Spekulationen um GWD Minden
In zweifelhaft guter Gesellschaft

Die im Insolvenzverfahren steckende SG Wallau/Massenheim ist nicht der einzige Handball-Bundesligist, der derzeit um das Überleben kämpft. Der Ligaverband beobachtet die Entwicklung mit Entsetzen.

FRANKFURT. Die Auszeit ist überstanden. Drei Wochen, in denen nur geredet, gerechnet und gezittert wurde. Morgen können sich die Bundesliga-Handballer der SG Wallau/Massenheim wieder auf das konzentrieren, wofür sie beim Klub (theoretisch) bezahlt werden: Handball spielen. Doch wenn das Team von Trainer Martin Schwalb morgen bei der HSG Düsseldorf aufläuft, hätten die Spieler allen Grund, den Dienst zu verweigern. Die Gehälter von Januar, Februar und März stehen aus. Wann sie überwiesen werden, weiß niemand. Rechtsanwältin Claudia Jansen, vom Amtsgericht Frankfurt als vorläufige Insolvenzverwalterin eingesetzt, prüft die Unterlagen und ermittelt den finanziellen Status quo.

Während die Zukunft des Klubs auf der Kippe steht, hat die Mannschaft nur ein Ziel: Sie will ihrer überragenden Rückrundenbilanz von sieben Siegen aus acht Spielen einen weiteren Erfolg hinzufügen. Die miserable Finanzsituation des Vereins - nimmt man die ausstehenden Gehälter (ca. 360 000 Euro), die bis zum Saisonende monatlich steigen Steuerschulden (150 000 Euro), nicht einzutreibende Forderungen (150 000 Euro) und eine vorhandene Finanzierungslücke von 250 000 Euro, fehlen bis zum Saisonende mehr als eine Million Euro - versucht Torhüter und Mannschaftssprecher Marcus Rominger auszublenden. "Wir konzentrieren uns nur aufs Sportliche und sind alle fit", meinte er gestern und fügte an: "Und gewillt." An dem Willen seiner Mannschaft zweifelt auch Trainer Martin Schwalb, der gegen die HSG "ein Kampfspiel" erwartet, keine Sekunde. Sie seien "immer motiviert" und "brennen darauf", nach der Spielpause weiterzumachen. Nicht zuletzt durch den knappen Hinrundensieg von 29:28 sei man vor dem Gegner, der gegen den Abstieg kämpft, gewarnt.

An der Front ums Überleben kämpfen die Gesellschafter und Förderer - nicht nur bei der SG Wallau/Massenheim. Auch der SV Post Schwerin ist kräftig am Wirbeln, um die drohende Insolvenz abzuwenden. Die Maßnahmen ähneln denen im Ländchen: Die Spieler, die in diesem Jahr noch kein Geld gesehen haben, verzichten auf 20 Prozent ihrer Bezüge, die Gesellschafter erhöhen ihre Einlagen, und über einen Sponsorenpool soll neues Geld in die Kasse gespült werden. "Wir sind noch nicht durch", sagt Post-Geschäftsführer Michael Krieter, aber 75 Prozent der nötigen Summe sei aufgetrieben.

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