Skispringen WM
Schmitt fliegt zur Silbermedaille

Martin Schmitt hat bei der Skisprung-WM in Liberec die Silbermedaille gewonnen, nachdem der Finaldurchgang abgebrochen wurde. Gold ging an den Schweizer Andreas Küttel.

Martin Schmitt hat im Wetterchaos von Liberec nach acht Jahren wieder eine WM-Medaille gewonnen und als "Silbermann" seinen fünften Titel nur um umgerechnet 22 Zentimeter verpasst. Als der Abbruch nach dem ersten Durchgang beschlossen war, riss der Routinier auf dem Sprungturm um 18.31 Uhr jubelnd die Arme in die Höhe und umarmte Überraschungs-Weltmeister Andreas Küttel aus der Schweiz. Die Jury hatte den zweiten Finaldurchgang des Springens von der Großschanze wegen anhaltenden Schneefalls gestoppt, Schmitt machte damit ein großes Comeback im deutschen Sport perfekt.

"Es war ein Traum von mir, nochmal aufs Podest bei einer WM zu kommen und den habe ich mir erfüllt. Die Farbe der Medaille ist mir völlig egal", erklärte Martin Schmitt überglücklich: "Ich war auf das Finale vorbereitet und klar im Kopf, aber kann natürlich gut mit dem Abbruch leben." Seine Freundin Patricia und viele deutsche Fans jubelten überschwänglich, als die Jury den chaotischen Wettkampf stoppte. Dann sprang Schmitt mit einem breiten Lächeln aufs Siegerpodest.

Entthronter Titelverteidiger als erster Gratulant

Mit 141,3 Punkten für einen Sprung auf 133,5 Meter wurde Andreas Küttel zum Champion gekrönt, der erste Gratulant war mit seinem Schweizer Teamkollegen Simon Ammann der entthronte Titelverteidiger. Schmitt lag mit 140,9 Zählern für 133 Meter nur 0,4 Punkte hinter Küttel. Damit war eine Durststrecke von genau 2 926 Tagen ohne deutsche WM-Einzelmedaille beendet. Am 23. Februar 2001 hatte Schmitt in Lahti ebenfalls Silber gewonnen. Bronze in Liberec gewann der Norweger Anders Jacobsen (139,5) vor dem besten Österreicher, Gregor Schlierenzauer (138,6).

"Dass Martin nach einer so langen Durststrecke wieder auf dem Podest steht, ist unglaublich. Er hat Silber völlig zurecht gewonnen, es wird später niemand mehr fragen, wie es zustande gekommen ist", sagte Bundestrainer Werner Schuster: "Aber der Abbruch war korrekt. Und es hat nicht den Falschen erwischt." Für Sportdirektor Thomas Pfüller war die siebte Silbermedaille der größte deutsche Erfolg in Liberec: "Das ist eine ganz besondere Medaille. Wir haben so viele Jahre im Skispringen nichts gewonnen."

Starke Leistungen wecken Hoffnungen auf Mannschaftsmedaille

Stephan Hocke (14.), Michael Uhrmann (17.) und Michael Neumayer (28.) feierten mit ihrem Teamkapitän. Die starke Vorstellung machte Hoffnung auf die anvisierte Medaille im Mannschaftswettbewerb am Samstag (16 Uhr live im ZDF und Eurosport). Das Ziel von einer Medaille ist jedoch schon jetzt erreicht. "Hier sind gute Nerven gefragt", hatte Martin Schmitt vor dem Wettkampf erklärt. Er sollte recht behalten. Der Routinier war mit seinem ersten Sprung zufrieden gewesen. "Den habe ich gut erwischt", sagte Schmitt und fügte hinzu: "Besonders aufgeregt bin ich nicht."

Es sollte noch spannender werden, denn im Finaldurchgang begann ein Schneeschauer. Die Bedingungen wurden wegen der immer langsamer werden Anlaufspur zunehmend schlechter. "Jetzt wird es unfair. Wenn sie abbrechen, hat Martin Silber", erklärte Uhrmann. Als Titelverteidiger Simon Ammann (Schweiz) bei 110 Metern abstürzte, brach die Jury tatsächlich den Durchgang ab, obwohl nur noch sieben Springer oben standen. Allerdings wurde nach einer Pause von 20 Minuten der Finaldurchgang neu gestartet. Nach 16 Springern war jedoch erneut Schluss und Schmitt konnte endlich jubeln: "Das ist ein Traum."

© SID

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