Sponsoring
Allianz strebt ins Mekka des Golfs

Der Versicherer setzt als bislang erster Sponsor des schottischen St. Andrews Links Trust ein Zeichen für den weltweiten Golfsport. Viele Veranstalter fürchten in der Wirtschaftskrise Einsparungen ihrer Geldgeber, denn die kommen hauptsächlich aus der gebeutelten Finanz- und Automobilbranche.

DÜSSELDORF. Als Sportler ist Steven Althaus bislang nicht zum Zug gekommen. Dreimal schon stand der Markenchef der Allianz während privater Schottlandreisen frühmorgens beim St. Andrews Links Trust auf der Matte. Auf den Platz jedoch ließen ihn die Verwalter des traditionsreichen Sportgeländes nicht. Wer beim "Home of Golf" kurzfristig einen der Startplätze ergattern will, muss nicht nur früh aufstehen, sondern braucht auch Glück: Denn die Kandidaten werden per Los ermittelt. "Vielleicht jeder Zehnte durfte rein", sagt Althaus. Er war nicht dabei.

Beruflich hingegen läuft es für Althaus besser. Sein Arbeitgeber ist seit letzter Woche Sponsor des St. Andrews Links Trust. Konkurrenten dürften neidvoll auf die neue Verbindung des Münchener Finanzdienstleisters blicken, die Althaus federführend geknüpft hat. Es ist das erste Mal, dass sich der 1974 als gemeinnützige Organisation gegründete Trust für eine Werbepartnerschaft in großem Stil entschieden hat.

"Wir wollen mehr Gäste aus aller Welt anlocken", erläutert Mike Woodcock, Sprecher des St. Andrews Links Trust, das Hauptziel des neuen Vertrags. "Bislang sind die USA neben Europa unser wichtigster Markt. Doch es ist gefährlich, sich allein darauf zu verlassen." Vor allem in Asien will die Organisation mithilfe der Allianz Sportler zur Reise ins Mekka des Golfs an der schottischen Ostküste animieren. Dazu werben die Vertragspartner künftig weltweit gemeinsam mit Fernsehspots.

Mit seinem Engagement in Schottland setzt der Versicherer ein Zeichen. "Die Bedingungen für das Sponsoring sind schwieriger geworden", sagt Ulrich Lacher, Mitglied der Geschäftsführung der Karlsruher Sport-Research-Beratung IFM. "Und der Golfsport leidet vergleichsweise stark unter der aktuellen Wirtschaftslage."

Viele Turniere sind bedroht

Der Hintergrund: "Die Veranstalter sind sehr abhängig von Finanz- und Automobilkonzernen", sagt Niels Gronau, Freizeitsport-Experte der Unternehmensberatung Deloitte in Düsseldorf - zwei Branchen, die die Krise besonders hart trifft: Eine Reihe von Firmen ist auf Staatshilfe angewiesen. Ein teures Golf-Engagement ist da schwer zu vermitteln. Noch sind viele Sponsoren über langfristige Verträge gebunden. "Doch bei neuen Verhandlungen dürfte die aktuelle Lage stärker ins Blickfeld rücken", sagt Gronau. Damit ist fraglich, ob Veranstalter, etwa der US-Profi-Serie PGA Tour, beim Preisgeld weiter Rekorde schreiben - 2009 steigen die Prämien im Vergleich zum Vorjahr noch um zehn Prozent auf 287 Mio. Dollar.

Mit solchen Zuwächsen könnte es bald vorbei sein. "Die Veranstalter haben mit veränderten Vorzeichen zu kämpfen", sagt IFM-Manager Lacher. Erste Sponsoren haben sich bereits verabschiedet: So habe Volvo das Titelsponsoring beim Masters of Asia nicht verlängert, "auch andere Turniere sind bedroht". Die Schweizer Bank UBS will die Hong Kong Open nicht weiter unterstützen, das US-Kreditinstitut Wachovia tritt als Namenssponsor eines Turniers der PGA in Nordamerika ab. Gestern gab die Bank HSBC bekannt, nicht als Titelsponsor der PGA Championship in Neuseeland zu verlängern. Auch Sportler bekommen den Sparkurs zu spüren. So hat der in Schieflage geratene US-Autohersteller General Motors zuletzt einen Millionen-Vertrag mit Tiger Woods auslaufen lassen.

Die Allianz dagegen will das bisherige Engagement aufrechterhalten. "Wir sind maßvoll vorgegangen und müssen die Budgets jetzt nicht kürzen", sagt Althaus. Neben Golf unterstützt der Versicherer den Fußball-Bundesligisten Bayern München, den Formel-1-Rennstall Williams und die paralympische Bewegung. Wichtig sei die Mischung, sagt Althaus. "Wir haben nicht das Budget für globale Veranstaltungen" - etwa eine Fußball-WM oder Olympia.

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