Start der Tour de France
Der Profiradsport in der Abwärtsspirale

Am Samstag hat das wichtigste Event des Profiradsports begonnen: die Tour de France. Die Spitzenteams verdienen gutes Geld. Doch nach den Dopingskandalen bricht bei vielen Rennställen die finanzielle Basis weg.
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Düsseldorf110 Jahre und kein bisschen müde. Die Tour de France ist nicht kleinzukriegen. Obwohl der Ruf des Profiradsports seit Jahren von Doping befleckt ist und einige Sponsoren auch erschreckt das Weite suchten, lockt beachtliches Marketingpotential immer neue Geldgeber an. Dabei entstehen allerdings Verwerfungen analog zum Fußball zwischen üppig ausgestatteten Teams: denen, die gerade so übers Jahr kommen und jenen, die kein Geld mehr auftreiben können.

Der jüngste Neueinsteiger kommt aus Übersee. Die kalifornische Elektronik-Firma Belkin sorgte fünf Tage vor Beginn der Tour de France für einen Paukenschlag in Holland. Mit der Übernahme eines großen Teils des 20 Millionen Euro schweren Budgets von Rabobank sorgte sie dafür, dass seit diesem Frühjahr unter dem Tarnnamen Blanco fahrenden Profis ihre alten Renntrikots aus- und die grünschwarzen mit der Aufschrift Belkin anziehen durften.

Traditionssponsor Rabobank entzog wegen zu vieler Dopingvorfälle dem Rennstall erst seinen Namen und kündigte für Ende 2013 den Komplettausstieg an. Dem Finanzinstitut war der Imagetransfer nicht mehr geheuer. So ging es auch Autohersteller Nissan und Shampoo-Produzent Alpecin. Die Japaner verließen das Team Radioshack Leopard wegen der Skandale um Mitbesitzer Lance Armstrong. Und Alpecin, Werbedevise „Doping für die Haare“, war das bekannt gewordene Blutdoping so suspekt, dass alle Rennstallpläne um den Markenbotschafter Jan Ullrich im Winter 2012 im Papierkorb landeten.

Chet Pipkin lässt sich davon nicht schrecken. Der Unternehmer, der die Grundlagen für die Elektronikkonzern Belkin in den 1980er Jahren mit Kabelbasteleien in der elterlichen Garage legte, ist fest vom Marketingpotential des Radsports überzeugt. „Die Verbindung unserer Marke mit diesem erfolgreichen, gut aufgebauten Team ermöglicht es uns, Millionen Menschen in der ganzen Welt zu erreichen und mit ihnen zu interagieren“, begründete er das nach eigenen Worten „bisher größte Marketing-Engagement“ des Hardware-Produzenten.

Pipkins Hoffnungen werden von einer jüngst veröffentlichten Marketingstudie des Branchendienstes Cyclingnews gedeckt. Ihr zufolge wurden 2012 für jeden investierten Euro 5,40 Euro an Werbewerten erzielt. Allein durch TV-Präsenz sollen die wichtigsten 325 Sponsoren im globalen Radsport 2,1 Milliarden Dollar generiert haben.

Kommentare zu " Start der Tour de France: Der Profiradsport in der Abwärtsspirale"

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  • Wer als normaler, aber physisch durchaus ganz gut aufgestellter Radler diese Betrüger auf 2 Rädern mit ihrer fahrbaren Hausapotheke im Schlepptau in einem solch übernatürlichen Tempo steile Berge hinaufrasen sah, hätte es sich doch immer denken müssen, daß diese Leistung nicht mit legalen Mitteln möglich ist.
    Ich habe mir deshalb schon vor vielen Jahren abgewöhnt, mir diese Verarsche anzusehen.
    Ich hätte mir allerdings immer gewünscht, die ö-r. Grunzfunkanstalten hätten dies auch viel früher getan.
    Der Aufwand, der da jahrzehntelang getrieben wurde, um etliche Fernsehteams den Betrügern hinterherreisen zu lassen, ist nämlich auch mit Zwangsgebühren finanziert worden.
    Und DAS ist unredlich und fast kriminell!

  • @ Pro-d

    "Wenn eine Organisation oder ein Mensch anfängt sich wirklich unethisch zu verhalten, beginnt immer das Ende. Der Rest ist eine Frage der Zeit."

    Ihren Hinweis, dass die Germanen das Ende der Römer besiegelt haben, finde ich sehr gut.

    Allerdings sollte auch darauf hingewiesen werden, dass das Ende des römischen Reichs mit der römischen Dekadenz begann.

    Und das Thema Dekadenz ist ja in der EU sehr aktuell.

    Wer oder was wird das Ende der EU besiegeln ?!

    Wahrscheinlich der Wirtschaftsraum Russland/Indien/China.

    Wenn ich mir anschaue wie extrem die EU-Banken durch die EZB gedopt wurden/werden, da hilft es bald auch nicht, dass man Nachts aufsteht, um den Kreislauf durch radeln im Schwung zu halten und damit den Tod zu verhindern.

    Die Pulsuhr der Banken zeigt an, dass es nur noch eine Frage von wenigen Jahrzehnten ist, bis dieses System implodiert.

    Die offene Frage wird danach beantwortet werden: Zerfällt der Euro-Raum oder nicht ?!


    Wahrscheinlich wird es so enden wie bei Armstrong:

    Der Kapitalismus hat alles und jeden besiegt - allerdings mit unfairen und unmenschlichen Mitteln, mit einem Zweck vor Augen, der nur Hirngewaschenen nicht fragwürdig erscheint. Alle die darauf explizit hinweisen, werden verfolgt und gekreuzigt, um dann am Ende festzustellen, dass man selbst vom wahren Weg des Lebens angekommen und irgendwo in der geistigen Wüste verschollen ist.


  • Also um ehrlich zu sein, ich wusste vor dem heutigen Tag nicht, wer hinter Kittels Sponsor Argos Energies bzw. dem Team Argos-Shimano steckt. Jetzt weiß ich es. Daher könnte ich mir durchaus vorstellen, dass es nicht unklug gerade jetzt in Sachen Sportsponsoring auf den Radsport zu setzen. Was können denn die jungen Radsportler, die zum ersten mal an der Tour teilnehmen (rd. 60 sollen es sein) dafür, dass sich einige früher daneben benommen haben. Man straft die falschen dafür ab. Froh bin ich lediglich darüber, dass neben Eurosport kein ö.r. Sender mehr berichtet. Ganz besonders freue ich mich d.J. auf die 18. Etappe.

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