Spieler-Etats
Handball-Clubs prüfen Selbstbeschränkung

Angesichts der Wirtschaftskrise und alarmiert vom SOS der HSG Nordhorn wollen die Handball-Bundesligisten den finanziellen Gürtel enger schnallen. In Anlehnung an Vorstöße aus der Deutschen Fußball-Liga (DFL) denken auch die Handball-Clubs über eine Beschränkung ihrer Spieler-Etats nach.

dpa LEIPZIG. Auf der jüngsten Manager-Tagung wurde mit Blick auf die stetig steigenden Kosten über die Einführung eines sogenannten "Salary Caps" diskutiert. Dabei sollen die Gehälter pro Club auf eine bestimmte Summe begrenzt werden. Mehrausgaben müssten dann als Strafgeld in einen Topf eingezahlt werden.

"Wir haben vereinbart, das einmal zu überprüfen", sagte Frank Bohmann, Geschäftsführer des Liga-Verbandes HBL, am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Derzeit stecken die Club-Verantwortlichen allerdings noch in ihren Gedankenspielen. "Das funktioniert nicht so ohne weiteres, weil wir damit auch gegen EU-Recht verstoßen würden", wandte Bohmann ein. Allerdings traf die Idee der freiwilligen Selbstbeschränkung ausgerechnet bei den finanzstarken Rhein-Neckar Löwen, die mit einer Millionen-Offerte Welthandballer Nikola Karabatic vom deutschen Rekordmeister THW Kiel loseisen wollen, auf offene Ohren. "Mit dem Salary Cap in Relation zu den Einnahmen sind wir vielleicht auf einem guten Weg", sagte Geschäftsführer Thorsten Storm.

"Wenn ein Verein so viel Geld einnimmt, dass er sich den teuersten Spieler der Welt leisten kann, dann ist das in Ordnung. Das wird aber die Ausnahme bleiben. Denn alle müssen den Gürtel enger schnallen", meinte Piet Krebs, Geschäftsführer des HSV Hamburg. Wie seine Kollegen ist er mehr denn je davon überzeugt, dass die Etats in Zukunft nicht mehr unkontrolliert wachsen. Vielmehr rechnet er gar mit rückläufigen Haushalten für die nächste Spielzeit. "Die Finanzkrise macht vor keiner Sportart halt. Jeder speckt jetzt wohl seinen Etat für die nächste Saison ab", prognostizierte Krebs. Noch zu Beginn dieser Saison hatten die Clubs der Handball-Bundesliga mit insgesamt schätzungsweise 68,15 Mio. Euro nach 61,9 Mio. Euro im Jahr davor einen Rekordetat vermeldet.

"Es gibt einige Schieflagen"

Gerade die Spielergehälter sind in den vergangenen Jahren explodiert und machen 70 Prozent der Etats aus. Ein Eingriff bei den Spieler-Etats "wäre eine Möglichkeit, das zu begrenzen", sagte Bohmann. Daneben steht die Forderung aus der Liga, dass alle Clubs ehrlich wirtschaften. "Die Vereine müssen ehrlich sagen, was sie sich leisten können", erklärte Krebs. Der Zwangsabsteiger Tusem Essen, EHF-Pokalsieger Nordhorn, der am Montag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz beim Amtsgericht Nordhorn angemeldet hat, sowie der durch eine kurzfristige Bürgschaft vorerst vor der Insolvenz gerettete Stralsunder HV haben offensichtlich über ihre Verhältnisse gelebt. "Es gibt einige Schieflagen", sagte Storm.

Einig sind sich die Club-Manager quer durch die Bundesliga im Bedauern über die prekäre Situation der Nordhorner, die zuletzt Nationalspieler Holger Glandorf für die geschätzte Ablösesumme von 150 000 Euro an den TBV Lemgo verkaufen mussten. "Ich glaube nicht, dass der Glandorf-Verkauf die Rettung ist. Generell ist zu sagen, dass für den Handball eine solche Insolvenz ganz, ganz schlecht wäre", befand Löwen-Geschäftsführer Storm.

"Es ist traurig, dass so ein Verein Insolvenz anmelden muss. Da blutet einem das Herz", sagte Lemgos Sportlicher Leiter Daniel Stephan. Und Fynn Holpert erinnerte daran, dass im Herbst Nordhorn nur durch Fusion mit der Stadt Lingen vor dem Insolvenzantrag gerettet worden war. "Das ist ein enormer Image-Schaden. Vor einigen Monaten gibt man die Fusion mit Lingen bekannt und jetzt hat man die gleichen Probleme. Das kann eigentlich nicht sein. Hoffentlich kann die Mannschaft die Saison zu Ende spielen", sagte der Geschäftsführer der SG Flensburg-Handewitt.

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