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NOK und DSB finden nicht zueinander

Die geplante Fusion von Nationalem Olympischen Komitee (NOK) und Deutschem Sportbund (DSB) droht nun doch noch zu platzen. Sechs der sieben olympischen Wintersportverbände kündigten ein Nein als Votum an.

Seit mehr als einem Jahr arbeiten das Nationale Olympische Komitee (NOK) und der Deutsche Sportbund (DSB) nun an ihrer "Elefantenhochzeit", doch nun droht die geplante Fusion auch im zweiten Anlauf nach 1996 zu scheitern. Sechs der sieben olympischen Wintersportverbände kündigten am Montag in einer Presseerklärung ihr Nein für den 10. Dezember in Köln an. Nur die Deutsche Eislauf-Union (DEU) hielt sich ihr Votum noch offen.

Ski, Bob und Rodeln, Eisschnelllauf, Eishockey, Snowboard und Curling wollen am Samstag dem Zusammenschluss nicht zustimmen. Sie verfügen auf der NOK-Vollversammlung über 18 Stimmen. Zwar sind zur Ablehnung 38 Stimmen nötig, doch werden vor allem aus dem Kreis der 29 persönlichen und der sechs Ehrenmitglieder weitere Nein-Stimmen erwartet. Damit scheint die Gründung der neuen Dachorganisation "Deutscher Olympischer Sportbund" (Dosb) kurz vor dem Zielstrich ernsthaft gefährdet.

Die Befürworter der Fusion reagierten mit demonstrativer Zuversicht. "Ich glaube nach wie vor fest an den Sieg der Vernunft und daran, dass sich der deutsche Sport die Chance zur Einigkeit und Stärke nicht entgehen lässt", sagte IOC-Mitglied Thomas Bach. Der Tauberbischofsheimer schlug vor, in einem Entschließungsantrag zusätzlich die Forderungen der Verbände festzuhalten: "In der Satzung sind doch nicht alle Details zu lösen, die eigentliche Arbeit beginnt am Tag danach."

Steinbach hofft auf erfolgreiche Aufklärung

Auch NOK-Präsident Klaus Steinbach sieht weiter gute Aussichten, die notwendige Zustimmung von 75 Prozent in Köln zu erreichen: "Ich habe Verständnis für die olympischen Verbände, aber sie haben doch mit ihrer Mehrheit im Dachverband alle Möglichkeiten zur Gestaltung des Spitzensports. Die Zeit zur Aufklärung ist noch da."

Ob dieses Gesprächsangebot Erfolg verspricht, ist fraglich. Er halte den Beschluss für endgültig, sagte Skipräsident Alfons Hörmann dem sid: "Eine Meinungsänderung in letzter Minute ist unrealistisch. Ich will nicht Totengräber des olympischen Leistungssports sein, und dessen Abwertung ist im DSB zuletzt doch zelebriert worden. Wir kommen mit den Landessportbünden auf keinen gemeinsamen Nenner, sondern unter ihre Räder", erklärte der Allgäuer.

Verbindlicher, aber hart in der Sache äußerte sich Bob- und Rodel-Chef Andreas Trautvetter: "Man soll die Tür nie zuschlagen, aber unter den jetzigen Voraussetzungen bleibt es beim Nein. Ziel seit Olympia in Athen war doch eine bessere Struktur für den Spitzensport, aber diese Messlatte ist immer tiefer gelegt worden." Der Leistungssport dürfe nicht unter der Fusion leiden. "Davon kann uns auch Druck aus der Politik nicht abbringen", sagte Thüringens Verkehrsminister.

Tröger: "NOK und DSB passen nicht in einen Topf"

Die Arbeitsgemeinschaft Wintersport (Arge) hatte ihre Haltung in einer Telefon-Schaltkonferenz abgestimmt, "nachdem sämtliche unserer Bedenken in den letzten Wochen kein Gehör fanden", wie der Arge-Vorsitzende Klaus Kotter sagte.

Auch NOK-Ehrenpräsident Walther Tröger hatte am Donnerstag in einem persönlichen Schreiben "an einige Mitglieder und Präsidenten" seinen Widerstand gegen den Zusammenschluss noch einmal bekräftigt. "Das NOK geht in einem Dachverband unter. In unserem föderalen System passen NOK und DSB nicht in einen Topf", sagte das IOC-Mitglied dem sid.

1996 hatte Tröger als NOK-Chef den ersten Vorstoß von DSB-Präsident Manfred von Richthofen gestoppt. Die Vollversammlung in Chemnitz lehnte damals den Vorschlag zur Fusion einmütig ab. Doch nach dem schwachen Abschneiden von Athen konnte sich das NOK unter Steinbach dem erneuten Anlauf nicht verweigern. Am 16. November 2004 war die gemeinsame Strukturkommission beider Organisationen erstmals zusammengetroffen.

Zwanziger kündigt seine Hilfe an

Seit Vorlage des ersten Satzungsentwurfes Ende Juni hatten die Landessportbünde zahlreiche Änderungen durchgesetzt und zuletzt noch am vergangenen Montag Nachforderungen gestellt. Dies löste die Gegenreaktion der olympischen Verbände aus. Als Erster hatte daraufhin Leichtathletik-Chef Clemens Prokop vor der Schwächung des Leistungssports gewarnt. Nun folgen ihm die Wintersportler.

Wegen der Gefahr des Scheiterns will Theo Zwanziger, der geschäftsführende Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), sogar auf die WM-Gruppenauslosung am Freitag in Leipzig verzichten, um am Vorabend der Abstimmungen nochmals für die Fusion zu werben.

© SID

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