Sportfive und der Weltverband wollen die Rechte
Für den DHB wird das Warten teuer

Handball erlebt einen Boom in Deutschland. Der Zuschlag für die WM 2007 dürfte diesen noch verstärken. So scheint alles perfekt. Wenn da nur nicht diese vertrackte und ungeklärte Situation um die Vermarktungsrechte wäre.

DORTMUND. Noch sind es 17 Monate bis zur Handball-Weltmeisterschaft 2007, doch Ulrich Strombach, der Präsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB), denkt bereits in historischen Dimensionen: „Wir sind auf dem Weg, die beste Handball-WM aller Zeiten zu präsentieren“, sagte er nach der Bekanntgabe der zwölf WM-Standorte vor einigen Wochen. Heute will er in Dortmund den ersten Schritt in Richtung einer bestens organisierten WM tun. Im Beisein von Hassan Moustafa, dem ägyptischen Präsidenten des Handball-Weltverbandes (IHF), wird das WM-Logo präsentiert, und Einzelheiten des Ticketings werden erörtert.

Handball erlebt einen Boom in Deutschland: Die Nationalmannschaft ist 2004 Europameister geworden, und die Bundesliga, die als beste Liga der Welt gilt, produziert Jahr für Jahr Zuschauerrekorde. Nach einem harten Bieterwettbewerb um die WM-Standorte wird sich der DHB sanieren können; rund drei Millionen Euro wird der Verband von den zwölf Standorten kassieren. Allein die Kölnarena muss rund 800 000 Euro für zwei Viertelfinals, ein Halbfinale und das Endspiel zahlen. Alles scheint perfekt. Wenn da nur nicht diese vertrackte und ungeklärte Situation um die Vermarktungsrechte wäre.

Denn auf diesem Gebiet „weiß keiner, wer der Ansprechpartner ist“, sagt Bernd Luithle vom Vermarkter Sportfive. Der Weltverband ist bis zum 31.12.2005 an Sportfive gebunden, und die Rechte-Agentur hat eine Option, auch in den kommenden vier Jahren die Gesamtvermarktung zu übernehmen. Sportfive will verlängern, „wir sind sehr glücklich mit den Handballrechten“, sagt Luithle. Doch die IHF ist wie der DHB gewillt, speziell die WM 2007 in Deutschland, die enorme Sponsoren- und TV-Einnahmen verspricht, selbst zu vermarkten. Die IHF orientiert sich dabei an dem Modell des Fußballweltverbands Fifa, deren „Fifa Marketing AG“ ab 2010 die Fußball-Weltturniere in Eigenregie vermarktet.

Nur verfügt die IHF derzeit nicht über das geeignete Personal. Marktbeobachter vermuten, dass die IHF die Rechte splitten und einzelnen Agenturen übertragen will, der EBU etwa die TV-Rechte für 2007. Weil damit aber die Option von Sportfive umgangen wäre, könnte das ein juristisches Nachspiel provozieren. „Sobald die IHF jemand anderen beauftragt, werden wir unseren Hut in den Ring werfen“, sagt Luithle. Daher spielt die IHF auf Zeit. „Niemand wird die IHF hindern, die Rechte selbst zu vermarkten“, sagte DHB-Präsident Strombach. Doch der Verhandlungspoker ist noch nicht zu Ende.

Für den DHB wird das Warten teuer, schließlich sind die Etats der potenziellen Sponsoren für den betreffenden Zeitraum teilweise schon ausgeschöpft. Und wenn nicht, dann muss der Ausrichter, da der Termin unaufhaltsam näherrückt, deutliche Abschläge befürchten. Nun verspricht der DHB seinen Geschäftspartnern sogar Dinge, die er gar nicht zusichern dürfte. So ist den Hallenbetreibern mündlich zugesichert worden, dass die Vermarktung von Flächen oberhalb von drei Metern über dem Spielfeld „örtlich bleibt“, wie Uwe Frommhold, Geschäftsführer der Hamburger Color Line Arena bestätigt. Sollte Sportfive doch die WM 2007 vermarkten, droht dem DHB womöglich Ärger. Denn bisher sah der Vertrag vor, dass die Hallen in „werbefreiem Zustand“ hinterlassen werden müssen.

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