Speedminton verbindet die besten Eigenschaften von Squash, Tennis und Badminton.
Schneller geht’s nicht

Speedminton ist ein ungeheuer schnelles Spiel. Zwei Spieler jagen einen kleinen neonfarbenen Ball hin und her. Getrieben wird der Ball mit einem Schläger, der einem Squashschläger ähnlich ist, aber über eine Tennisbesaitung verfügt. Der kleine Ball erreicht eine Geschwindigkeit von bis zu 300 Stundenkilometern.

Es ist ein wilder Schlagabtausch. Die junge Frau pfeffert mit ihrem Schläger den kleinen neonfarbenen Ball in hohem Bogen meterweit über ihren Gegner hinweg. Der spurtet über die Liegewiese am Starnberger See und kann den Ball gerade noch volley annehmen. Mit voller Wucht schlägt er den federballähnlichen Winzling kraftvoll zurück. „Das ist Speedminton“, sagt die 35-jährige Sandra aus München. Der Schläger, den sie in der Hand hält, hat starke Ähnlichkeiten mit einem Squashschläger, er verfügt aber über eine Tennisbesaitung.

Der Ball, der durch die Luft saust, heißt Speeder, klärt Sandra weiter auf. Bis zu 300 Stundenkilometer kann er schnell sein. Die äußerlichen Ähnlichkeiten mit dem klassischen Federball täuschen. Der Speeder ist schwerer und sorgt somit für ein höheres Spieltempo. Die Bälle fliegen flacher, präziser und mit starkem Drive. Ein aufsetzbarer Windring macht den Ball noch schneller und soll das Spielen sogar bis zu Windstärke vier ermöglichen.

Erfunden hat den High-Tech-Ball der Berliner Seemann Bill Brandes, dem das Federballspielen in Sporthallen zu miefig war. Draußen fegte es ihm den Federball aber immer wieder in Nachbars Garten. Sieben Jahre tüftelte er an seiner Neuentwicklung. 2001 schlossen sich Berliner Shuttleball-Spieler zusammen, erwarben die weltweiten Rechte und gründeten die Speedminton GmbH. Bälle und Rackets wurden erneut verbessert und Shuttleball in Speedminton umgetauft.

Geht es nach den Erfindern des Racket-Sports, verbindet die Sportart das Beste aus Tennis, Badminton und Squash. Eine besondere Variante ist das Blackminton, das nachts bei Schwarzlicht mit fluoreszierenden Linien und so genannten „Speedlights“ gespielt wird. In die Nachtspeeder werden dabei Stäbchen mit fluoreszierenden Stäbchen gesteckt, die bis zu vier Stunden lang leuchten.

Von der Theorie wieder zur Speedminton-Praxis: Die Weekend-Journal-Reporterin wartet am Sportstrand in Neuss auf ihren Gegner. Von einem Speedminton-Spielfeld ist allerdings nichts zu sehen. Das muss Harald Hau, Geschäftsführer des Basketball-Verbandes in Neuss, erst noch präparieren. Der 2,04 Meter große Hüne, der die Speedminton-Schnupperabende betreut, baut dazu das Netz eines Beachvolleyball-Feldes ab und steckt mit so genannten Gecko-Tormarkern, knallorangenen kleinen Gummihügelchen, den Platz ab. Ein Netz brauchen wir nicht.

Mein Gegner heißt Volker Kobold, ist zehn Jahre jünger als die Reporterin und Badminton-Trainer. Er steht mir in einem quadratischen Spielfeld von 5,5 mal 5,5 Metern gegenüber. Zum Warmmachen spielen wir uns die Bälle zu. Das Speedracket ist federleicht. Ich schieße jeden zweiten Fun-Speeder, so heißt der Einsteigerball, in hohem Bogen ins gegnerische Aus – und das trotz langjähriger Tenniserfahrung.

Das Spielfeld ist deutlich kleiner als beim Tennis, und die Speeder fliegen ohne großen Kraftaufwand bis zu 20 Meter weit. Anfangs ist es ein Unding, damit Ballgefühl zu entwickeln, und so hechte ich im Sand nach den Bällen und schmettere sie nicht gerade zielgerichtet zurück.

Volker geht es noch nicht schnell genug, er bringt den Match-Speeder ins Spiel – einen Ball, der bis 290 Stundenkilometer schnell wird. Doch nicht nur das: Jetzt steigen wir auch auf die Wettkampfschläger aus Carbon um, die dem High-Tech-Federball durch die höhere Bespannung noch mehr Drive geben. Eine Viertelstunde später fließt der Schweiß in Strömen.

Nach einer kurzen Pause und einem halben Liter Apfelsaftschorle wechseln wir das Spielfeld: Wir gehen zum angrenzenden Fußballplatz. Dort hat Harald Hau ein Speedmintonfeld mit neonfarbenen Gurtbändern markiert, die wie beim Beachvolleyball mit Heringen festgesteckt werden.

Das Spiel gewinnt an Wettkampfcharakter, die Bälle fliegen inzwischen zielgerichteter, und wir sehen genauer, wann ein Speeder in hohem Bogen hinter der Markierung landet. Ein Satz geht bis 16 Punkte, bald verliere ich die Lust, die Punkte meines Gegners zu zählen.

Dennoch: Speedminton macht großen Spaß. Es ist nicht so trainingsintensiv wie Badminton oder Tennis – nach ein bisschen Übung bekommen auch Anfänger schnell ihre ersten Erfolgserlebnisse. Ein ordentlicher Muskelkater ist außerdem programmiert.

Um das Spiel über den Winter zu retten, werden die Speedminton-Erfinder erfinderisch und machen sogar dem klassischen Tennis-Match Konkurrenz.

Mit „T-Lines“, weißen antistatischen Gummibändern, können Speedmintonspieler auf dem Tennisplatz ihren Court aufkleben und somit das Spiel einfach von der Liegewiese in die Tennishalle verlagern.

Sandra will jedenfalls von ihrer Speedminton-Leidenschaft auch im Winter nicht lassen. Und auch bei mir ist das Thema nicht vom Tisch: Schließlich will ich fit in die nächste Fitness-Saison starten.

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