Sponsoringexperte Hartmut Zastrow
„München sollte es in jedem Fall noch mal versuchen“

Sponsoringexperte Hartmut Zastrow kann die Wahl von Pyeongchang als Gastgeber der Olympischen Winterspiele 2018 nachvollziehen. Im Interview nennt der Vorstand der Kölner Sport+Markt AG die Gründe für den Sieg, macht eine Machtverschiebung bei der Vergabe von Mega-Sportevents aus, beschreibt die Rolle von Sponsoren und erklärt, warum München allen Grund hat, einen weiteren Anlauf zu unternehmen.
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Die Wahl des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) fiel auf Pyeongchang. Eine gute Entscheidung?

Natürlich nicht aus deutscher Sicht. Schade für Deutschland, es war sicher ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der deutschen Bewerbung. Aber letztlich ist durchaus zu verstehen, dass Korea gewonnen hat. Sie haben es verdient, die Entscheidung  ist absolut zu vertreten.

Was hat Korea den Sieg gebracht: War es das Konzept, den asiatischen Wintersportmarkt zu erschließen? Oder die Beharrlichkeit des dritten Anlaufs – oder gibt es Gründe, die wir gar nicht erahnen?

Ich glaube an keinen der Gründe. Es hängt einfach mit persönlichen Beziehungen zusammen: Dass gewisse Leute in der Lage sind, andere Leute politisch hinter sich zu bringen – wie schon bei der letzten Entscheidung zur Sommerolympiade 2014. Dort haben die alten IOC-Granden João Havelange und Juan Antonio Samaranch ihre alten Connections revitalisiert. Wer hat die meisten Chancen, demnächst Einfluss zu gewinnen beim IOC, wenn dessen Präsident Jacques Rogge zurücktritt? Diese Sachen spielen eine größere Rolle als das Konzept.

Wenn aber persönliche Einflüsse so wichtig sind: Würden Sie so weit gehen, dass die Entscheidung bei manchem ganz kurzfristig gefallen sein könnte? Kann es davon abhängen, ob man bei der Hochzeit von Fürsten Albert von Monaco, der dem IOC angehört, neulich einen guten Smalltalk hatte? Musste man dort gut tanzen?

Ich glaube, das spielt eine wesentlich wichtigere Rolle als das Konzept. Gehen wir davon aus, dass alle drei Bewerbungen professionell gemacht worden sind. Es gibt im modernen Sportbusiness keine großen Unterschiede mehr. Die Frage, ob es jemand grundsätzlich ausrichten kann, stellt sich auch nicht mehr, seit es die Evaluierungskommission gibt.  Doch mit einem guten Konzept kommt man lange noch nicht durch. Beziehungen sind entscheidend.

Erkennen Sie in dieser erneuten Vergabe eines Weltsport-Events nach Asien einen Trend?

Es gibt eine deutliche Machtverschiebung nach Asien, das haben wir auch bei der Entscheidung der Fifa gesehen, die Fußball-Weltmeisterschaft nach Katar zu vergeben. Die europäische und US-Dominanz geht zurück, die Asiaten spielen ihre Macht aus. Der Umstand, dass die Koreaner zum dritten Mal antreten, spielt eine untergeordnete Rolle. Dankbarkeit gibt es in diesen Kreisen nicht.

Wie steht es um den oft zitierten Einfluss der Sponsoren? Welche Rolle spielt zum Beispiel das koreanische Unternehmen Samsung mit dem Unternehmenschef Lee Kun-hee, der auch IOC-Mitglied ist?

Ressourcen sind natürlich da, aber ich glaube nicht, dass das für die IOC-Mitglieder eine große Rolle spielt. Das IOC ist gut eingeschritten, als versucht wurde, das eine oder andere IOC-Mitglied gefügig zu machen durch besagte Sponsoringverträge. Aber wenn Samsung nicht wäre, dann wäre es halt ein anderer. Es gibt genug Unternehmen in der Welt, die bereit wären, ein Sponsoring zu machen. Im Prinzip ist das IOC eher in der Position zu verteilen als hart akquirieren zu müssen. Insofern glaube ich nicht an einen großen Einfluss von Sponsoren auf diese Entscheidung. Auch wenn viel gemunkelt wurde.

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  • Olympia 2022 bedeutet: Der Klimawandel ist vier Jahre weiter vorangeschritten. Garmisch liegt am Rand der Alpen und ist nicht wirklich schneesicher. Die Kombination München mit Garmisch sollte fallen gelassen werden zugunsten einer Kombination München mit einer Stadt in Tirol oder dem Salzburger Land. Eine Deutsch-österreichische Bewerbung wäre besser, auch im Hinblick auf die Widerstände in Garmisch.

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