Skispringen Vier-Schanzen-Tournee
Pfüller will sich "um den Skisprung kümmern"

DSV-Sportchef Thomas Pfüller hat vor Beginn der Vierschanzentournee das Skispringen zur Chefsache erklärt. "Ich werde mich persönlich um den Skisprung kümmern", so Pfüller, der DSV-Coach Rohwein keine Jobgarantie gab.

Kurz vor Beginn der legendären Vierschanzentournee ist Thomas Pfüller um Ruhe rund um das Springerteam bemüht. Demnach hat der Sportchef des Deutschen Skiverbandes (DSV) das Skispringen zur Chefsache erklärt, Bundestrainer Peter Rohwein aber keine klare Jobgarantie über das Ende der Vierschanzentournee hinaus gegeben. Nach einem Gespräch am Sonntag mit den aufmüpfigen Stützpunkttrainern in Oberstdorf erklärte Pfüller, dass es voraussichtlich am 9. Januar in Oberhof einen mehrstündigen Krisengipfel mit Rohwein und Co geben werde.

"Der Skisprung ist der Hauptnerv des Deutschen Skiverbandes, und wir sind mit den Leistungen nicht zufrieden. Ich werde mich persönlich um den Skisprung kümmern", sagte Pfüller auf einer Pressekonferenz.

Chefcoach Rohwein solle an der Spitze des Prozesses stehen, wenn es um das Formen des Trainerteams gehe, allerdings sei sein Verbleib im Job von den Leistungen bei der Tournee abhängig. Momentan stünden die Leistungsträger hinter dem Chefcoach, allerdings könne sich die Stimmungslage nach einem Absturz beim Skisprung-Grand-Slam auch ändern.

Bei negativem Verlauf "müsste man reagieren"

"Ich kann die Frage weder mit einem Ja noch mit einem Nein beantworten", sagte Pfüller zum Verbleib Rohweins im Job über die Tournee hinaus. Eine Jobgarantie bis zum Saisonende gebe es nicht: "Wenn die Tournee schlecht abgeschlossen wird, müsste man reagieren."

Das Minimalziel bei der Tournee seien Plätze um die Top acht. Allerdings gehe es auch darum, das mit viel Geld unterstützte Trainersystem im Skispringen, endlich zum Laufen zu bringen. Zwischen Rohwein und den unter ihm unzufriedenen Heimtrainern hätten sich die Dinge "aufgeschaukelt", deshalb müsse er die Moderation übernehmen.

Der Streit um den umstrittenen Chefcoach Rohwein war zuvor mit einer heftigen Attacke seines wichtigsten Assistenten und Kritik aus dem Verband eskaliert. "Mit Peter Rohwein ist eine Zusammenarbeit nicht möglich", hatte Heinz Kuttin, österreichischer Trainer des B-Kaders, erklärt.

Unterstützt wurde diese Aussage vom sportlichen Leiter Rudi Tusch. "Mit den Trainern in den Stützpunkten läuft es nach meiner Auffassung gut, aber es gibt Probleme nach oben rauf", sagte der für die Stützpunkte zuständige Mann dem sid. Im Frühjahr und Herbst habe es zwei Teambuilding-Maßnahmen gegeben, aber es gebe weiterhin Kommunikationsprobleme.

Kuttin kritisierte in der Bild-Zeitung, dass die Stützpunkttrainer im Sommer viele Weltcup-Athleten nach vorne gebracht hätten. "Doch bei der ersten schlechten Leistung schreit Rohwein in der Öffentlichkeit herum, dass sich niemand weiterentwickelt. Das ist eine Charakterfrage. Wir müssen uns einfach wehren", sagte der Doppel-Weltmeister von 1991 und einstige Erfolgstrainer von Adam Malysz. Für das Auftaktspringen der Tournee qualifizierten sich in Severin Freund und Julian Musiol allerdings nur zwei seiner sechs Talente.

Rohwein bemühte sich um Gelassenheit: "Die Tournee ist eine Plattform, bei der sich Personen äußern, wenn ihnen etwas nicht passt und dann auch Gehör finden. Wir werden diese Dinge aber intern ansprechen und regeln."

Doch der Riss im deutschen Skisprung-Lager zieht auch mitten durch die Athleten. Während A-Kader-Vorflieger Michael Neumayer Rohwein als "Supertrainer" lobte, übte der von Kuttin trotz seines 59. Platzes in der Qualifikation von Oberstdorf als bester deutscher Nachwuchsspringer gelobte Andreas Wank heftige Kritik.

"Die Absprachen funktionieren nicht"

"Heinz ist ein Superttrainer, aber es gibt kein Miteinander zwischen den Trainern. Die Absprachen funktionieren nicht", sagte Wank. Als der A-Kader unter Rohwein am Donnerstag ein Sondertraining in Oberstdorf absolvierte, durfte Kuttin mit dem Großteil des B-Kaders nicht mitfliegen. "Ich wusste nicht mal, dass man dort trainieren kann. Ist das normal? Manchmal frage ich mich: Heinz, warum tust du dir das überhaupt noch an?"

Der Schweizer Olympiasieger-Trainer Bernie Schödler als möglicher Rohwein-Nachfolger erklärte unterdessen, dass eine Arbeit in Deutschland "eine riesige Herausforderung" wäre. Auch Norwegens Erfolgscoach Mika Kojonkoski und Martin Schmitts Heimtrainer Stefan Horngacher gelten als Kandidaten. Der Rohwein-kritische Martin Schmitt hat jedenfalls genug von den endlosen Diskussionen um den wackelnden Bundestrainer: "Ich lese keine Zeitung, und auf dem Zimmer haben wir keinen Fernseher."

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%