Sportpolitik
Was den Sport zur Sportart macht

In Deutschland ist es nicht einfach, eine Freizeitbeschäftigung als Sportart anerkennen zu lassen. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat mal mehr, mal minder klare Vorgaben, die es zu erfüllen gilt. Vielen Aktivitäten bleibt dieser Status, der nicht zuletzt mit öffentlichen Fördermitteln verbunden ist, verwehrt - auch, weil die Etablierten die Hand auf dem Deckel halten.
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BERLIN. Stephan Mischke hat eine halbe Ewigkeit gebraucht, seinen Sport zum Sport zu machen. Er musste Auflagen erfüllen, Satzungen ändern, neue Verordnungen einführen. Jetzt ist es soweit. Dart, das einst lustig-bierselige Kneipenspiel wird in die Sportfamilie aufgenommen. Nach 20 Jahren.

Wenn sich am 4. Dezember alle 97 Mitgliedsverbände des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in München zur Generalversammlung zusammenfinden, wird Mischke, der Präsident des Deutschen Dart-Verbandes, nach vorne gerufen werden, um seinen Sport vorzustellen. Dann stimmen sie ab, die Vertreter des Ju-Jutsu-Verbandes, die des Minigolfsportverbandes und auch die des Rasenkraftsport- und Tauziehverbandes.

Mitglied im DOSB zu werden, ist das Ziel jeder Sportart. Wer dabei ist, unter den 91.000 Vereinen und 27,5 Millionen Sportlern, darf sich dazu zählen, hat Zugriff auf die staatlichen Fördertöpfe, schiebt sich ins Blickfeld der Öffentlichkeit, der Medien und Sponsoren. Es geht um Geld, vor allem.

Doch wer etwas abbekommt, entscheidet der DOSB ganz allein. Dart darf rein, Poker muss draußen bleiben. Schach ist schon lange dabei, Profiboxen nicht. Von elektronischem Sport ganz zu schweigen. Aber wie wird warum entschieden? Was ist eigentlich Sport? Und was nicht?

In der Sportwissenschaft gibt es ein Dutzend Definitionen. "Der DOSB maßt sich nicht an, hierüber zu entscheiden", sagt Hermann Latz, Justiziar des Sportbundes. Über seinen Schreibtisch laufen die Anträge der Paintballer und Kirschkernspucker. Er macht eine Freizeitbetätigung zum Sport. Er und seine Paragrafen.

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