Sportwelt schockiert Skandal in Russland überschattet IOC-Gipfel

Der Skandal um Betrug und Doping im russischen Sportssystem hat die Welt schockiert. Das Internationale Olympische Komitee sprach von „ernsthafte Anschuldigungen“ und hat Untersuchungen eingeleitet.
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Waren auch russische Biathleten gedopt? Der frühere russische Frauentrainer Wolfgang Pichler schließt das aus. Quelle: dpa

Waren auch russische Biathleten gedopt? Der frühere russische Frauentrainer Wolfgang Pichler schließt das aus.

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DüsseldorfDie Enthüllungen über Betrug, Doping und Korruption im russischen Spitzensport überschatten den Reformkongress des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Monte Carlo. Statt am Wochenende ein Zeichen des Aufbruchs zu setzen, sieht sich das IOC auch mit dem Skandal in Russland konfrontiert. IOC-Sprecher Mark Adams bezeichnete die Vorwürfe als „ernsthafte Anschuldigungen“ und teilte mit, dass die Ethik-Kommission des IOC die Angelegenheit untersucht. „Sollte es etwas geben, was das olympische Komitee und unseren Ethik-Kodex beeinflusst, werden wir nicht zögern, alle nötigen Maßnahmen durchzuführen“, sagte Adams.

Auch der Leichtathletik-Weltverband (IAAF), der seit Ausstrahlung der ARD-Doku „Geheimsache Doping - Wie Russland seine Sieger macht“ besonders im Blickpunkt steht, kündigte Untersuchungen an. Immerhin belegen Videoaufzeichnungen die Verstrickung von Cheftrainer Alexej Melnikow in Doping oder ein heimlicher Handymitschnitt, wie die 800-Meter-Olympiasiegerin von 2012, Marija Sawinowa, ihre Einnahme von verbotenen anabolen Mitteln erklärt.

„Die Doping-Doku der ARD war schockierend! Wir können nur mit gutem Beispiel vorangehen und sauberen Sport weiterbetreiben“, twitterte Stabhochsprung-Weltmeister Raphael Holzdeppe.

Der Sport ohne Sieger
Armstrong Doping Cycling
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Lance Armstrong hat die Tour de France sieben Mal (1999-2005) gewonnen. Doch wegen Dopings sind ihm im vergangenen Jahr alle Titel wieder aberkannt worden. Darüber müssten sich eigentlich seine ehemaligen Podest-Kollegen bei der Tour de France freuen. Denn im Radsport gilt das „Aufrück-Verfahren“.

Deutschland-Tour Zeitfahren - Jan Ullrich
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Der deutsche Radprofi Jan Ullrich wurde gleich dreimal (2000, 2001, 2003) von Lance Armstrong auf den zweiten Platz verwiesen. Damals fuhr er für die Teams der Telekom und von T-Mobile. Im Jahr darauf fiel der gebürtige Rostocker zum ersten Mal wegen des Verdachts auf Doping auf, nachdem er einen Autounfall verursacht hatte. Ullrich wurde für sechs Monate gesperrt und wechselte zu Coast/Bianchi.

Tour de France - Einzelzeitfahren Jan Ullrich
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2006 gerät Jan Ullrich erneut in die Schlagzeilen: Der Dopingskandal Fuentes wird publik. Ullrich und 57 weitere Fahrer werden vom Rennen ausgeschlossen. Der deutsche Profi dementiert zwar die Vorwürfe, einer Kündigung des T-Mobile-Teams entgeht er jedoch nicht. Erst im Februar diesen Jahres und nach endlosen Verfahren wird Ullrich schuldig gesprochen und infolgedessen mit der üblichen zweijährigen Sperre belegt. Alle Profisiege seit dem 1. Mai 2005 werden ihm aberkannt. Dafür könnte er nun auf den Siegerpodesten von 2000, 2001 und 2003 aufrücken, da diese Siege Armstrong aberkannt worden sind. Ullrich lehnt dies jedoch ab.

