Stadt Dortmund wird keine Finanzhilfe leisten
BVB-Gläubiger treffen erstmals zusammen

Der von der Pleite bedrohte Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund (BVB) drängt seine Gläubiger auf die notwendige Zustimmung zum Sanierungskonzept.

HB DÜSSELDORF. Auf einem Treffen am Freitagnachmittag in Dortmund sollten mit den Kreditgebern die Details einer Gläubigervereinbarung besprochen werden, sagte der vom BVB beauftragte Wirtschaftsprüfer Jochen Rölfs der Nachrichtenagentur Reuters. "Ich glaube, dass das insgesamt dazu beiträgt, die zwei Gläubiger, die noch nicht zugestimmt haben, mit einzubinden." Mit einer Entscheidung der beiden Kreditgeber sei aber frühestens in der nächsten Woche zu rechnen.

Eine wichtige Rolle spiele die jüngst fusionierte Sparkasse Köln/Bonn, die zu den kreditgebenden Banken gehöre, hieß es Finanzkreisen Ein Sprecher der Sparkasse wollte sich dazu nicht äußern. "Wir unterhalten Geschäftsbeziehungen zum BVB, Art und Umfang unterliegen aber der Vertraulichkeit", sagte er. An den Beratungen des Gläubigerausschusses ist auch das Wirtschafts- und Arbeitsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen beteiligt. Wirtschaftsminister Harald Schartau (SPD) hatte schon am Donnerstag deutlich gemacht, dass das Land keine Finanzmittel für die Sanierung bereitstellen werde.

Auch die Stadt Dortmund hat eine direkte Finanzhilfe für den BVB ausgeschlagen. Dies sei auf Grund der Beschränkungen durch das Haushaltssicherungsgesetz weder durch einen Geldbetrag noch durch eine kommunale Bürgschaft möglich, erklärte Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer (SPD). Die Stadt wolle aber als Mittler zwischen dem BVB und Unternehmen der Wirtschaft helfen, hieß es weiter.

Im Fall des von der Insolvenz bedrohten Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund ist die Stadiongesellschaft Molsiris nach eigenen Angaben in "konstruktiven Gesprächen" mit dem Management. "Wir gehören nicht zu den drei Gläubigern (die es noch gestern Abend gab, die Red.), mit denen noch keine Einigung erzielt wurde", sagte die Sprecherin der Muttergesellschaft Commerzbanleasing Immobilien AG, Karolina Müller, am Freitag in Düsseldorf. Sie widersprach damit einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (Freitagausgabe).

Borussia Dortmund hatte das Westfalenstadion vor rund zwei Jahren an den Fonds verkauft und dann für rund 15 Millionen Euro jährlich zurückgeleast. Der derzeit gültige Vertrag mit Molsiris sieht Tilgung und Rückübertragung im Jahr 2017 vor. Rund 5800 Anleger haben Anteile an dem Fonds gezeichnet.

Die Anteilseigner seien in einem Brief darüber informiert worden, dass kurzfristig eine außerordentliche Gesellschafterversammlung einberufen werden solle, so Müller weiter. Dies geschehe, sobald ein konkreter Vorschlag des BVB zur Umstrukturierung vorliege. Ein Termin sei noch nicht absehbar. Die fällige Stadionmiete für 2005 habe der BVB noch nicht gezahlt, hieß es in dem Brief.

Erst am Vortag hatte Deutschlands einziger börsennotierter Fußballklub eine existenzbedrohende Ertrags- und Finanzsituation eingeräumt. Von den Kreditgebern erhofft sich der BVB unter anderem einen zeitlichen Aufschub der Rückzahlungen, die er noch zu leisten hat. Sollte das Konzept nicht die Zustimmung aller Gläubiger erhalten, müsse der Verein die Insolvenz anmelden, hatte BVB-Manager Michael Meier am Donnerstag gesagt. Sollten Sanierungsmaßnahmen ausbleiben, rechnet der BVB bis zum Ende der Spielzeit 2004/05 (30. Juni) mit einem Gesamtverlust von 68,8 Millionen Euro.

Die BVB-Aktie legte im Verlauf um gut 4,5 Prozent zu auf 2,30 Euro. Am Vortag war der Kurs zeitweise noch um weit über 20 Prozent eingebrochen. Bei dem Treffen des Gläubigerausschusses am Nachmittag handle es sich "erstmalig um eine Versammlung, wo fast alle Gläubiger, mit denen wir bis jetzt nur Einzelgespräche geführt haben, zusammenkommen", erläuterte Rölfs. Allerdings werde nur einer der beiden Kreditgeber kommen, die dem Sanierungskonzept noch nicht zugestimmt hätten. An den Beratungen des Gläubigerausschusses ist auch das Wirtschafts- und Arbeitsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen beteiligt. NRW-Wirtschaftsminister Harald Schartau (SPD) hatte aber bereits deutlich gemacht, dass das Land keine Finanzmittel für die Sanierung bereitstellen werde.

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hatte sich dagegen bereit erklärt, mit Hilfe eines Solidaritätsfonds notfalls sicherzustellen, dass der 100 Jahre alte Traditionsverein zumindest die laufende Saison 2004/05 zu Ende spielen kann. BVB-Großaktionär Florian Hamm machte weitere Finanzspritzen von harten Bedingungen abhängig.

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