Radsport: Wie Unternehmen das Rad neu erfinden

Sport-Sponsoring
Wie Unternehmen das Rad neu erfinden

Sponsoring im Radsport stand bei deutschen Unternehmen jahrelang im Giftschrank der Marketing-Abteilungen. Gerade Mittelständler entdecken den Sport wieder für sich: Nirgendwo sonst ist Werbung so effizient und günstig.
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DüsseldorfDer große Tusch zum Abschluss blieb aus. Bei der Weltmeisterschaft in Katar verpassten die deutschen Radprofis deutlich den erhofften Weltmeistertitel im Straßenrennen der Profis. John Degenkolb hockte ausgepowert und mit hochrotem Kopf vor dem Teamfahrzeug. Ihm fehlte sogar die Kraft, sich seiner Handschuhe zu entledigen. Er hatte im Glutofen von Doha alle Kräfte in eine vergebliche Aufholjagd investiert. Am Ende rollte der deutsche Kapitän Andre Greipel erst als 42. über die Linie, über drei Minuten hinter dem alten und neuen Weltmeister Peter Sagan.

Die WM in Doha stand für Brian Cooksen, Präsident des Radsport-Weltverbandes UCI, unter keinem guten Stern. Kaum Zuschauer, Temperaturen von rund 40 Grad, da war es eine angenehme Abwechslung, mal über positive Themen zu reden – beispielsweise den Radsport in Deutschland. Cooksen sprach sogar lobend von einer Renaissance. Wie zum Beweis steht Deutschland am Ende der WM an der Spitze des Medaillenspiegels. Tony Martin hatte im Einzelzeitfahren der Profis Gold geholt, Marco Mathis tat es ihm im Zeitfahren der U23-Fahrer gleich. Hinzu kamen drei Silbermedaillen.

Mit den Erfolgen werden auch deutsche Unternehmen wieder neugierig. Vor allem mittelständische Unternehmen haben den Sport für sich entdeckt, um ihre Marke weltweit bekannt zu machen. Das geht fast nirgendwo so einfach wie im Radsport. Gerade in Frankreich, Italien, Spanien und den Benelux-Ländern konnten Doping-Skandale wie die Operación Puerto dem Interesse der Fans nur wenig anhaben.

Eduard Dörrenberg ist Chef des Bielefelder Kosmetik- und Pharmaunternehmens Dr. Wolff. Bekanntestes Produkt: das Shampoo Alpecin. Sein Unternehmen sponsert in der aktuellen Saison das deutsch-niederländische Team Giant-Alpecin. Dabei erreichte seine Marke in den vergangenen acht Monaten einen Bekanntheitsgrad von 14 Prozent. „Mit Fußball wäre eine zweistellige Zahl in dieser kurzer Zeit nicht möglich gewesen“, erklärte Dörrenberg Anfang des Monats. Da hatte er gerade verkündet, dass Alpecin sich auch 2017 im Radsport engagiert. Dann allerdings zusammen mit einem russischen Wirtschaftskonglomerat im Team Katusha-Alpecin.

Ohne Risiko ist das nicht. Das Team Katusha galt lange als Dopinghort und hatte in den vergangenen Jahren immer wieder mit Dopingvorwürfen zu kämpfen. Doch Dörrenberg ist von dem Engagement überzeugt: „Das Team hat mehr aus seiner Vergangenheit gelernt als vielleicht alle anderen.“

Der Radsport bietet für Sponsoren einige Besonderheiten. Hier sind die Teams alleine nach Sponsoren benannt. Selbst für Laien wird so der Unternehmensname geläufig. Im Fußball ist das nicht ohne weiteres möglich: In Leipzig heißt der Klub deswegen etwas sperrig Rasen Ball statt Red Bull Leipzig. Wobei es auch hier Ausnahmen wie Bayer Leverkusen gibt, das ursprünglich als Betriebsport-Verein gegründet worden war.

Zudem dauert die Radsport-Saison von Januar bis Oktober. Für ständige Medienpräsenz ist also gesorgt. Die Kosten halten sich dabei im Vergleich zu anderen Sportarten in Grenzen. Der ehemalige Radprofi Jens Voigt sagte dazu einmal etwas flapsig: „Für fünf Millionen Euro bekomme ich in der Formel 1 irgendwo an der Seite eines Autos einen kleinen Aufkleber. Beim FC Bayern darf ich für dieses Geld mit zwei Leuten zur Weihnachtsfeier. Im Radsport bin ich Namensgeber eines Teams und ständig präsent. Das ist eine Riesenwerbung.“

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  •  Stimmt nicht. Die einzige Spielregel die es gibt, sind keine Kinder. Ansonsten ist meine Herzdame (inzw. sogar Verlobte) absolut gleichberechtigt. Und wird nach der Uni als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten. Wenn ich mit spätestens Mitte 40 mit dem Börsenzeugs aufhöre, und als GT3 -Fahrer im selbst finanzierten Team in der VLN mit einem R8 LMSultra teilnehme Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.http://www.handelsblatt.com/netiquette

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