Cycling Armstrong Tour Runners-Up
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Auch Joseba Beloki fuhr mit unerlaubten Mitteln: Der Spanier holte sich 2002 im Team von Once den zweiten Platz der Tour de France. Doch sein Sturz im folgenden Jahr beendete seinen Höhenflug. Trotz mehrmaliger Teamwechsel blieb der Erfolg aus. 2006 dann der endgültige Tiefpunkt: Auch Beloki wird im Rahmen des Dopingskandals Fuentes gesperrt. Noch im gleichen Jahr beendete er seine aktive Karriere.

Cycling Tour de France
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Der Italiener Ivan Basso fuhr 2005 im Team von CSC auf den zweiten Tour-de-France-Platz. Doch im Jahr darauf wurde auch er wegen des Verdachts auf Doping im Rahmen des Fuentes-Skandals gesperrt. Basso wechselte in der Folge zum Discovery Channel. Das Team suspendierte ihn als 2007 neue Doping-Anschuldigungen bekannt werden. Noch im gleichen Jahr wurde er vom italienischen Radsportverband für zwei Jahre gesperrt. Inzwischen fährt Basso für Liquigas.

Andreas Kloeden
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Andreas Klöden landete 2004 im Team der Telekom auf dem zweiten Platz. Die Tour 2006 hat er durch Aufrücken ebenfalls als Zweiter beendet, da dem Tour-Sieger Floyd Landis der Titel wegen Dopings aberkannt wurde. Allerdings wurde 2009 bekannt, dass auch Klöden damals zusammen mit seinen Teamkollegen gedopt haben soll.

Derzeit prüft die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada), ob ein sportjuristisches Ermittlungsverfahren eröffnet werden muss. Klöden, der inzwischen zum Team RadioShack-Nissan gewechselt ist, bestreitet die Vorwürfe.

Tour de France - 13. Etappe Virenque
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Der spanische Skandal von 2006 ist nicht der erste in der langen Historie des Radsports. Während der Tour de France 1998 wurden im Spitzenteam Festina eine systematische Dopingpraxis aufgedeckt. Daran beteiligt: der französische Star Richard Virenque.

Es kam schließlich zum Ausschluss der Mannschaften Festina und TVM. Virenque wurde nach seinem Geständnis 2001 für sechs Monate gesperrt. Er hält mit sieben Siegen bis heute den Rekord in der Berg-Etappe.

„Wie das ARD-Fernsehen zeigte, sind bei der Ethik-Kommission der IAAF bereits Untersuchungen zu Problemen des Dopings in der russischen Leichtathletik im Gange“, hieß es im Statement des Weltverbandes, der sich offiziell jedoch weiteren Bewertungen enthielt. Nach Angaben der IAAF sind zurzeit 68 russische Leichtathleten wegen Dopings gesperrt.

„Vorverurteilungen machen im Moment keinen Sinn. Wir müssen belastbare Verfahren haben“, sagte IAAF-Councilmitglied Helmut Digel. „Ich hoffe, dass man in dem Fall schnell zu Ergebnissen kommt. Je länger er vor uns hergeschoben wird, desto größer wird der Schaden.“

Zweifel hat er, dass in Russland Justiz und Staat an einer Aufklärung interessiert ist. „Das ist ein Problem der Anti-Doping-Gesetze, dass sie auf dem Papier stehen, aber nicht umgesetzt werden“, sagte Digel. Dies gelte nicht nur für Russland. „Jetzt ist Russland über den Sportminister und die Regierung gefordert, die notwendigen Schritte zu tun. Ob sie erfolgen, wird man sehen.“

Die deutschen Gewichtheber hegen schon länger den Verdacht auf systematisches Doping im russischen Sport. „In manchen Ländern gehört Doping zum Sport. Russland ist da kein Einzelfall“, sagte Christian Baumgartner, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Gewichtheber. Die ARD-Dokumentation habe ihn jedoch erstaunt: „Überrascht bin ich von der Dichte an Belegen, Daten und Zeugen.“

Doping bei russischen Biathleten?
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