Spitzensport
Verbandschefs fürchten um ihre Macht

Ein Rechtsstreit um mehr Mitsprache der Klubs im Handball alarmiert die Dachorganisationen anderer großer Sportarten. Es geht um die Wettbewerbsfreiheit von hunderten Firmen und Vereinen. Wie die Spitzenverbände um ihre Monopole kämpfen.

KÖLN. Die Sache treibt führenden Sportfunktionären den Schweiß auf die Stirn. Sie haben den Sprengstoff erkannt, den die 42-seitige Beschwerdeschrift der Group Club Handball (GCH) birgt. Diese liegt seit Anfang April der Europäischen Kommission in Brüssel vor. Die Vereinigung der 19 besten Handballklubs fordert darin die Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes dazu auf, verbindliche Regeln für das Miteinander von Vereinen und internationalen Verbänden aufzustellen.

Die GCH will klären lassen, ob ein Schweizer Verein wie die in Basel ansässige Internationale Handball-Föderation (IHF) die Wettbewerbsfreiheit von Hunderten von Firmen, beziehungsweise Handballklubs, einschränken darf. Es geht um eine Reihe von finanziell bedeutenden Fragen - etwa darum, ob die IHF festlegen darf, dass die Vereine Nationalspieler ohne Entgelt für Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele abstellen müssen.

Das spektakuläre Sportrechtsverfahren hat inzwischen die Funktionäre anderer Mannschaftssportarten alarmiert. Denn ein offizielles EU-Papier hätte auch für sie verbindlichen Charakter. Vertreter der Weltverbände vom Rugby (IRB), Eishockey (IIHF), Volleyball (FIVB), des Basketballs (Fiba Europe) sowie des europäischen Fußballs (Uefa) trafen sich Anfang Mai mit Funktionären der Europäischen Handball-Föderation (EHF), die als Veranstalterin von Europameisterschaften und der Champions League ebenfalls betroffen ist. Die internationalen Sportverbände, sagt ein Beteiligter des Treffens, "nehmen sich gegebenenfalls gemeinsam des Themas an".

Die Geschlossenheit verwundert nicht. Sollte sich die EU dazu entschließen, einen grundsätzlichen Kommentar zum europäischen Sportmarkt abzugeben, droht den Dachverbänden der Verlust wichtiger Monopole. Es könnte es sein, dass sie die Klubs und die Profis entscheidend an der Gestaltung des Terminkalenders und an Marketingfragen beteiligen müssen. Die Machtverteilung würde neu geordnet werden.

Die Handball-Dachverbände können auf prominente Unterstützung zählen. Unter anderem wahrt der Pariser Rechtsanwalt Ami Barav die Interessen der EHF in Brüssel. Einst vertrat er den Fußball-Weltverband Fifa und die Uefa im berühmten Charleroi-Fall. Dabei wollte die Klubvereinigung G 14 für den belgischen Verein SC Charleroi bei der Fifa Schadensersatz für einen Spieler einfordern, der sich bei einem Länderspiel verletzt hatte.

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