Spanien
Proteste gegen milde Urteile im Fuentes-Prozess

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Fuentes bot dem Gericht seine Kundenliste an

Ein Teil der Blutbeutel soll aber zunächst aufgehoben werden für den Fall, dass noch ein Prozess gegen den Mediziner José Luis Merino stattfinden sollte. Der frühere Fuentes-Partner war einer der Verdächtigen. Er musste in dem Prozess aber nicht auf die Anklagebank, weil er an Alzheimer leidet.

Die Richterin sah es als erwiesen an, dass Fuentes die Gesundheit seiner Kunden gefährdet hat. Seine Praktiken hätten „eine erhebliche Gefahr für die Gesundheit der Radsportler“ bedeutet. „Die Bluttransfusionen dienten allein dem Zweck, vor einem Wettbewerb die Leistungsfähigkeit von Sportlern zu erhöhen“, heißt es in dem Urteil.

Der Gynäkologe war nicht wegen Dopings angeklagt, weil Doping bei der Aufdeckung des Skandals 2006 in Spanien kein Straftatbestand war. Die Staatsanwaltschaft hatte zwei Jahre Haft für Fuentes gefordert, der Mediziner dagegen seine Unschuld beteuert. Die Tätigkeit des Dopingarztes war im Vorfeld der Tour de France 2006 aufgeflogen. Mehr als 50 Radprofis gerieten unter Dopingverdacht.

Spanien musste sich während der siebenjährigen Ermittlungen vorhalten lassen, nicht energisch genug gegen Doping vorzugehen. Die Hoffnung, der Prozess könne diesen Vorwurf ausräumen, ging nicht in Erfüllung. „Die Urteile erwecken den Eindruck, dass Spanien das Doping toleriert oder zumindest zum Kampf gegen diese Plage nicht bereit ist“, schrieb die Zeitung „El Periódico“.

Das Verfahren hatte deutlich gemacht, dass Fuentes ein lukratives Unternehmen betrieb, das Dutzenden von Sportlern Transfusionen mit Eigenblut anbot. Einige Kunden sind namentlich bekannt, von anderen kennt man nur die von Fuentes verwendeten Pseudonyme und Kürzel.

Fuentes hatte bei seiner Vernehmung ausgesagt, dass er neben Radsportlern auch Fußballer, Tennisspieler und Boxer behandelte. Er bot die Herausgabe der Liste seiner Kunden an, aber die Richterin wollte während des laufenden Verfahrens davon nichts wissen. Zehn Radprofis sagten als Zeugen aus, nur drei berichteten offen über ihre Erfahrungen als Kunden von Fuentes. Dies waren der Spanier Jesús Manzano, der Amerikaner Tyler Hamilton und der Deutsche Jörg Jaksche.

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Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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