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Sport-Funktionäre gegen Antidoping-Gesetz

Während DSB-Präsident Manfred von Richthofen und NOK-Chef Klaus Steinbach weiterhin gegen die Einführung eines Antidoping-Gesetzes sind, diskutierten die Politiker des Sportausschusses dieses Thema durchaus kontrovers.

Bei einer Anhörung vor dem Sportausschuss des Deutschen Bundestages haben sich die Präsidenten Manfred von Richthofen vom Deutschen Sport-Bundes (DSB) und Klaus Steinbach vom Nationalen Olympischen Komitees (NOK) erneut gegen ein Antidoping-Gesetz ausgesprochen. "Dagegen wird es zu Veränderungen in vorhandenen Gesetzesbereichen kommen", sagte Steinbach. Unter Politikern der verschiedenen Parteien wurde das Thema am Mittwoch in Berlin dagegen weiter kontrovers diskutiert.

Aufklärung im Schulunterricht

Generell lehnt die deutsche Sportführung die "Kriminalisierung" dopender Sportler weiter ab und sieht sich dabei auf einer Linie mit IOC-Präsident Jacques Rogge. Steinbach forderte Aufklärung statt Strafe: "Der Antidoping-Kampf gehört in den Schulunterricht."

Von Richthofen bezog sich bei seinen Ausführungen auf die Empfehlungen der Rechtskommission des DSB gegen Doping. Danach seien keine neuen Gesetze notwendig. Markus Hauptmann befürwortete als Vorsitzender der Kommission eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Staat und Sport: "Dort, wo der Sport mit seinen Mitteln am Ende ist, bei der Hausdurchuchung, bei der Feststellung von Beweismitteln, muss die staatliche Unterstützung gewährleistet sein."

Im Vorfeld hatte sich Ausschuss-Vorsitzender Peter Danckert (SPD) erneut für ein entsprechendes Gesetz nach dem Vorbild von Frankreich oder Italien ausgesprochen. Das Arzneimittelgesetz reiche nicht. Dies habe die Razzia im Quartier Österreichs während der Olympischen Winterspiele wieder deutlich gemacht, sagte Danckert im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Dazu sprach er sich für eine "Dopingsteuer" aus. Ein Prozent von jedem großen Sponsorenvertrag solle an die Nada gehen.

Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft gefordert

Dagegen reicht es laut Steinbach aus, die Spielräume geltender Gesetze besser auszuloten. Er sprach sich wie Richthofen für eine Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft aus, um besseren Zugriff auf das Umfeld der Sportler nehmen zu können. Richthofen plädierte für eine bessere Kennzeichnung von verbotenen Substanzen. Fitnessstudios sollten genauer unter die Lupe genommen, der gewerbs- und bandenmäßige Handel mit Dopingmitteln stärker bestraft werden.

Dr. Peter Busse, Vorsitzender der Nationalen Antidoping-Agentur (Nada), lehnte ebenfalls die Einführung eines neuen Gesetzes ab: "Der Staat darf den Sport aus der Verantwortung nehmen." Zugleich foderte Busse eine bessere finanzielle Ausstattung der Nada.

"Gesamtstrategie von Sport und Politik" gefordert

Danckerts SPD-Kollegin Dagmar Freitag sieht die Politik am Zug: "Ein Weiter-So kann es nicht geben. Nach Turin muss jeder erkannt haben, dass der Sport an seine Grenzen gestoßen ist. Wir wollen den Handlungsauftrag annehmen, weitere gesetzliche Regelungen sind notwenig."

Für Winfried Herrmann von den Grünen habe die Diskussion dagegen gezeigt, dass ein Anti-Doping-Gesetz nicht unbedingt nötig sei: "Was wir brauchen, ist eine Gesamtstrategie von Sport und Politik."

© SID

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