Stasi-Vorwürfe
Hagen Boßdorf will Posten als NDR-Sportchef einklagen

Bis Dienstagabend sollte ARD-Sportkoordinator Hagen Boßdorf zum 1. März 2006 Nachfolger von Gerhard Delling als NDR-Sportchef werden. Am Dienstag jedoch beschloss der NDR-Verwaltungsrat, den Vertrag wegen Stasi-Vorwürfen zu lösen. Doch Boßdorf will kämpfen.

HB HAMBURG. Boßdorf werde die gerichtliche Auseinandersetzung für den Nachweis nutzen, „dass er zu keinem Zeitpunkt IM der Staatssicherheit der DDR war“, erklärte sein Rechtsanwalt Peter-Michael Diestel am Mittwoch. Die Begründung, mit der der NDR-Verwaltungsrat am Dienstagabend die Auflösung von Boßdorfs Vertrag beschlossen hatte, sei „in der deutschen Rechtsordnung nicht vorgesehen“.

Anlass für die erneute Beratung des Verwaltungsrats über Boßdorf, dessen Berufung das Gremium am 28. Oktober zugestimmt hatte, waren ergänzende Unterlagen, die die Birthler-Behörde am 6. Dezember nachgereicht hatte. In den neuen Unterlagen, aber auch schon in den zuvor an den Sender übermittelten, sieht die Behörde deutliche Hinweise auf eine Tätigkeit Boßdorfs als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) „Florian Werfer“ für die DDR-Staatssicherheit in den Jahren 1988 und 1989. Boßdorf selbst hat Kontakte zur Stasi eingeräumt, aber immer bestritten, als IM aktiv gewesen zu sein.

Nach der Sitzung des Verwaltungsrats sagte die Vorsitzende Rosemarie Wilcken, die Aktenlage sei „zunächst nicht eindeutig“ gewesen. „Und auch jetzt ist eine abschließende Beurteilung schwierig. Da aber nicht alle Zweifel ausgeräumt werden konnten, ist die erforderliche Vertrauensbasis für eine künftige Zusammenarbeit leider nicht gegeben.“

Dazu erklärte Diestel, wenn die im Fall Boßdorf angewandte Praxis um sich greife, ließen sich mit der gleichen Begründung „sämtliche ostdeutschen Biografien zerstören, da das Ministerium für Staatssicherheit seinerzeit den Anspruch der „flächendeckenden Tätigkeit“ hatte und diesen auch erfüllte“. Boßdorf werde „mit großer Gelassenheit und exakter inhaltlicher Vorbereitung im Vertrauen auf die deutsche Rechtsordnung den Rechtsweg bestreiten und die Gelegenheit nutzen, die Zweifel an seiner Vergangenheit auszuräumen“.

Diestel betonte, die Stasi-Akten über Boßdorf seien ohne dessen Kenntnis oder Zustimmung angelegt worden. Boßdorf habe weder eine Verpflichtungserklärung unterschrieben noch selbst nachrichtendienstliche Berichte verfasst oder konspirativ mit den Stasi-Strukturen zusammengearbeitet. Es müsse der Birthler-Behörde verwehrt werden, „Menschen, die eine kommunistische Diktatur überstanden haben, im Nachhinein per Gutachten zu IM zu erklären“.

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