Sport1 wird 25 Zwischen Spitzensport und schlüpfrigem Nachtprogramm

Am Sonntag ist das Deutsche Sportfernsehen seit einem Vierteljahrhundert auf Sendung. Aus DSF wurde Sport1, doch eines ist immer geblieben: Der Kampf, sich ohne große TV-Rechte seine Nische suchen zu müssen.
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Vor 25 Jahren ging der Sportsender, damals noch als DSF, an den Start. Quelle: Getty Images
Sport1

Vor 25 Jahren ging der Sportsender, damals noch als DSF, an den Start.

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IsmaningDas Jubiläumsjahr begann mit Rekordzahlen. Die Übertragungen der Darts-Weltmeisterschaft bescherten Sport1 Zuschauerzahlen weit über dem Durchschnitt – das ist zugleich typisch für das einstige Deutsche Sportfernsehen (DSF). Zwischen den großen Sendern mit ihren hohen Etats für Sportrechte hat sich der Spartensender trotz vieler Rückschläge seinen Platz auf dem deutschen TV-Markt gesichert.

Der im Januar 1993 als Tele5-Nachfolger gestartete und 2010 umbenannte Sender hat in der Nische überlebt. Dennoch gilt, was der damalige DSF-Geschäftsführer Stefan Ziffzer bereits zum zehnjährigen Geburtstag sagte: „Der Versuch, mit den Großen mitzuspielen, ist gescheitert.“ Damals stand das von Leo Kirch gegründete Sportfernsehen vor der Pleite.

Inzwischen gehört Sport1 zur Constantin Medien AG und bezeichnet sich selbst in schönstem Marketing-Deutsch als „Deutschlands führende 360°-Sportplattform“. Zum Angebot gehören neben den Pay-TV-Ablegern Sport1+ und Sport1US auch das Digitalradio Sport1.fm und die Internetplattform sport1.de. Kern ist aber immer noch der frei zu empfangende TV-Sender mit seiner berühmtesten Sendung – dem „Doppelpass“.

Ein Screenshot aus der ersten Doppelpass-Talkrunde mit Moderator Rudolph Brückner (r.). Quelle: dpa
Doppelpass

Ein Screenshot aus der ersten Doppelpass-Talkrunde mit Moderator Rudolph Brückner (r.).

(Foto: dpa)

In der kultigen Talkrunde mit Moderator Thomas Helmer, dem Nachfolger von Rudi Brückner und Jörg Wontorra, wird am Sonntag das Jubiläum gefeiert. Der erstmals 1995 ausgestrahlte „Doppelpass“ gehört zu den Konstanten eines Programms, das durch die Veränderungen auf dem Markt für Sportrechte geprägt ist.

Neben den großen Sendern wie ARD, ZDF und RTL sowie dem Pay-TV-Anbieter Sky erwuchs zuletzt weitere Konkurrenz durch den Streamingdienst DAZN und die Telekom, die inzwischen Basketball, Eishockey und Drittliga-Fußball überträgt. Wie schwer es Sport1 hat, zeigt auch der Verlust des Montagsspiels der 2. Fußball-Bundesliga.

Fast 24 Jahre lang gehörte die Live-Übertragung zum Programm. „Dass wir die Zweite Bundesliga verloren haben, tut weh“, sagte Geschäftsführer Olaf Schröder zum Ende der Traditions-Sendung im vergangenen Mai. Auch andere attraktive Rechte verlor Sport1 zuletzt, etwa die Handball-Bundesliga und die Europa League von der kommenden Saison an.

Der Sender muss immer wieder Ersatz und neue Nischen wie vor Jahren Darts oder Poker suchen. So setzt er seit Beginn dieser Spielzeit auf Regionalliga-Fußball. Dafür hat die Sport1 GmbH nach eigenen Angaben mit vier regionalen Fußballverbänden Verträge bis zur Saison 2020/21 abgeschlossen.

Zum Angebot gehören aber auch „Teleshopping“ oder „Sexy Hausfrauen“ in der Nacht. Oder am kommenden Dienstag Berichte über das Aufräumen von Garagen und Lagerräumen, ehe mit dem Eishockeyspiel zwischen Bili Tigri Liberec und Växjö Lakers um 17:25 Uhr die erste echte Sportsendung auf dem Programm steht.

Seine Zuschauer findet der Sender trotz der Probleme und der teils erstaunlichen Programminhalte. Wie im Vorjahr ergab die Berechnung des Jahresmarktanteils für 2017 0,9 Prozent. Sport1 liegt damit klar vor Eurosport mit 0,6 Prozent, obwohl die Konkurrenz deutlich mehr Geld in Sportrechte investiert.

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  • dpa
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