald triumphierte am 29. Dezember 2002 in Oberstdorf und feierte den 20. Triumph am "deutschen Berg".

Hannawald hofft, Schmitt ist skeptisch

"Manchmal geht es von null auf hundert, wenn man Kleinigkeiten ändert. Martin hat das Potenzial das durchzuziehen", meint Hannawald jetzt. Der dreimalige Oberstdorf-Sieger Schmitt selbst stapelt vor dem Springen auf seiner Lieblingsschanze tief und will sich nichts Utopisches vornehmen: "Nach ganz vorne fehlt noch ein Stück, ich will Schritt für Schritt näher heranrücken."

Favoriten auf den Tournee-Gesamtsieg sind neben den Schweizern Ammann und Küttel vor allem "Wunderknabe" Andreas Schlierenzauer (Österreich) und "Klempner" Anders Jacobsen. Der Norweger ("Ich kenne die Tournee nur aus dem TV, das sieht wie eine Menge Spaß aus") schwänzte gleich mal die Auftakt-Pressekonferenz.

Jungstar Schlierenzauer fordert Altmeister Ahonen heraus

Schlierenzauer gab dagegen brav Auskunft und baut auf die Unterstützung seines berühmten Onkels und Managers Markus Prock. Der zehnmalige Gesamtweltcupsieger und Weltmeister im Rodeln wird seinen Neffen die ganze Tour über betreuen. "Es ist lässig, dass er dabei ist. Aber ich kann bei meiner ersten Tournee eh ganz relaxt hupfen. Natürlich wäre es ein Traum, wenn ich meinen 17. Geburstag am 7. Januar mit dem Gesamtsieg feiern könnte."

Auf den mit einem 30 000 Euro teuren Geländewagen belohnten Triumph meldet aber auch der Finne Janne Ahonen Ansprüche an. Er siegte im vergangenen Winter gemeinsam mit dem Tschechen Jakub Janda, lag bei drei der letzten vier Tourneen vorn und könnte mit dem fünften Gesamtsieg Jens Weißflog als Rekordhalter ablösen.

"Ich gehöre zu den Favoriten - aber 50 Springer auch", meint Ahonen. Damit rechnet der immer ernst blickende Spaßvogel auch die Deutschen zu den Anwärtern, allerdings bittet Schmitt um Geduld: "Sicher hat das deutsche Skispringen schon bessere Zeiten erlebt. Aber wir dürfen nicht in Panik verfallen, dann werden wir auch wieder erfolgreichere Zeiten erleben." Fragt sich nur, wann.

© SID

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