Sport-Sponsoring: Wie ein bayerischer Küchenhersteller den Radsport nutzt

Sport-Sponsoring
Wie Unternehmen das Rad neu erfinden

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Wie ein bayerischer Küchenhersteller den Radsport nutzt

Genau das überzeugte 2015 auch Bora dazu, in den Sport einzusteigen. Der bayerische Küchenbauer stellt innovative Dunstabzüge her. „Wir haben ein Produkt, das jeder braucht, der eine Küche hat, aber keiner kennt uns“, klagte Willi Bruckbauer einst, der Gründer und Geschäftsführer von Bora. Um sein Produkt bekannter zu machen, setzte er auf den Radsport. Denn wie er erfuhr: Im Radsport gibt es pro eingesetztem Euro Medienpräsenz im Wert von zehn Euro zurück. Beim Fußball liegt das Verhältnis bei 1:4, der Formel 1 sogar  nur bei 1:1,5. Zwar hat Küchenausstattung wenig mit dem Radsport zu tun, das wiederum zeigt aber nur, wie Werbung funktioniert: Wer den Namen sieht, aber nicht kennt, informiert sich.

In der kommenden Saison baut Bora sogar sein Sponsoring aus. Zudem holte Bruckbauer das Sanitärtechnik-Unternehmen Hansgrohe mit ins Boot und erhofft sich jetzt einen Platz unter den 17 Teams der UCI World Tour – der ersten Liga des Radsports. Damit wäre das Team automatisch für die großen Landesrundfahrten wie die Tour de France, den Giro Italia oder die Spanienrundfahrt qualifiziert. In der Saison 2017 stehen insgesamt 37 Radrennen auf vier Kontinenten in dem Kalender. Darunter kleinere Rundfahrten wie die Tour de Suisse, aber auch etliche eintägige Klassiker wie Mailand-San Remo oder Paris -Roubaix.

Um den Sprung unter die 17 Auserwählten zu schaffen, investiert das Team kräftig. Etliche Top-Fahrer kommen, der bekannteste: Peter Sagan. Der alte und neue Weltmeister ist der Rockstar im Fahrerfeld. Mit seiner langen Mähne fällt der extrovertierte Slowake sofort ins Auge, keiner fährt spektakulärer, keiner fährt öfter um den Sieg – niemand ist im Fernsehen häufiger im Bild.

Alpecin und Bora sind nicht die einzigen Beispiele für deutsche Unternehmen, die sich im Radsport engagieren. Der hessische Online-Reisevermittler Sunweb wird quasi Nachfolger von Alpecin. Die deutsche Tochter der niederländischen Sundio Group wird 2017 Namensponsor des Teams, dass in der aktuellen Saison unter dem Namen Giant-Alpecin firmierte. Auch die Einzelhandelskette Lidl investiert in den Radsport. Als Co-Sponsor beim belgischen Team Etixx Quickstep.

24 Prozent der Deutschen interessieren sich für Radsport. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Beratungsunternehmens Nielsen Sports. Zwar waren es 2006, vor dem Dopingskandal um Jan Ullrich und das Team Telekom, noch 40 Prozent. Doch zuletzt stieg das Interesse wieder. Das liegt auch daran, dass die neue Generation deutscher Radprofis wie John Degenkolb, Marcel Kittel, Andre Greipel und Tony Martin offensichtlich glaubhaft für eine Anti-Doping-Haltung steht. Erfolge werden bei einzelnen Etappen im Sprint oder Zeitfahren herausgefahren. Dass finden Fans und Zuschauer offensichtlich unverdächtiger, als 21 Tage in Folge ohne Schwächephase die Berge hochzurasen.

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  •  Stimmt nicht. Die einzige Spielregel die es gibt, sind keine Kinder. Ansonsten ist meine Herzdame (inzw. sogar Verlobte) absolut gleichberechtigt. Und wird nach der Uni als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten. Wenn ich mit spätestens Mitte 40 mit dem Börsenzeugs aufhöre, und als GT3 -Fahrer im selbst finanzierten Team in der VLN mit einem R8 LMSultra teilnehme Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.http://www.handelsblatt.com/netiquette

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