Skispringen Vier-Schanzen-Tournee
Norweger Jacobsen zum Tour-Auftakt vorne

Die Qualifikation für das Auftaktspringen der Vierschanzentournee in Oberstdorf entwickelte sich für die Deutschen zu einem Desaster. Bester DSV-Akteur beim Sieg von Anders Jacobsen war Michael Uhrmann auf Rang 18.

Der Start der 55. Vierschanzentournee in Oberstdorf entwickelte sich für die deutschen Teilnehmer zu einem echten Debakel. Während Lokalmatador Georg Späth ausschied, musste sich Martin Schmitt mit dem 24. Platz anfreunden. Bester DSV-Akteur war Michael Uhrmann, der jedoch nicht über den 18. Platz hinauskam. Bei der Qualifikation für das Auftaktspringen am Samstag (15.30 Uhr/live in RTL) trennte das Trio Welten von Sieger Anders Jacobsen. Der Klempner aus Norwegen unterstrich mit einem Traumflug auf 139 Meter seine Favoritenrolle.

"In der Qualifikation haben uns die Nerven einen Streich gespielt. Immerhin haben wir fünf Springer dabei und springen voll auf Angriff", erklärte Bundestrainer Peter Rohwein. Auch Michael Uhrmann fand wenig kritisch, dass es "in die richtige Richtung geht".

Uhrmann 13 Meter hinter Jacobsen

In den beiden Trainingssprüngen noch auf Platz drei und vier gelandet, reichte es im entscheidenden Moment mit 125,3 Punkten für einen Sprung auf 126 Meter nur zum Mittelmaß. Uhrmann lag stolze 13 Meter hinter Jacobsen, der mit dem 16 Jahre jungen "Wunderknaben" Gregor Schlierenzauer (Österreich) auf Platz zwei (138 Meter) in einer eigenen Liga flog. Platz drei belegte der Pole Adam Malysz (135).

Der viermalige Weltmeister Martin Schmitt (Furtwangen) versprach nach einem 122-Meter-Sprung immerhin Besserung: "Das waren nicht meine Sprünge. Das muss ich unbedingt besser machen." Jörg Ritzerfeld (Oberhof) belegte mit einem 120-Meter-Sprung und "ganz viel Düsengang" Platz 34. Christian Ulmer (Wiesensteig) und Maximilian Mechler (Isny) schafften mit Sprüngen auf 113,5 Meter als gemeinsamer 44. nur hauchdünn die Qualifikation für das erste Tourneespringen. Mechler steht im K.o.-Duell gegen den Schweizer Gesamtweltcupsieger Simon Ammann allerdings schon im ersten Durchgang vor einer unlösbaren Aufgabe.

Späth:"Ganz bitter für mich"

Späth stürmte nach einem Hüpfer auf 107,5 Meter wütend davon - auch ein Sondertraining am Vortag im Ramsau konnte dem Dauer-Tiefflieger nicht helfen. "Das ist ganz bitter für mich, dass ich hier bei meinem Heimspringen das erste Mal seit vielen Jahren zuschauen muss", meinte Späth.

Der Oberstdorfer hatte vor zwei Jahren (1. Januar 2005 in Garmisch-Partenkirchen) für den letzten deutschen Podestplatz bei der Tournee gesorgt, der letzte Sieg liegt gar vier Jahre zurück. Sven Hannawald triumphierte am 29. Dezember 2002 in Oberstdorf und feierte damit den 20. Triumph am "deutschen Berg". Im vergangenen Winter hatte es mit drei siebten Plätzen dagegen das schwächste deutsche Tournee-Resultat seit 14 Jahren gegeben - und diesmal könnte es sogar noch schlimmer werden.

Ammann kritisiert Leistung der Deutschen

Deshalb war der Frontalangriff der Nummer eins der Skisprung-Welt vor dem mit 17 000 Tickets nicht ausverkauften Springen völlig berechtigt. "Es für mich unverständlich, warum eine deutsche Nation mit solchen Mitteln nicht zu Siegen zurückfindet", erklärte der in der Qualifikation sechstplatzierte Simon Ammann als Doppel-Olympiasieger von 2002: "Das ist eine große Kritik, denn Deutschland ist sehr wichtig fürs Skispringen."

Die Schweiz habe mit einem Bruchteil der deutschen Finanzmittel zwei Anwärter auf den Gesamtsieg - neben Ammann als Doppel-Olympiasieger von 2002 auch den sieben Gesamtweltcup-Vierten Andreas Küttel. Die mit Einnahmen von 15 Mill. Euro allein aus dem TV-Vertrag gesegneten Deutschen segelten dagegen trotz eines Sondertrainings in Oberstdorf mit zwölf Sprüngen in sechs Stunden wieder hinterher. Von den von Chefcoach Rohwein in Aussicht gestellten Podestplätzen scheint das Team Welten entfernt.

Schmitt bittet um Geduld: "Sicher hat das deutsche Skispringen schon bessere Zeiten erlebt. Aber wir dürfen nicht in Panik verfallen, dann werden wir auch wieder erfolgreichere Zeiten erleben." Fragt sich nur, wann.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%