Sommerspiele in Hamburg
Olympia würde Steuerzahler 7,4 Milliarden Euro kosten

Im November stimmt die Hamburger Bürgerschaft endgültig über die Olympiabewerbung 2024 ab. Zumindest am Geld soll es nicht scheitern: Bürgermeister Olaf Scholz verspricht das solideste Finanzkonzept aller Zeiten.

HamburgNur einmal gönnte sich Olaf Scholz ein kurzes Aufflackern von Emotion – ganz zum Schluss der Pressekonferenz. Da antwortete der Hamburger Bürgermeister  auf die Frage, ob die Flüchtlingskrise nicht das Referendum Ende November überschatten werde. Die Flüchtlinge und die Olympia-Pläne hätten eines gemeinsam: „Es geht darum, sich anzustrengen für eine bessere Welt.“ Die Bewerbung werde der Stadt Hoffnung bringen. Eigentlich aber ging es um nüchterne Zahlen: die Kostenschätzung für die Olympiabewerbung 2024.

Den ungewöhnlich starken Journalisten-Andrang im prunkvollen Bürgermeister-Saal des Rathauses nutzte der SPD-Politiker, um sein solides Image so stark zu kultivieren wie selten zuvor. „Wir haben sicher die am besten durchgerechnete Bewerbung für Olympische Spiele – nicht nur in Deutschland, sondern ever“, gelobte er. „Das ist ein gut kalkuliertes Projekt, auf das man sich auch einlassen kann, wenn man begeistert ist, und nicht bloß euphorisch.“

Dabei sind die Olympia-Pläne der Hansestadt nun im Vergleich doch nicht so bescheiden wie anfangs angekündigt: 7,4 Milliarden Euro soll das Projekt den Steuerzahler kosten, falls Hamburg den Zuschlag erhält. Den größten Teil davon müsse der Bund tragen, sagte Scholz. Er sei bereit, bis zu 1,2 Milliarden Euro zuzusteuern.  Auf die Stadt kämen zudem etwa eine halbe Milliarde Euro Folgekosten für den Rückbau der Anlagen zu.

Insgesamt addieren sich die Kosten – vor Einnahmen – auf 11,2 Milliarden Euro, dazu kommen 3,6 Milliarden Euro Privatinvestitionen in Bauprojekte vor allem im geplanten neuen Stadtteil Olympia City. Dessen Komplett-Ausbau zum Wohnstandort mit Start-up-Büros würde die Hamburger Bauwirtschaft bis 2034 beschäftigen. Dazu gehört auch ein Umbau des knapp 600 Millionen Euro teuren Olympiastadions, das anschließend neben Sport- auch Wohnflächen bieten soll.

Die Kosten für die öffentliche Hand sollen nach den Berechnungen unter denjenigen der Londoner Spiele liegen. Diese hätten zu rechnerischen Preisen von 2024 knapp zehn Milliarden Euro gekostet. Hamburgs Konkurrent Los Angeles kalkuliert allerdings nur mit Kosten von über sechs Milliarden Dollar – und verspricht sogar, kein Steuergeld auszugeben. Die Stadt war kurzfristig für den eigentlich auserkorenen US-Bewerber Boston eingesprungen, der am Kostenstreit gescheitert war.

„Ich bin beeindruckt über die kreative Intelligenz, über die andere verfügen, die schon einen Tag nach ihrer Bewerbung sagen können, was es kosten wird“, spottete Scholz über die Amerikaner. Für Hamburg bemühte er sich, maximale Seriosität zu vermitteln. Im Zweifel seien im Kostenplan immer die höheren Kosten ausgewiesen worden, daher gebe es gute Chancen, darunter zu bleiben. Dabei habe er auch aus der Kostenexplosion bei der Elbphilharmonie gelernt, wo die Kosten von Anfang an viel zu niedrig kalkuliert worden seien.

Der 114 Seiten starke Finanzreport zeigt: Die Kosten setzen sich aus mehreren Positionen zusammen. Im Mittelpunkt der Planungen steht das Olympiagelände auf einer Insel im Hafen, die bislang von Logistikern genutzt wird. Deren Umzug auf bestehende Hafenflächen, die durch Zuschüttungen alter Becken erweitert werden sollen, würde allein schon  1,3 Milliarden Euro kosten. Anschließend müsste der Olympia-Stadtteil hergerichtet werden für 1,7 Milliarden Euro. Die zentralen Sportstätten inklusive Pressecentrum und temporärer Brücken würden knapp zwei Milliarden Euro kosten, weitere Standorte etwa in den Messehallen 941 Millionen Euro.

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