Skispringen Weltcup
Neue "Skisprung-Formel" sorgt für Diskussionen

Die Pläne, künftig Sätze mit unterschiedlichem Anlauf in einem Durchgang zu werten, teilen die Skisprung-Gemeinde. "Man sollte es ausprobieren", sagt Bundestrainer Werner Schuster.

Skispringen könnte in Zukunft zur komplizierten Matheaufgabe werden. Viele Topspringer laufen deshalb Sturm gegen die neuen Regeln, die beim am Wochenende in Hinterzarten beginnenden Sommer-Grand-Prix ausgerechnet vor Beginn der Olympiasaison erstmals getestet werden sollen. Eine komplizierte mathematische Formel soll künftig während eines Einzel-Durchgangs die Veränderung der Anlauflänge möglich machen.

"Martin Schmitt sieht das Ganze auch eher skeptisch, aber ich finde, dass die Sache in diesem Feldversuch ausprobiert gehört. Danach muss man aber schonungslos Bilanz ziehen", sagte Bundestrainer Werner Schuster dem SID. Genau das plant "Superhirn" Walter Hofer als Renndirektor des Internationalen Skiverbandes FIS: "Vielleicht ergibt sich schon für den kommenden Winter eine partielle Veränderung des Weltcup-Reglements, vielleicht wird das neue Reglement auch verworfen."

Hofer will das Skispringen nach den schlechten Erfahrungen der letzten Saison fairer und den Wettkampf auch bei wechselnden Winden beherrschbarer machen. Dafür wurde eine umstrittene Formel entwickelt, nach der ein Meter Anlauflänge rund fünf Meter Sprungweite entsprechen soll. Zudem soll der Wind mit in die Berechnung einbezogen werden. So könnte theoretisch jeder Springer mit einer anderen Anlauflänge antreten und es würde am Ende trotzdem ein (Rechen)Ergebnis geben.

Selbst der Finne Jouko Tormänen als Chef des FIS-Skisprungkomitees befürchtet, dass der größte Teil der Zuschauer künftig nur noch Bahnhof versteht: "Die Transparenz könnte das größte Problem werden."

Gesamtweltcupsieger und Skiflug-Weltmeister Gregor Schlierenzauer (Österreich) gehört zu den größten Gegnern von Skisprung-Wettbewerben, die am Computer entschieden werden: "Ich fürchte, dass die Wettbewerbe zu einer taktischen Angelegenheit für Trainer und Athleten werden. Außerdem wird sich der Zuschauer wundern, wenn der Athlet mit einem kürzeren Sprungversuch gewinnt. Gewinnen soll der, der am weitesten springt und die beste Show bietet."

Chefcoach Schuster hält dagegen, dass wegen der stilistischen Benotung der Flüge auch derzeit häufig schon der Springer mit den weitesten Flügen nicht ganz oben steht. "Ich würde es gut finden, wenn man in Wetter-Extremsituationen einen Wettkampf retten könnte", sagt der Österreicher. So wie im Teamspringen, wo eine Veränderung der Anlauflänge aber jeweils nur nach einer kompletten Gruppe möglich ist. Und die Mathematik deshalb keine Rolle spielt.

© SID

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