Sport und Marktwirtschaft
Abgehobene Fußball-Funktionäre

Diese Woche wirft ein bezeichnendes Licht auf den Zustand des deutschen Fußballs abseits des Rasens. Beispiel Kundenfreundlichkeit: Da wundern sich Hunderttausende Besteller von Weltmeisterschaftskarten über Abbuchungen von ihren Konten - ohne jede Vorwarnung, dass sie nun die begehrten Tickets erhalten haben.

HB. In Zeiten digitaler Kommunikation ein Unding. Nicht besser steht es um den Kampf gegen den Schwarzmarkthandel mit den WM-Karten. Dass direkt nach der ersten Zuteilung der Handel über die Online-Auktionsbörse Ebay anlief, hat niemand überrascht - nur den DFB.

Dieser hatte zwar den Weiterverkauf ausdrücklich untersagt, doch erst jetzt, so heißt es, prüfe man rechtliche Schritte. Sich selbst bemitleidend, beweint das Organisationskomitee, dass seine Preis- und Sicherheitspolitik unterlaufen werden. Tja, so ist das in einer Marktwirtschaft. Von deren positiven Seiten will der Verband gleichwohl profitieren: Bei einem außerordentlichen Bundestag wird er am Donnerstag beschließen, ein eigenes Sportwettenangebot zu gründen.

Allein: Dies ist rechtlich noch gar nicht möglich. Erst wenn das Bundesverfassungsgericht sein für den Sommer angekündigtes Urteil in die entsprechende Richtung fällt, hätten nicht-staatliche Wettanbieter eine Basis. Der sich gern honorig gebende DFB muss sich fragen lassen, ob es zu ihm passt, wie ein Geier darauf zu warten, den staatlichen Partner und WM-Sponsor Oddset attackieren zu können.

Arrogante Behandlung von Kunden, Ignoranz gegenüber Marktmechanismen, Ankündigung von Geschäften, die nicht legal sind: Deutschlands Fußballlenker sind abgehoben in höhere Sphären und vergessen, dass auf der Erde handfeste Arbeit wartet: Nicht weniger als ein WM-Turnier ist über die Bühne zu bringen.

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