Staatsdoping in Russland
Warten auf das Strafmaß des IOC

Die Fakten zum russischen Staatsdoping liegen auf dem Tisch, jetzt muss das IOC reagieren.. Wird sich das Komitee für einen Ausschluss Russlands aussprechen? Was droht den Athleten? Alles hängt von einem Telefonat ab.

TorontoDer Deutsche Olympische Sportbund erwartet angesichts des massiven Staatsdopings in Russland ein klares Signal vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC). „Es ist eine der ganz großen Entscheidungen der Sportgeschichte“, sagte DOSB-Chef Alfons Hörmann am Dienstag im ZDF-Morgenmagazin. Er gehe fest davon aus, „dass IOC-Präsident Thomas Bach mit seinem Team sehr fein und sauber abwägen wird und am Ende auch die richtigen Maßnahmen ergreift“.

Wie diese aussehen werden, war am Dienstag zunächst noch offen. Zwar hatte das IOC die „härtest möglichen Sanktionen“ in Aussicht gestellt. Ob das aber einen Komplettausschluss Russlands von den in zweieinhalb Wochen beginnenden Spielen in Rio de Janeiro bedeutet, ist noch nicht entschieden. Das IOC wollte im Laufe des Tages in einer Telefonkonferenz über die nächsten Schritte beraten.

Es sollte noch „im Laufe des Nachmittages“ eine Mitteilung dazu geben, teilte das IOC in Lausanne auf dpa-Anfrage mit. Wann genau, war allerdings unklar, ebenso welche Entscheidungen getroffen wurden.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA hatte dem IOC und dem paralympischen Komitee IPC bereits am Montag empfohlen, einen Komplettausschluss der russischen Sportler von Olympia und den Paralympics zu prüfen. Bei den Leichtathleten verhängte die IAAF bereits die Höchststrafe: russische Sportler dürfen nicht zu Olympia. Die WADA hatte den kanadischen Juristen Richard McLaren mit der Untersuchung der russischen Dopingpraxis beauftragt.

McLaren hatte seinen Bericht am Montag vorgelegt, dessen Ergebnisse die Sportwelt erschüttert hatte. Russland hat nach Ansicht der Ermittler jahrelang Doping im Spitzensport staatlich geschützt und gefördert. Zwischen 2012 und 2015 seien 643 positive Doping-Proben russischer und ausländischer Athleten in rund 30 Sportarten, darunter auch elf aus dem Fußball, aussortiert worden. Betroffen sind neben den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014 auch die Leichtathletik-WM 2013 in Moskau und die Schwimm-WM 2015 in Kasan.

Der Chef des Deutschen Leichtathletikverbands, Clemens Prokop, sieht in den WADA-Ermittlungen zum russischen Dopingskandal das Startsignal für umfassende Reformen im Sport. „Der McLaren-Report bietet eine Riesenchance, dass nun wirklich damit begonnen wird, die Dopingbekämpfung auch als strukturelles Problem zu sehen und nicht nur als Versagen Einzelner“, sagte er der dpa.

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