Skispringen Weltcup
FIS-Termine gehen RTL auf den Sender

Zwischen dem Ski-Weltverband FIS und RTL ist ein Zwist über die Skisprung-Termine ausgebrochen. Streitpunkt ist der Weltcup in Willingen, der nach Ansicht des TV-Senders für einen anderen Zeitpunkt vorgesehen war.

Nicht sonderlich grün sind sich derzeit der Ski-Weltverband FIS und TV-Sender RTL. Streitpunkt zwischen beiden Partien ist vor dem Hintergrund des anstehenden Millionen-Pokers um einen neuen Fernseh-Vertrag die Weltcup-Planung im Skispringen. "Wir können und werden nicht unseren gesamten Weltcup-Kalender auf einen Fernsehsender ausrichten. Es geht nicht, dass wir drei Wochen nur in Deutschland springen, nur weil RTL das will", sagte FIS-Skisprungchef Walter Hofer dem sid.

"Plötzlich war alles anders"

Vorausgegangen waren Vorwürfe von RTL-Sportchef Manfred Loppe, dass die FIS Terminabsprachen gebrochen hätte. Streitpunkt ist dabei der Weltcup in Willingen, den der Sender als Rechteinhaber gern nach der derzeit laufenden Tournee (bis 6. Januar) und der Skiflug-WM in Österreich (13. bis 15. Januar) als Ende der "RTL-Serie" angesetzt hätte. "Bis Mitte des Jahres war der Termin fix, und dann war plötzlich alles anders. Es war immer klar, dass wir en bloc senden wollen", erklärte Loppe.

Weil Willingen nun am 4./5. Februar als Olympia-Generalprobe im Kalender steht, hat RTL die Rechte an die ARD verkauft. Laut Hofer gab es auch nie einen anderen Terminplan als den jetzt gültigen: "Es hat für Willingen nur einen Antrag vom Deutschen Skiverband für das erste Februar-Wochenende gegeben."

DSV-Generalsekretär Thomas Pfüller bestätigt diese Version und räumt zeitweilige Kommunikationsdefizite mit RTL "wegen der Umstrukturierungen beim Sender" ein. Der Kölner TV-Gigant ist noch bis November 2007 Vertragspartner des DSV und hat für den Fünf-Jahres-Fernsehkontrakt für die deutschen Ski-Weltcups inklusive der Tourneespringen und Willingen stolze 75 Mill. Euro bezahlt. Wohl schon während der Olympischen Winterspiele in Turin beginnen im Februar die Gespräche über einen neuen Kontrakt.

Auch wenn das Skispringen finanziell Verluste bringt, denkt RTL auch mit Blick auf die einst 15 Mill. TV-Zuschauer bei Sven Hannawalds unvergessenem Tournee-Triumph 2001/02 über eine Verlängerung mit dem DSV nach. "Skispringen gehört neben den klaren Spitzenreitern Fußball und Formel 1 zu den wenigen Premiumprodukten im Sportgeschäft. Die Tournee zu Jahresbeginn gibt ein positives Signal für den ganzen Sender", sagt Loppe.

Allerdings wird der inzwischen mit Tournee-Quoten um die sechs Mill. Zuschauer konfrontierte Sender wohl nur mitbieten, wenn RTL deutlich weniger als bisher zahlen muss und mehr Kalender-Macht bekommt. Im Winter 2006/2 007 jedoch liegen nach DSV-Antrag und FIS-Plan die Skisprung-Weltcups in Deutschland (Tournee 29. Dezember bis 6. Januar 2007/Skifliegen Oberstdorf 27./28. Januar und Titisee-Neustadt 10./11. Februar) noch wesentlich ungünstiger als in dem jetzt kritisierten Plan.

Öffentlich-Rechtliche stehen bereit

Vieles spricht also für die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten als große Gegenspieler im TV-Poker, die beispielsweise mit dem parallel zur Skiflug-WM stattfindenden Biathlon-Weltcup in Ruhpolding auf Konfrontationskurs zu RTL gehen. "Wir würden die Vierschanzentournee sofort übernehmen, aber nicht zum jetzigen Preis", hat ARD-Sportkoordinator Hagen Boßdorf erklärt.

Der DSV ist jedoch allenfalls bereit, ein oder zwei Mill. weniger als die bisherige Jahreseinnahme von 15 Mill. zu akzeptieren. Pfüller: "Natürlich sitzen die öffentlich-rechtlichen Sender in der ersten Reihe, aber RTL ist genauso eine Option. Bei aller Problematiik war das bislang eine absolut faire Partnerschaft, bei der RTL alle Dinge zu 100 Prozent erfüllt hat."

© SID

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