Skispringen WM
DSV-Adler fliegen ins Finale

Bei der Nordischen Ski-WM in Sapporo werden alle vier angetretenen deutschen Skispringer beim Finale von der Großschanze mit dabei sein. In der Qualifikation zeigte sich vor allem Jörg Ritzerfeld von seiner besten Seite.

Jörg Ritzerfeld mit Superflug auf 135,5 Meter, das Team stark verbessert: Die ohne Michael Uhrmann eigentlich chancenlosen deutschen Skispringer kämpfen für ihren mit Fußbruch abgereisten Vorflieger und bieten der eigenen Pechsträhne die Stirn. Nach komplett und überraschend locker überstandener Qualifikation soll der unberechenbare Wirbelwind von Sapporo das "Rumpf-Team" in den beiden Großschanzen-Konkurrenzen der Nordischen Ski-WM (Samstag/Einzel und Sonntag/Team, jeweils 10.00 Uhr/MEZ) nach vorne blasen.

"Springen für den Uhri"

"Wir springen für den Uhri. Er hat uns versprochen, am Fernsehen zuzuschauen. Und wir versprechen, ihm schöne Wettkämpfe zu bieten", kündigte Jörg Ritzerfeld an. "Wenn einer von uns den richtigen Windhauch bekommt, dann muss er die Chance nutzen und ganz nach vorne fliegen", ergänzte Martin Schmitt. Der viermalige Weltmeister aus Furtwangen weiß um die Kapriolen, die der Wind gewöhnlich auf Japans Nordinsel Hokkaido schlägt. Vor 35 Jahren wehte er sogar einen Polen mit dem treffenden Namen (Wojciech) Fortuna zum Olympiagold.

Als sich Pechvogel Michael Uhrmann am Morgen im Rollstuhl sitzend vom Team verabschiedete und mit ärztlicher Eskorte per Linienflug nach München zur schnellstmöglichen Operation des gebrochenen rechten Mittelfußes abhob, hinterließ er traurige und trotzige Kollegen. "Natürlich denken wir an ihn und wissen, wie bitter es für den Uhri ist. Er war so gut in Form. Aber jetzt hatten wir genug Pech. Jetzt sind wir mit Glück dran", verkündete Jörg Ritzerfeld die Devise.

Medaille keine Utopie

Der Oberhofer selbst zeigte in der Qualifikation wie es gehen kann. Guter Aufwind, drittbeste Tagesweite, Medaille keine Utopie. "Der Sprung war noch nicht mal optimal. Das kann ich noch besser", kündigte der Thüringer sehr zur Freude von Peter Rohwein an. Der Bundestrainer hatte von seinen Männern zuvor in Einzelgesprächen "Courage in dieser schwierigen Situation" eingefordert und zeigte sich auch mit den Qualifikationssprüngen von Stephan Hocke (Oberhof) auf 124 sowie Tobias Bogner (Berchtesgaden) auf 120,5 Meter "sehr zufrieden."

Der gerade 16 Jahre alte Junior Bogner stand auf der Okurayama-Großschanze bereits im Training einmal 136 Meter und verdiente sich so die Anerkennung des Trainers: "Der Junge hat keinen Schiss, der fliegt ganz nach unten, wenn er die richtige Luft kriegt."

Sorgenfalten blieben nur auf der Stirn von Altmeister Martin Schmitt, der bei seiner schon sechsten WM eigentlich weit vorne mitmischen will. In der Qualifikation litt der Schwarzwälder unter dem in seiner Startgruppe nachlassenden Aufwind, landete bei 121,5 Metern und haderte am Ende mit seiner fehlerhaften Sitzposition in der Anfahrtshocke. "Aber die Anlaufspur war am Ende auch extrem schlecht. Ich hoffe, die wird über Nacht neu gemacht", entschuldigte sich Schmitt.

Ähnliche Probleme offerierte übrigens auch die Prominenz. Vierschanzentournee-Gewinner Anders Jacobsen (Norwegen) landete nur bei 120,5 Meter, der fünfmalige Saisonsieger Gregor Schlierenzauer (Österreich) bei 110,5. Nur Altmeister Adam Malysz zeigte keine Schwäche. Die Tageshöchstweite von 139,5 Meter in der Qualifikation war die bestmögliche Empfehlung des kleinen Polen für das Comeback auf dem Weltmeisterthron, den er schon 2003 besetzt hielt.

© SID

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