Stimmung wie im Fußballstadion
Aus dem Kreißsaal auf den Sumo-Thron

Erst vor elf Wochen eine Tochter auf die Welt gebracht, eigentlich lieber Judoka als Sumotori und dazu noch am Knie verletzt - Sandra Köppen hatte bei den World Games keine Chance. Doch die hat die 30-Jährige genutzt und den Wettkampf zu einem einmaligen Spektakel werden lassen.

HB DUISBURG. Als es geschafft war, sah Sandra Köppen gar nicht wie eine Siegerin aus. Auf allen Vieren und mit gesenktem Kopf verharrte die Sumo-Kämpferin für einige Sekunden auf dem sandigen Boden außerhalb des „Dojo“-Ringes. Kurz zuvor hatte sie die Russin Olesja Kowalenko mit einem wuchtigen Stoß, einem Yori-Kiri, aus der Kampfzone befördert und sich damit die Goldmedaille im Schwergewicht gesichert.

„Eigentlich war es utopisch, hier zu gewinnen“, sagte die 30 Jahre alte Schwergewichts-Kämpferin. Bis eine Woche vor dem Wettkampf stand noch nicht einmal fest, ob sie bei den World Games überhaupt starten würde. „Aber gerade in Deutschland wollte ich unbedingt dabei sein.“ Bereits sechs Wochen nach der Geburt von Marie Luis begann Köppen, die mit ihrem Lebensgefährten und Trainer Wolfgang Zuckschwerdt auf einem Bauerngut im brandenburgischen Schenkenberg lebt, wieder mit dem Training, zunächst mit einem Reha-Programm unter ärztlicher Aufsicht. Dem Muskelaufbau folgte das „Höhentraining“ in einer speziellen Druckkammer in Berlin. Doch die Ungewissheit blieb: „Ich hab' gedacht, ich fahr' hier hin und krieg' die Badehose voll.“

Der Start ins Turnier missglückte prompt. Köppen verlor nicht nur ihr Auftaktmatch gegen Kowalenko, sondern stürzte dabei auch unglücklich auf das linke Knie, das dick bandagiert werden musste. „Das war schon heftig“, sagte sie, „aber ich habe die Zähne zusammengebissen.“ Danach kam Köppen in Schwung. Mit ihrem aktuellen Kampfgewicht von 138 Kilo - normal hat sie 130 - beförderte die Sportsoldatin eine Gegnerin nach der anderen aus dem Ring.

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