Sportwetten
Der Konflikt um das Wett-Monopol eskaliert

Bisher hatten die Behörden Vereine sanktioniert, die auf deutschen Boden mit Trikotwerbung für private Wettanbieter aufgelaufen waren. Nun sollen Sportvereine auch dann Strafen zahlen, wenn sie im Internet für private Glücksspiel-Anbieter werben. Experten halten dies für eine neue Eskalationsstufe im Streit um das staatliche Glücksspielmonopol.
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KÖLN. Ansbach zählt nicht zu den Zentren des Weltsports, und doch könnte die Hauptstadt Mittelfrankens bald Fußballklubs wie Manchester United, Real Madrid oder dem AC Mailand schwer zu schaffen machen - freilich nicht auf sportlicher Ebene. Es sind die Bescheide zum Thema Glücksspielrecht, welche die Regierung von Mittelfranken derzeit an Sportvereine und Sportverbände verschickt, die sich erheblich auf die wirtschaftlichen Interessen des ausländischen Profisports auswirken dürften. Mit diesen Bescheiden untersagt die Behörde, im Internet für öffentliches Glücksspiel zu werben, "soweit die Werbung vom Gebiet des Freistaates Bayern aus abrufbar ist". Andernfalls drohe ein Zwangsgeld.

Im Fall des Wiener Unternehmens EHF Marketing (EHFM), einer Tochter der Europäischen Handball-Föderation (EHF), haben die Bayern bereits eine Strafe von 50000 Euro verhängt. EHFM veranstaltet mit der Handball-Champions-League den wichtigsten Klubwettbewerb dieser Sportart. Einer der beiden Hauptsponsoren ist Bet-at-home, ein international tätiger Sportwettenanbieter. Knapp 500 000 Euro zahlt das Unternehmen für Werbebanden an den Spielfeldern und dafür, dass die EHFM auf der Champions-League-Homepage ein Werbebanner präsentiert. Um dieses Banner geht es nun, da es einen Link zum Sportwettenanbieter enthält.

"Wir bedauern die aktuelle Situation sehr, weil Bet-at-home ein sehr seriöser Partner ist", sagte EHFM-Geschäftsführer Peter Vargo dem Handelsblatt. Bei einem Verlust des Sponsors dürften die Prämien für die deutschen Champions-League-Teilnehmer Rhein Löwen, -Neckar HSV Hamburg und THW Kiel schmaler ausfallen. Der Sieger des Wettbewerbs erhält rund 500000 Euro.

Die neuen Sanktionen nennt der Berliner Sportwettenexperte Martin Jaschinski "eine neue Eskalationsstufe" im Kampf um die Durchsetzung des staatlichen Glücksspielmonopols in Deutschland. Bisher hatten die hiesigen Behörden lediglich Vereine und Verbände sanktioniert, die auf deutschem Boden mit entsprechender Trikotwerbung aufgelaufen waren.

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