Streit innerhalb der Mannschaft gefährdet Saisonziele
Bei Hertha fliegen die Fetzen

Handfester Streit innerhalb der Mannschaft gefährdet die Saisonziele der Berliner. Im Mittelpunkt: der brasilianische Star Marcelinho, der nicht zum ersten Mal seine Vorgesetzten überraschte.

BERLIN. Herthas Vereinsführung widmete sich der Aufklärung des Sachverhaltes mit aller nötigen Akribie. Sogar beim Pförtner an der Schranke des Vereinsgeländes habe man "extra nachgefragt", berichtete Manager Dieter Hoeneß. Die Recherche bestätigte jedoch nur die erste Vermutung: Nein, Marcelinho war nicht an der Schranke erschienen und abgewiesen worden. Seit gestern dürfen Herthas Profis nicht mehr auf dem Gelände vor der Kabine parken, doch mit der Parkplatzsuche an der Hanns-Braun-Straße hatte es nichts zu tun, dass Marcelinho am Tag nach der 1:2-Niederlage in Dortmund eine halbe Stunde zu spät zum Training erschien. Angeblich hatte er sich in der Anfangszeit geirrt. "Dafür fehlt mir jegliches Verständnis", sagte Hoeneß.

Es war nicht das erste Mal, dass Marcelinho seine Vorgesetzten überrascht. Nie zuvor aber hat er ihre Nachsicht derart strapaziert wie in diesen Tagen. Am Sonntag, in Dortmund, war er auf dem Weg in die Kabine gegen Kapitän Arne Friedrich handgreiflich geworden, am Tag danach versäumte er den Trainingsbeginn und damit den Anfang einer ernsten Ansprache von Dieter Hoeneß. "Das ist ein Indiz dafür, dass er den Vorfall nicht richtig einordnet", sagte Herthas Manager. Es ist wohl auch ein Indiz dafür, dass Marcelinho seine Schuld nicht sieht. Ob er sich entschuldigt habe, wurde Friedrich gefragt. "Dazu will ich nichts sagen", antwortete Herthas Kapitän. Offenbar also nicht.

Friedrich hatte den Brasilianer Ende der ersten Halbzeit für sein mangelndes Engagement gerügt. "Ich habe mir nichts vorzuwerfen", sagte der Kapitän. "Ich habe nur eine Anweisung gegeben, von der ich glaube, dass sie mir zusteht." Marcelinho aber wollte die Zurechtweisung nicht unkommentiert entgegennehmen. Auf dem Weg in die Kabine, noch auf dem Rasen, rempelte er Friedrich von hinten an, im Kabinengang, weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit, kam es dann zu "einer handgreiflichen Situation", wie Hoeneß es ausdrückte. "Eine solche Art der Zusammenarbeit in der Mannschaft werden wir nicht dulden", sagte Herthas Manager. Als Kapitän habe Friedrich das Recht, sogar die Pflicht gehabt einzugreifen, "die Reaktion von Marcelinho ist einfach unangebracht".

Von einem Griff in Friedrichs Gesicht ist die Rede, wahlweise auch von einem Schlag. Doch weder der Manager noch Trainer Falko Götz hatten den Vorfall gesehen, und die beiden Beteiligten schwiegen auch am Tag danach. "Das ist alles noch ein bisschen zu frisch", sagte Friedrich. Nur Giuseppe Reina bewertete Marcelinhos Aktion mit recht deutlichen Worten: "Das ist unterste Schublade. Man muss sich da einfach im Griff haben." Hertha fürchtet nun, dass der Ausraster des Brasilianers den schönen neuen Teamgeist gefährdet - und damit das ambitionierte Saisonziel, den europäischen Wettbewerb zu erreichen.

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